Dunja Wally vor ihren Waren in ihrem Antik-Café mit Schwarzwaldkaufladen. Neben selbst gemachten Deko-Artikeln im Schwarzwald-Look hat sie gesunde Lebensmittel direkt von heimischen Bauern im Angebot. Foto: Schölzel

In ihrem Laden sollte es eigentlich Leckeres und Hübsches aus dem Schwarzwald geben: Dunja Wally wollte mit ihrem Antik-Café ein besonderes Konzept entwickeln. Doch ihre Hausregeln kommen nicht bei jedem gut an – weshalb sie jetzt auf Verständnis hofft.

Seit einem Jahr ist sie mit ihrem Café Auf Rinelen und hat sich damit einen Traum erfüllt: Die 52-jährige Dunja Wally. Ursprünglich aus der Wirtschaft in einer Führungsposition stammend, wollte sie sich 2019 nach schwerer Krankheit neu erfinden – ihr Antik-Café entstand. „Ich wollte der Welt etwas geben“, drückt sie es aus, eine „sinnhafte Beschäftigung“ sollte es für ihren Neustart sein.

 

Ihre Produkte Jetzt reihen sich in den Räumlichkeiten Deko-Artikel im Schwarzwald-Look neben veganen Backwaren, glutenfreien Nudeln oder Fleischwaren regionaler Bauern aus hauseigener Schlachtung, ohne Konservierungsstoffe wie sie sagt, weshalb die Lebensmittel nicht so lang haltbar sind. „Eine kleine Grundversorgung eben“, fasst sie es zusammen, „für alle, die aus gesundheitlichen oder anderen Gründen auf ihre Ernährung achten müssen.“ Auf Tierwohl lege sie Wert. Sie kenne die Bauern, von denen sie ihr Fleisch bezieht. Ihre Produkte bekomme sie, quasi als „Direktvermarkter“, direkt von Höfen aus Schönwald, Obereschach, Pfohren oder Schramberg.

Ihre Problematik Nach einem Jahr Antik-Café zieht die 52-Jährige aber ein durchwachsenes Fazit. „Ich habe es nicht geschafft, dass man mich und mein Konzept versteht“, formuliert sie es bedrückt.

Mit regionalen Spezialitäten will sie ihre Kundschaft begeistern, hier etwa mit den „Schwenningern Bärä Nudla“. Foto: Schölzel

Eine Oase der Ruhe sollte ihr Café werden. Ein Rückzugsort mit Möglichkeiten für eine entspannte Auszeit. Alles ohne zu laute Gespräche, klingelnde Handys – oder schreiende Kinder. An der Eingangstür hängt eine kurze Liste mit Hausregeln, Besucher des Cafés werden gebeten ihre Mobiltelefone leise zu schalten, Eltern sollen auf ihre Kinder achten, das Café sei kein „Kinderspielplatz“. Ihre antiken Gegenstände, die sie bereits seit über zehn Jahren sammelt, gehören nicht unbedingt in Kinderhände, begründet sie es.

Ein Café für eine bestimmte Zielgruppe

Doch genau diese Regeln stoßen vielen Familien sauer auf, wie es an Wally herangetragen wurde. „Die Leute wollen mich für mein ruhiges Café bestrafen“, ist sie sich sicher, sagt dennoch ganz klar: „Ich habe den Laden nicht entwickelt, um gegen jemanden zu sein. Ich wollte etwas Neues schaffen, das es sonst selten gibt.“

Ältere Menschen, Menschen mit langer Krankheitsgeschichte ähnlich ihrer eigenen, Burn-Out-Erkrankten, die einen Ort der Ruhe brauchen, für diese sollte das Café ein Rückzugsort sein, ein richtiges „Erwachsenen-Café“, wie sie sagt. Außerdem habe Wally – die ursprünglich aus Österreich stammt – die Café-Kultur dort anders kennengelernt: „In Österreich werden Kaffeehäuser anders definiert. Dort ist es etwas ganz Nobles“, staunt sie.

Begrenzte Öffnungszeiten

Aufgrund ihrer persönlichen Situation und Belastbarkeit habe das Antik-Café auch nur an vier Tagen in der Woche geöffnet.

Ihre begrenzten Öffnungszeiten seien ebenso vielfach kritisiert worden, berichtet Wally traurig. „Es geht im Leben nicht nur darum möglichst viel Geld zu scheffeln, sich kaputt zu rackern und nichts mehr vom Leben zu haben“, hofft sie auf Verständnis für ihre Situation.

Mit Buchhaltung, Lagerarbeiten und dem Tätigen von Bestellungen sei ihr Solo-Projekt des weiteren trotzdem ein Vollzeit-Job. „Die Leute denken immer mir geht es wegen meinen Öffnungszeiten zu gut“, beschwert sie sich. „Aber das stimmt gar nicht.“ So habe auch sie mit steigenden Energiekosten zu kämpfen gehabt, wodurch sich ihr Umsatz halbierte.

Dem Antik-Café könnte jetzt das Aus drohen. „Wenn sich mein Umsatz nicht steigert, ziehe ich im Herbst die Reißleine“, formuliert sie es drastisch.

Auf das hofft sie

Was sie braucht und worauf sie hofft ist mehr Toleranz von den Schwenningern, die ihrem Konzept eine Chance geben. „Die Leute schauen immer nur auf das, was es nicht gibt, anstatt sich auf das Positive zu besinnen“, seufzt sie.

Einen anderen Standort, bei dem ihr Café mehr Beobachtung bekommen könnte, zieht sich nicht in Betracht. Mit ihrem Konzept und den Öffnungszeiten sei es für sie unmöglich, teure Mieten in der Innenstadt zu zahlen. Außerdem fühle sie sich wohl Auf Rinelen – und hofft, dass sie sich mit mehr Verständnis von potenziellen Kunden noch wohler fühlen kann.

Öffnungszeiten und weitere Infos

Öffnungszeiten
Das Antik-Café hat mittwochs, donnerstags und freitags von 7.30 bis 12.30 und samstags von 8 bis 12 Uhr geöffnet. Mittwoch und Freitag gibt es jeweils zwei Kaffeenachmittage von 15 bis 18 Uhr, wo gesunde Kuchen angeboten werden.

Frühstück im Antik-Café
Von Mittwoch bis Samstag kann per WhatsApp oder SMS ein Frühstück unter der 0170/3 43 47 70 gebucht werden.