Muss der Hersteller von Präzisionswerkzeugen sein Werk in Lahr schließen? Die Firma weist Gerüchte zurück – der Standort bleibt. Allerdings: 2026 wird Personal abgebaut.
Dichter Nebel zieht am Dienstagmittag vom LGS-Gelände auf das benachbarte Firmengrundstück. Dort ist das Werk von LMT-Kieninger von der Vogesenstraße aus kaum zu erkennen. Nur vereinzelt spazieren Mitarbeiter über den Parkplatz, ansonsten herrscht Stille. Ein Symbol für düstere Aussichten? Zuletzt machten Gerüchte die Runde, die Firma würde die Produktion in Lahr ganz einstellen.
Das ist nicht der Fall, bekräftigt das Unternehmen auf Anfrage unserer Redaktion. Man bekenne sich „ausdrücklich zum Standort Deutschland und seinen beiden hier ansässigen Werken“. Allerdings soll eine „maßvolle sozialverträgliche Anpassung der Personalstärke“ folgen, so die etwas nebulöse Formulierung. Heißt übersetzt: Personalabbau.
Im Gespräch mit unserer Redaktion sorgt Jesko Bode, Rechtsberater der LMT-Tools Global Operations GmbH, zu der LMT-Kieninger gehört, für Klarheit. „Wir werden in Lahr im nächsten Jahr sukzessive abbauen.“ Um die 180 Mitarbeiter seien aktuell am hiesigen Standort beschäftigt, etwa 20 Stellen sollen gestrichen werden. Ein Großteil, hofft Bode, könne man über das „übliche Ausscheiden“ regeln. Wenn Mitarbeiter in Ruhestand gehen, würden deren Stellen nicht mehr nachbesetzt, beziehungsweise intern aufgefangen. Andere Beschäftigte könnten ins zweite deutsche LMT-Werk nach Schwarzenbek in Schleswig-Holstein versetzt werden. „Dort brauchen wir etwas mehr Leute.“ Dass manchen Mitarbeitern auch die Kündigung auf den Tisch gelegt wird, kann Bode aktuell nicht ausschließen.
1960 in Dinglingen gegründet
Das Lahrer LMT-Werk hat seinen Ursprung im Familienunternehmen Kieninger, das 1960 von Walter und Johanna Kieninger in Dinglingen gegründet wurde. Im Jahr 1982 folgte der Umzug nach Mietersheim. Die weltweit tätige LMT-Gruppe wurde 1993 Mehrheitseigentümerin, übernahm das Unternehmen vier Jahre später komplett.
Hintergrund des nun anstehenden Personalabbaus, erläutert Bode, sei eine notwendige Umstrukturierung, die eng mit den Entwicklungen in der Automobilindustrie zusammenhängt. LMT-Tools ist darauf spezialisiert, Werkzeuge für die Produktion von Industriekomponenten herzustellen. Dazu zählen auch Verbrennungsmotoren. „Wir hängen glücklicherweise nicht mehr zu sehr von der Automobilindustrie ab. Aber wir können uns den Entwicklungen nicht ganz entziehen“, bringt es Bode auf den Punkt. Der Trend weg vom Verbrenner hin zum Elektromotor zwinge LMT-Tools zum Umdenken.
Unternehmen beliefert auch Luft- und Raumfahrt
In Lahr will man sich daher künftig auf komplexe, individualisierte Werkzeuge konzentrieren. „Massenprodukte wie Schraubenzieher kann man in Indien produzieren. Für Rollsysteme, die kostentechnisch im Bereich eines Kleinwagens liegen, braucht es das Knowhow, das wir hier vor Ort haben“, so Bode. Neben der Automobilindustrie, die man weiter beliefere, sind die Wehrtechnik, die Luft- und Raumfahrt oder Hersteller für erneuerbare Energien Partner des Unternehmens.
Die speziellen Anforderungen dieser Branchen machen deutlich, warum aus Sicht von LMT-Tools eine Spezialisierung notwendig ist. Metallene Komponenten, etwa in der Turbine eines Windrads oder Teile eines Raketenantriebs, müssen sehr widerstandsfähig sein. „Das bedeutet auch: Unsere Werkzeuge müssen noch härter sein, um diese Komponenten schleifen zu können“, erklärt Bode die Herausforderung.
Um die „Veränderungsprozesse in der Wirtschaft aktiv und innovativ zu begleiten“, so das Unternehmen abschließend, ist LMT-Kieninger auch in Lahr – trotz des Personalabbaus – auf der Suche nach Auszubildenden.
Bangen um Bosch
LMT-Kieninger ist nicht der einzige Automobilzulieferer, der unter Druck steht. Noch schlimmer trifft es den Standort der Firma Bosch in Bühl, wo bis 2030 1700 Arbeitsplätze wegfallen sollen. Der Standort Bühlertal mit 200 Beschäftigten soll ganz schließen. Die IG Metall, der Betriebsrat, OB Matthias Bauernfeind sowie die Landtagsabgeordneten Cornelia von Loga (CDU) und Andreas Stoch (SPD) haben diese Pläne in einem Positionspapier nun scharf kritisiert. Das Vorhaben sei „kein Transformationskonzept, das ist ein Ausbluten eines zentralen industriellen Herzstücks der Region“, heißt es darin.