Viele leere Plätze und keine Leinwand: Im "Platzhirsch" sieht man normalerweise Fußballfans, die sich die Spiele ansehen. Am Dienstag während eines WM-Spiels aber nicht. Foto: Köhler

Fußballpartys? Fehlanzeige! Die Fußball-WM in Katar kommt bislang bei den Lahrern nicht gut an. Lokale in der Innenstadt übertragen die Spiele dennoch und hoffen zum Auftaktspiel der deutschen Mannschaft heute Mittag endlich auf viele Fans.

Lahr - Die Fußball-WM in Katar läuft seit Sonntag, doch viel merkt man davon in der Stadt nicht. Deutschland-Fahnen an den Autos oder Menschenmassen, die in den Lokalen auch die Spiele der anderen Nationen verfolgen, sieht man bislang kaum. Unsere Redaktion hat sich in Gaststätten umgehört, wie die Fußball-WM bislang bei den Fans ankommt.

"Bislang war es noch ruhig. Die Leute müssen erst noch richtig begreifen, dass WM ist", sagt "The Kitchen"-Inhaber Celik. Im Gasthaus in der Kirchstraße werden alle Spiele, die im Free-TV empfangbar sind, auf sechs Bildschirmen übertragen, wenn auch zunächst ohne Ton. So handhabt der Inhaber auch die Begegnung Deutschland gegen Japan am heutigen Mittwoch. Etwas Besonderes ist nicht geplant. "Wenn die Mehrzahl der Leute dann will, dass ich laut mache, dann mache ich laut", erklärt der Inhaber, stellt jedoch auch klar: "Zur EM war mehr los."

Nichtsdestotrotz würden die Menschen gezielt Tische reservieren für die spannenden Spiele der WM. Für Deutschland gegen Spanien, dem Spiel am Sonntag, gebe es bereits explizite Reservierungen. Ein Boykott der EM kam für Celik nicht in Frage. "Die Geschäfte schießen sich nach drei Jahren Pandemie selbst ins Bein, wenn sie die WM boykottieren", ist er überzeugt.

Hoffnung ruht auf deutscher Elf

Ähnlich ist die Lage im "Platzhirsch" am Marktplatz. Der stellvertretende Chef Vincent Gassmann hatte bereits im Oktober im Gespräch mit der Lahrer Zeitung angekündigt, alle Spiele der WM übertragen zu wollen. Auf den zusätzlichen Umsatz wollte man nach der schwierigen Zeit der Pandemie nicht verzichten. Mitarbeiter Samir Davion bestätigte am Dienstag im Gespräch mit unserer Redaktion, dass sich an den Plänen nichts geändert hat. "Wir lassen eine Leinwand herunter, dann übertragen wir die Spiele", erklärt er.

Bei der Übertragung der bisherigen Spiele habe er die Erfahrung gemacht, dass die Leute dankbar für das Angebot sind. "Sie haben sich sehr gefreut, dass die Spiele übertragen werden", so Davion. Seiner Ansicht nach gehe es dabei um ein gewisses Gruppengefühl, das man alleine beim Fußballschauen nicht bekommt. Bei den bisherigen Spielen sei schon etwas los gewesen, das Spiel Dänemark gegen Tunesien verfolgte im "Platzhirsch" jedoch niemand. Für das Deutschland-Spiel hofft Davion auf viele Gäste und rechnet auch damit, dass die Menschen in das Lokal strömen und gute Stimmung verbreiten werden.

"Es ist ein zweischneidiges Schwert", berichtet eines Mitarbeiterin des Gasthauses Zarko. Auch in der Gaststätte in der Schillerstraße werde das Deutschland-Spiel auf Bildschirmen übertragen, wie es ankommt, könne man jedoch nicht einschätzen. Klar sei jedenfalls: Wer das Spiel nicht schauen möchte, kann trotzdem regulär essen, denn die Partie wird nur in bestimmten Bereichen übertragen.

WM mit Begeisterung hätte dem Geschäft gut getan

Die Hoffnung der Lokalinhaber ruht auf den Spielen der deutschen Mannschaft. Kommt auch dann keine richtige Stimmung auf, ist das für die Gastronomie ein herber Schlag. Unter der Pandemie mussten sie leiden, jetzt auch unter der WM in Katar. Denn eine Weltmeisterschaft mit Fußballbegeisterung – am besten auch noch im Sommer – hätte dem Geschäft gut getan. So könnte es aber eine weitere leidtragende Gruppe geben wegen einer Weltmeisterschaft, die nach Meinung vieler nie in dieses Land hätte vergeben werden dürfen.

Die deutsche Mannschaft startet am heutigen Mittwoch um 14 Uhr gegen Japan in das Turnier. Kapitän Manuel Neuer wird dann nicht die "One Love"-Binde tragen, mit der europäische Teams ein Zeichen gegen die Missstände in Katar setzen wollten. Die Fifa hatte mit Konsequenzen gedroht. An dieser Entscheidung gibt es viel Kritik.