Die Verhandlungen hatten sich verzögert, nun soll aber Einigkeit herrschen. Bis März wird der Betrieb wie bisher durch den Caritasverband Lahr sichergestellt.
Zum Jahreswechsel sollte im Seelbacher Pflegeheim St. Hildegard eigentlich die Betriebsübergabe vom Caritasverband Lahr an die Firma Kenk erfolgen. Diesen grundsätzlichen Plan hatten die Beteiligten nach langen Verhandlungen bei einer Pressekonferenz im Oktober verkündet. Eine notarielle Absegnung eines Kaufvertrags stand damals noch aus, war für Ende des Jahres vorgesehen. Seitdem war es öffentlich ruhig um das Thema, hinter den Kulissen liefen jedoch die Verhandlungen weiter.
Wie die Firma Kenk und die Gemeinden Seelbach und Schuttertal nun in einer Mitteilung informieren, ist es bislang nicht zur Übergabe gekommen. Ein Zeichen, dass die Abmachung wackelt? Die Beteiligten geben Entwarnung: „Die Gespräche rund um den Verkauf und den geplanten Betriebsübergang der Pflegeeinrichtung St. Hildegard in Seelbach vom Caritasverband Lahr an die Familie Kenk haben in den vergangenen Wochen entscheidende Fortschritte gemacht“, heißt es aus den Rathäusern und von der Familie Kenk.
Grundsätzliche Einigkeit über wesentliche Punkte
In mehreren gemeinsamen Terminen habe man der Mitteilung zufolge eine grundsätzliche Einigkeit über alle wesentlichen noch offenen Punkte erzielt. Derzeit erfolge die schriftliche Ausarbeitung des Kaufvertrags, der die getroffenen Vereinbarungen festhalten und absichern soll. Ein Termin für die notarielle Beurkundung sei für Februar geplant. Sobald der Kaufvertrag dementsprechend ausgearbeitet und beurkundet ist, werde die Öffentlichkeit über den weiteren Ablauf informiert.
Vorgesehen ist, dass die Einrichtung zum 1. März in die Trägerschaft der Familie Kenk übergeht. Bis dahin werde der Betrieb wie bisher durch den Caritasverband Lahr sichergestellt.
Geschäftsführer Jonas Kenk und Seniorchef Edgar Kenk zeigen sich positiv gestimmt: „Die vergangenen Monate waren von intensiven Gesprächen und einem sehr engen Zeitrahmen geprägt. Leider war es unter diesen Voraussetzungen nicht möglich, die Übernahme wie ursprünglich geplant bereits zum Jahreswechsel umzusetzen. Entscheidend ist für uns jedoch, dass wir nun eine Lösung gefunden haben, die den Bewohnerinnen und Bewohnern sowie den Mitarbeitenden Stabilität gibt und es ihnen ermöglicht, weiterhin in Seelbach zu bleiben“, werden sie in der Mitteilung zitiert.
Ihr Dank gelte ihrem Team, „das in dieser Phase mit großem Einsatz, viel Geduld und hoher Professionalität an der Vorbereitung der Übernahme gearbeitet hat“. Dieses Engagement sei keineswegs selbstverständlich. „Wir blicken nun mit Zuversicht auf die nächsten Schritte und darauf, die Einrichtung in Seelbach künftig verantwortungsvoll weiterzuführen“, so Jonas und Edgar Kenk.
Seelbachs Bürgermeister Michael Moser schließt sich an: „Die Gespräche in den letzten Monaten bis hin zum Jahresende waren sehr intensiv. Aber alle Seiten waren wirklich aktiv dabei, bei den noch offenen Punkten Lösungen zu finden.“
Die Übernahme zu sichern, sei über das letzte halbe Jahr ein „immens komplexer Kraftakt“ aller Beteiligten gewesen. „Als mir dann übereinstimmend bestätigt wurde, dass nun in den wesentlichen Details Einigkeit herrscht, war ich unheimlich erleichtert. Dass die Caritas den Betrieb bis Ende Februar sichert, ist großartig.“
Heim soll Ort der Fürsorge in der Region bleiben
Moser gibt in der Mitteilung zu, dass er „nach den Erfahrungen der vergangenen Monate“ zwar vorsichtig sei, denn „der Teufel steckt oft im Detail“. Auf Basis des jetzigen Stands sei er aber mehr als zuversichtlich hinsichtlich des voraussichtlichen Übergangs. „Klar ist: Unterschrieben und beglaubigt ist es erst beim Notar.“
Schuttertals Bürgermeister Matthias Litterst ergänzt: „Seit der gemeinsamen Pressekonferenz im Spätsommer hat sich extrem viel bewegt. Alle Beteiligten haben intensiv an der Lösung gearbeitet. Als mir schließlich von allen Seiten bestätigt wurde, dass auch die letzten offenen Punkte geklärt sind, ist mir ein Stein vom Herzen gefallen. Nun müssen die letzten Formalien bis hin zum Notartermin erledigt werden.“
Das Gebäude St. Hildegard sei einst für den Zweck der Pflege errichtet worden, betonten die beiden Rathauschefs. Und zwar mit Schweiß, Tränen und erheblichen Mitteln vieler Beteiligter. „Genau das soll und wird es auch bleiben: Ein Ort der Fürsorge mitten in unserer Region“, so Moser und Litterst.
Chronik
14. Mai:
Der Caritasverband Lahr gibt bekannt, das Pflegeheim St. Hildegard schließen zu wollen. Bewohner und Mitarbeiter sollen ins neue Pflegeheim des Verbands nach Ettenheim umziehen.
20. Mai:
Gegen die Pläne gibt es Protest. Angehörige sorgen sich davor, dass die Bewohner aus ihrem gewohnten Umfeld herausgerissen werden und ihr Besuchsweg nun deutlich beschwerlicher wird. Eine Petition für den Erhalt des Pflegeheims findet großen Anklang. Die Gemeinden geben bekannt, einen neuen Betreiber finden zu wollen.
22. Mai:
Seelbachs Altbürgermeister Klaus Muttach legt offen, dass die Gemeinden Seelbach und Schuttertal einst rund vier Millionen Euro – und damit ein Drittel der Kosten – zum Bau beigetragen haben. Der Unmut über die Caritas wächst im Schuttertal.
2. Juni:
Beim Infoabend des Caritasverbands, bei dem die Vorstände die Hintergründe ihrer Entscheidung darlegen, kochen die Emotionen hoch.
30. Juni:
Der Gemeinderat Seelbach bringt eine Änderung des Bebauungsplans auf den Weg und durchkreuzt damit die Caritas-Pläne, auf dem Areal Betreutes Wohnen anzubieten.
21. Juli:
Die Gemeinden präsentieren die Familie Kenk als Interessenten für die Übernahme des Pflegeheims. Die Verhandlungen mit dem Caritasverband starten.
8. Oktober:
Die Gemeinden, der Caritasverband und die Familie Kenk geben bekannt, dass Einigkeit erzielt wurde. Bewohner und Mitarbeiter dürfen, wenn sie möchten, in Seelbach bleiben. Eine Übergabe ist zunächst für den 1. Januar 2026 geplant.