Vereinsunabhängige Angebote zum Kicken rund um Lahr nehmen immer mehr zu. Die Anbieter betonen die individuelle Förderung. Beim SC Lahr sieht man keinen Wettstreit.
In der Region rund um Lahr steigt das Aufkommen von privaten Fußballschulen und vereinsunabhängigen Trainingsangeboten für Kinder und Jugendliche stetig. Unsere Redaktion hat zu diesem Phänomen mit Stefan Wölfle, Jugendleiter des SC Lahr, und mit Betreibern von Akademien gesprochen. Dabei ging es um die Trainingsphilosophie und darum, wo sich die Anbieter selbst in der Nachwuchsförderung sehen.
Wölfle ist seit Gründung 2015 beim Lahrer Sportclub als Funktionär im Bereich der Jugendleitung aktiv. Im Gespräch mit unserer Redaktion ordnet er das Phänomen Fußballschule ein. Wölfle sieht die zusätzlichen Trainingsangebote für die Jugendlichen als eine durchaus positive Ergänzung zum klassischen Vereinstraining. „Ob ich mein Kind in der Fußballschule anmelde, ist natürlich auch ein finanzielles Thema im Vergleich zum Vereinsangebot“, so Wölfle. Aber wenn Zusatzeinheiten zum meist zweimal die Woche stattfindenden Vereinstraining gewünscht sind, könne das auch Vorteile haben.
Wölfle sieht die Art der Angebote als grundverschieden an. Auf der einen Seite stünde hier der Verein, der Kindern und Jugendlichen eine feste Struktur biete. Vor allem für den Teamgeist und den Umgang mit Rückschlägen und Konflikten seien Mannschaftsstrukturen unersetzlich. Auf der anderen Seite betont Wölfle, dass der Verein grundsätzlich jede fußballerische Betätigung abseits des Vereinslebens begrüße.
Auch der SC Lahr biete bis zu einem gewissen Grad Individualförderung junger Spieler an. Aber wenn zusätzliche Einheiten gewünscht sind, sehe Wölfle das private Angebot weniger als Konkurrenz, sondern vielmehr als Ergänzung. Das Ziel des Lahrer Jugendleiters sei es vor allen Dingen, die Kinder und Jugendlichen „von den Bildschirmen wegzubekommen“. Auch Betreiber solcher Fußballakademien und Talentförderungen sehen ihr Angebot nicht als Konkurrenz zu den in Lahr und Umkreis bestehenden Vereinen.
Fußball ABC: Die Idee, nach seiner Laufbahn – Gian Luca Architravo kickte beim FC Wolfach, FC Fischerbach, FC Kirnbach, SC Hofstetten und dem FSV Altdorf – eine kleine Fußballschule zu gründen, habe er schon lange gehabt, sagt Architravo im Gespräch mit unserer Redaktion. Neben seiner aktiven Zeit hatte er mehrere Jahre Jugendmanschaften trainiert und war sich sicher, dass er zu einem späteren Zeitpunkt etwas Eigenes, weg vom Vereinsfußball, für Kinder auf die Beine stellen möchte. Aktuell bietet das „Fußball ABC“ wöchentliche Trainingseinheiten in Gruppen von maximal zehn Kindern an. Trainiert wird in Heiligenzell. Teilnehmen können Jungen und Mädchen von der F- bis zur D-Jugend.
Neben klassischen Trainingsinhalten werden durch spielerische Übungen in Kleingruppen das Passspiel, die Technik und die Koordination gefördert. Im Vordergrund soll dabei laut Architravo immer stehen, den Kindern die Grundlagen rund um den Fußball zu vermitteln und durch das Zusammenkommen Werte wie Teamgeist, Gemeinschaftsgefühl, Motivation und Mut zu fördern. Das Projekt ist vereinsunabhängig und Architravo sieht sich selbst nicht als Konkurrenz zur klassischen Vereinsstruktur. „Ich möchte auch darauf hinweisen, dass wir keinesfalls eine Konkurrenz zum bestehenden Vereinsangebot der Kinder darstellen wollen“, sagt Architravo im Gespräch mit unserer Redaktion und weiter: „Wir möchten den Kindern im Raum Lahr Zusatzeinheiten bieten, in denen sie ohne jeglichen Druck den Spaß am Fußball und das Gefühl für und mit dem Ball ausbauen können.“
FPK Fußball Förderschule: Friedrich Martens, Gründer der Initiative FPK-Talente in Lahr, sieht sein Fördertraining ebenfalls nicht als Konkurrenz zum klassischen Vereinsangebot. Die Idee, Kindern und Jugendlichen Fördertraining anzubieten, entstand nach der Geburt seiner beiden Kinder, sagt Martens im Gespräch mit unserer Redaktion. „Als mein Sohn vier wurde, hatten wir ihn zum Schnuppertraining beim SC Lahr angemeldet. Da hat es ihm gleich gefallen“, erinnert er sich.
In dieser Zeit war Martens, wie er sagt, mehr und mehr in die Trainerrolle geschlüpft. Er selbst durchlief seine fußballerische Ausbildung unter anderem beim SC Freiburg. Seit 2020 trainiere er Kinder und Jugendliche in und um Lahr. Das Ziel seines Trainingsangebotes sieht er klar als Zusatzmöglichkeit zur individuellen und Gruppenförderung und nicht als Konkurrenz zu Vereinen.
Derzeit trainiert er drei bis vier Gruppen mit je zwischen acht und zwölf Kindern. Die Gruppen hält er gerne möglichst klein. „Ich lasse die Kinder Ziele definieren und auf diese arbeiten wir dann gemeinsam hin“, sagt Martens.
Baller-Club: Als Jan Kahle und Sascha Ruf den Baller-Club gründeten, hatten beide schon eine Karriere als Fußballer und Trainer bis in den oberen Amateurbereich hinter sich. Ruf war beispielsweise Coach des Offenburger FV, als dieser noch in der Oberliga am Ball war. Im Gespräch mit uns betonten beide, dass ihnen vor allem die individuelle Förderung oftmals zu kurz kommen würde. „Bisher haben wir im Ortenaukreis kein Konzept gesehen, welches sich auf die individuelle Förderung von talentierten und willigen Fußballerinnen und Fußballern konzentriert“, betonen beide. Das sehen sie als Alleinstellungsmerkmal ihres Angebots.
Als Konkurrenz sehen Ruf und Kahle ihr Projekt allerdings nicht. „Ganz klar sind wir eine Ergänzung zum bestehenden Vereinstraining. Als Mannschaftstrainer fehlt in der Regel die Zeit, die Fußballer individuell zu coachen und zu betreuen – und genau dies ist unser Ansatzpunkt“. Individuelle Betreuung nimmt laut Ruf und Kahle allerdings viel Zeit in Anspruch. Die Kapazitäten des Projekts sind daher nahezu ausgereizt.
Im Gespräch betonten beide, dass Überlegungen zur Anstellung weiterer Trainer bereits stattgefunden hätten. Laut ihnen liegt der Fokus hierbei auf dem Offenburger Raum – zukünftig sei aber auch eine Ausweitung in den Raum Lahr oder in den Schwarzwald denkbar. Die erhöhte Nachfrage an privaten Trainingsangeboten sehen Kahle und Ruf allerdings keinesfalls als Manko aufseiten der hiesigen Vereine, sondern eher als Wunsch vieler Spieler, in den höheren Amateur- und Leistungsbereich zu kommen – auf diese Wünsche ziele das Angebot auch ab.