Die BBS Autotechnik um Gesellschafter Ilkem Sahin (Archivfoto) hat eine Felgenfabrik in Werdohl gekauft. Foto: Samuel Jambrek

Die Mitarbeiter klagen über fehlenden Lohn – währenddessen haben die BBS-Investoren eine Felgenfabrik in Werdohl gekauft. BBS bezieht nun in Person von Jürgen Klingelmeyer erstmals Stellung zu den ausbleibenden Lohnzahlungen und der brisanten Übernahme.

Die BBS Autotechnik aus Schiltach hat die Fabrik des insolventen US-amerikanischen Felgenherstellers Superior Industries in Werdohl (Nordrhein-Westfalen) übernommen. Entsprechende Medienberichte der vergangenen Tage bestätigt BBS auf Anfrage unsere Redaktion. Bereits am 19. Juni war eine Mitteilung des Bundeskartellamts über ein laufendes Fusionskontrollverfahren veröffentlich worden: Der geplante Erwerb von Vermögensgegenständen der Produktionsstätte Werdohl der Superior Industries Production GmbH durch die BBS Autotechnik war darin verkündet worden.

 

Die Übernahme sorgt für großen Unmut innerhalb der Belegschaft, nicht zuletzt aufgrund der ausbleibenden Lohnzahlungen: Wie unsere Redaktion berichtete, wurden die Gelder für Mai und Juni nicht ausgezahlt. Am Mittwoch brachte die Geschäftsführung dann immerhin die Auszahlung der Mai-Löhne auf den Weg. Eine vom Betriebsrat gesetzte Frist bis zum heutigen Donnerstag, 16 Uhr, umfasst aber auch die Juni-Löhne, so dass mögliche Konsequenzen weiterhin völlig offen sind.

Vor allem aber bei den Beschäftigten in Herbolzheim lässt die Nachricht über den Kauf der Fabrik in Werdohl die Alarmglocken läuten: Sie befürchten schon seit Längerem die Stilllegung des dortigen BBS-Werks.

Werk in Herbolzheim wird nicht erwähnt

Eine Anfrage unserer Redaktion bei BBS beantwortet der ehemalige Geschäftsführer Jürgen Klingelmeyer, der mittlerweile als General Manager auftritt und intern als Bindeglied zu den Investoren der ISH Management Services GmbH gilt. Gefragt nach den Folgen der Übernahme für die Standorte Schiltach und Herbolzheim antwortet Klingelmeyer: „Wir verfolgen einen langfristigen Plan, der den Erhalt von Schiltach als Geburtsstätte unserer Marke beinhaltet. Der Kauf des Standortes in Werdohl beinhaltet keine Übernahme von Personal und muss nun erst in die Pläne eingearbeitet werden.“ Das Werk in Herbolzheim erwähnt er nicht.

Die neue Produktionsstätte in Werdohl biete „strategische Entwicklungsmöglichkeiten, um die durch jahrelangen Investitionsstau entstandenen Nachteile kurzfristig lösen zu können“, so Klingelmeyer. „Unter anderem beinhaltet der Kauf eine neu Lackierungsanlage für Räder bis zu 24 Zoll und sichert die zukünftigen Entwicklungsmöglichkeiten der BBS ab.“

Informationen der Lokalzeitung Süderländer Volksfreund zufolge gilt die Lackierungsanlage als die modernste Europas. Sie sei vor einigen Jahren Teil einer 65-Millionen-Euro-Investition von Superior Industries in den Standort Werdohl gewesen. Die Anlage sei Angaben des Insolvenzverwalters zufolge bisher aber nur ein Mal im Probebetrieb gelaufen und für den Werdohler Standort vollkommen überdimensioniert, so der „Süderländer Volksfreund“.

„Verzögerung bei der Auszahlung“

Auch zu den ausbleibenden Lohnzahlungen bezieht BBS in Person von Klingelmeyer erstmals offiziell Stellung. Auf vorherige Anfragen unserer Redaktion bei der zuständigen PR-Agentur gab das Unternehmen keine Auskunft. Klingelmeyer wird nun wie folgt zitiert: „Unser Gesellschafter Ilkem Sahin wusste, dass er nach der vierten Insolvenz eine schwierige Aufgabe übernommen hat. Trotz vieler Verzögerungen im Wiederaufbau und der dadurch geschuldeten negativen Auftragssituation hat er alle Löhne und Gehälter über ein halbes Jahr bezahlt, auch wenn die fehlende Auslastung dazu führte, dass die meisten Mitarbeiter zu Hause waren. Durch die fehlende Einnahmensituation kam es nun zu einer Verzögerung bei der Auszahlung.“

Laut Gesellschafter bleibt keine Rechnung unbezahlt

Auch Klingelmeyer bestätigt, dass nun der Mai-Lohn ausgezahlt wurde. „Und grundsätzlich betont Ilkem Sahin, dass keine Rechnung unbezahlt bleibt. BBS befindet sich durch die Einigung über ihre Markenrechte und dem Erwerb des Standortes Werdohl in einer wesentlich besseren Ausgangslage als im Dezember letzten Jahres.“