Angeln ist ein beliebtes Hobby – auch im Oberen Enztal. Dafür hat der Fischereiverein Oberes Enztal zwei Lose der Enz gepachtet. Ein großes Problem ist jedoch die Fischwilderei.
„Die Leute haben keinerlei Schmerzgrenze“, beklagt sich Hartmut Kloss, der Vorsitzende des Fischereivereins Oberes Enztal. Damit meint er die Schwarzfischer, die immer ungehemmter Fischwilderei betreiben.
Das Fischen oder Angeln ist in Deutschland klar geregelt. Wer dieses Hobby betreiben möchte, muss zunächst die Sportfischereiprüfung ablegen. Wer die erfolgreich bestanden hat, kann sich einen Jahresfischereischein holen und ist damit berechtigt, sich bei den Inhabern der Fischereiberechtigungen eine Karte zu kaufen und dann dort zu angeln.
Fischerei ist streng limitiert
Der Fischereiverein Oberes Enztal bewirtschaftet zwei Lose an der Großen Enz: einmal von der Eyachbrücke bis zum Ortseingang von Wildbad und zudem den Bereich südlich von Wildbad bis nach Nonnenmiß. Diese Bereiche hat er seit 60 Jahren über die Touristik Bad Wildbad vom Land Baden-Württemberg als Eigentümer gepachtet.
Hauptfische sind die Bachforelle und die Regenbogenforelle, die sich zudem in der Enz natürlich vermehren. Damit dies auch so bleibt, ist die Fischerei in der Enz streng limitiert, erklärt Kloss. Das Regierungspräsidium lege fest, wie viele Leute fischen dürfen – und wie viel. Der Verein selbst habe gut 50 Mitglieder, „aber wir dürfen nur 32 Jahreskarten ausgeben“. Im Verein selbst gibt es also bereits eine Warteliste für die Karten. Dazu kommen noch – das ist eine Vereinbarung mit der Touristik – fünf Tageskarten pro Los pro Tag für übernachtende Gäste. „Jeder, der eine Karte hat, darf drei Fische entnehmen“, so Kloss weiter.
Enz ist beliebtes Angelrevier
Die Große Enz ist ein beliebtes Angelrevier. Das liegt auch an der guten Wasserqualität, die sich laut Kloss deutlich verbessert hat, nachdem die Papierfabrik Anfang der 1980er-Jahre geschlossen wurde. Zudem hegt und pflegt der Verein das Wasser bei regelmäßigen Arbeitseinsätzen und Müllsammelaktionen.
Umso mehr ärgert er sich über die Fischwilderer. „Das wird heute vollkommen offen betrieben“, klagt er. Die Leute seien „schmerzfrei, weil nichts passiert“. In den vergangenen drei oder vier Jahren habe das massiv zugenommen und finde oft auch tagsüber ganz offen statt. Corona habe einen Boom gebracht und viele Leute hätten damals einen Angelschein gemacht. Zudem gebe es immer wieder Angebote in Discountern und viele würden sich da einfach mal eine Angel kaufen.
Manche würden auch einfach eine Schnur mit Haken und Gewicht an die Brücke hängen, und das „bleibt ein paar Stunden hängen, egal ob der Fisch verreckt“, erzählt er. In der Enz sei ausschließlich Fliegenfischen erlaubt. Dabei gebe es regelrechte Hotspots, an denen die Schwarzfischerei in großem Stil betrieben werde – teilweise sogar mitten in der Stadt und den Teilorten oder auch in Höfen.
Schwarzfischer an Angelmethode zu erkennen
Doch woran erkennt man diese Methode? Ein Fliegenfischer schwingt seine Rute in kurzen Abständen vor und zurück – ähnlich einer Peitschenbewegung, erklärt der Vereinsvorsitzende. Dabei wird eine vergleichsweise dicke, gut sichtbare Schnur über das Wasser geführt. Wer hingegen ruhig mit ausgelegter Leine oder mit Ködern wie Wurm, Brot oder Blinker fische, verstoße gegen die Vorschriften und sei ein potenzieller Schwarzfischer, so Kloss weiter.
Die Blinker seien zudem oft mit sogenannten Drillingen, also drei Haken, bestückt, was die Fische verletze. Beim Fliegenfischen hingegen bekämen die Fische den Haken nur vorn ins Maul und würden „keine oder kaum Schmerzen“ erleiden und nicht verletzt werden. Das sei besonders wichtig, falls der gefangene Fisch zu klein sei. Denn bei den Forellen in der Enz gilt eine Mindestgröße von 28 Zentimetern. „Kleinere lassen wir wieder rein“, versichert Kloss.
Trotz klarer Regeln und empfindlicher Strafen nehme die Zahl der Verstöße zu. Illegales Fischen gefährde den Bestand und das ökologische Gleichgewicht der Enz, so Kloss, der sich wünscht: „Es soll weiter in geregelten Bahnen gehen.“ Deshalb versuche man, die Schwarzfischerei einzudämmen. Der Verein hat einen eigenen Kontrolleur, der ehrenamtlich am Wochenende und an Feiertagen unterwegs ist. Wenn der oder ein anderes Mitglied jemand erwischt, „rufen wir die Polizei“, sagt Kloss.
Polizei weiß manchmal nicht, was zu tun ist
Wobei das auch nicht immer ganz einfach sei, denn die Polizei wisse manchmal „gar nicht, was gemacht werden muss“. Deshalb habe der Verein eine Aktion gestartet und versucht, Polizei und städtisches Ordnungsamt für das Thema zu sensibilisieren. Auf einem Merkzettel haben sie deshalb alles Wichtige für eine polizeiliche Anzeigenaufnahme notiert.
Neben einer Anzeige wegen Fischwilderei gemäß Paragraf 293 Strafgesetzbuch sollten auch eine Ordnungswidrigkeiten-Anzeige sowie ein Antrag auf Einziehung der Fanggeräte nach dem Fischereigesetz Baden-Württemberg gestellt werden. Zudem sollen die eventuell gefangenen Fische daraufhin überprüft werden, ob sie waidgerecht getötet wurden – mit einem Herzstich oder Kiemenschnitt. Falls nicht, käme noch eine Anzeige wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz hinzu.
Der Verein bittet daher um Mithilfe aus der Bevölkerung: „Wer verdächtige Beobachtungen macht, kann den Fischereiverein per E‑Mail unter fischereiverein-oberes-enztal@web.de informieren. In dringenden Fällen sollte die Polizei unter 110 verständigt werden.“