Fans, die auf dem Freudenstädter Marktplatz bei einem Spiel der Nationalmannschaft mitfiebern. Eine Szene, die es bei der WM 2022 nicht geben wird. Foto: Schwark

Eine Fußball-WM mitten im Winter, dazu noch in einem Staat, in dem regelmäßig Menschenrechte verletzt werden. Wer hat da noch Lust auf Public Viewing und große Feiern? In Freudenstadt offensichtlich niemand.

Freudenstadt - Menschenmassen strömen bei Sonnenschein auf den Freudenstädter Marktplatz, überall wird über Fußball geredet, die ganze Region ist im WM-Fieber. Diese Szenen gehören der Vergangenheit an. Die Realität im Jahr 2022 lautet: Winter-WM im Wüstenstaat, ungemütliche Temperaturen und Boykott-Aufrufe.

Keine Veranstaltungen angemeldet

Auf das sonst so beliebte Public Viewing hat daher – wenig überraschend – niemand wirklich Lust: "Der Stadt sind keine Public-Viewing-Veranstaltungen zur WM bekannt, beziehungsweise angemeldet", so Volker Rath, Pressesprecher der Stadtverwaltung.

Bei der bisher letzten WM im Jahr 2018 sah das noch anders aus. Die Fans konnten auf dem unteren Marktplatz bei den Spielen des deutschen Teams mitfiebern. Damals war Harald Kläger mit seiner Firma Kläger Event & Veranstaltungs GmbH an der Ausrichtung beteiligt. Er sagt über die kommende WM in Katar: "Die Euphorie fehlt komplett. Daher macht es keinen Sinn, über Public Viewing nachzudenken."

Auch Turn- und Festhalle keine Option

Auf dem Marktplatz wäre es ohnehin zu kalt – aber auch eine Veranstaltung in der Turn- und Festhalle wie bei der EM 2016 habe man nicht in Erwägung gezogen, sagt Kläger.

Sportsbar Dobel zeigt WM-Spiele

Wer die Spiele in der Öffentlichkeit schauen will, muss also auf eine Gaststätte ausweichen. In Freudenstadt ist die Sportsbar Dobel eine Anlaufstelle. Ob dort alle Spiele gezeigt werden, stehe allerdings noch nicht fest, so Inhaber Patrick Dembinski.

Aber auch die Gastronomen sind nicht alle heiß auf die Winter-WM. Das Café Pause am Freudenstädter Marktplatz, bei den großen Turnieren bisher stets eine beliebte Adresse, wird die Spiele diesmal nicht zeigen. Der Grund sei vor allem, dass die WM nicht in die Zeit passe, sagt Inhaberin Tanja Wetzel. Im Café Pause ist man in den WM-Wochen lieber in Weihnachtsstimmung als im Fußballfieber.

Die Euphorie hält sich in Freudenstadt also in Grenzen – nun liegt es an der deutschen Nationalmannschaft, Begeisterung zu entfachen. Aber die Vermutung liegt nahe, dass es auch bei einem "Wintermärchen" verhältnismäßig still in Freudenstadt bleiben wird.