Die Kreisverwaltung will die Raumtemperatur in den Büroräumen des Landratsamts auf 19 Grad absenken. In Verbindung mit einer Reihe weiterer Maßnahmen, sollen so bis zu 1,8 Millionen Euro Energiekosten eingespart werden. Foto: Landratsamt

Das Landratsamt hat sich einen Sparkurs auferlegt: Mittels einfach umzusetzender Maßnahmen will die Kreisverwaltung bis zu 18 Prozent weniger Energie verbrauchen. Wirklich zu spüren bekommen sollen das die Ortenauer Bürger jedoch nicht.

Offenburg - Aufzüge sollen möglichst nicht genutzt, die Beleuchtung auf den Fluren reduziert und die Raumtemperatur in Büros auf 19 Grad abgesenkt werden – mit solchen und ähnlichen Maßnahmen, will das Landratsamt bis zu 1,8 Millionen Euro an Energiekosten einsparen. Infrastruktur-Dezernent Michael Loritz berichtet am Donnerstag im Gespräch mit unserer Redaktion von einem ganzen Strauß an "Ad-Hoc-Maßnahmen" für die kreiseigenen Einrichtungen. "Wir kommen auf eine Einsparung von 14 bis 18 Prozent", erläutert er.

Kultusministerium besteht auf 20 Grad in Klassenzimmern

Alle möglichen Einsparpotenziale darf der Kreis allerdings nicht ausschöpfen: Denn das Kultusministerium in Stuttgart besteht darauf, dass in den Klassenräumen der kreiseigenen Schulen auch diesen Winter 20 Grad herrschen. Dabei sieht der Dezernent gerade in den Schulen das Haupteinsparpotenzial des Kreises – der im Gegensatz zu Städten ja keine Hallenbäder betreibt. "Eine Absenkung auf 19 Grad hätte sicher noch vier Prozent Einsparung ergeben", ist sich Loritz sicher und ergänzt: Den Berufsschülern sei das zuzumuten. Dem Kreis seien da nun jedoch die Hände gebunden. Stattdessen stehe man mit den Schulrektoren im Austausch, ob zumindest eine Absenkung außerhalb der Klassenräume – etwa in Werkstätten – möglich sein könnte.

"Ich bin zuversichtlich, dass wir die 14 Prozent überschreiten", betont Loritz. Er setzt dabei auch auf den Ideenreichtum der Verwaltungsmitarbeiter. Eine in den Dienststellen des Landratsamts eingerichtete Ideenbörse habe bereits eine zweistellige Zahl neuer Energiespar-Möglichkeiten gegeben. "Diese prüfen wir jetzt, da ist einiges Vernünftiges mit dabei", so der Dezernent.

"Schließtage" könnten weiteres Einsparpotenzial bieten

Wirklich mitbekommen sollen die Bürger von den Sparmaßnahmen im Landratsamt derweil nicht viel. "19 Grad im Büro wird der Besucher nicht übermäßig stören", ist sich Loritz sicher. Mögliche "Schließtage", besonders rund um den Jahreswechsel, könnten sich jedoch bemerkbar machen. Die Woche "zwischen den Jahren" sei prädestiniert einige Tage zu machen, so Loritz. "Dann kann man die Heizung auf nur 15 Grad runterfahren." Sicher ist das jedoch noch nicht, da in den letzten Wochen des Jahres gerade in den Zulassungsstellen sehr viel los sei. Grundsätzlich würden die Verwaltungsmitarbeiter an den Schließtagen weiterarbeiten – dann aber im Homeoffice.

Dabei habe sich der Kreis das Energiesparen bereits lange vor der aktuellen Krise auf die Fahnen geschrieben, betont Loritz. Bereits zwei Mal sei der Kreis für ein Engagement für Erneuerbare Energien und Klimaschutz mit dem "European-Energy-Award" ausgezeichnet worden.

Zehn Millionen Euro Mehrkosten für Ortenau-Klinikum

Das Ortenau-Klinikum rechnet laut Sprecher Christian Eggersglüß 2022 mit zehn Millionen Euro Mehrkosten für Energie. Klinikum-Geschäftsführer Christian Keller hatte bereits im Juli von 8,5 Millionen Euro gesprochen. Für die Mehrkosten fehle es an einer Gegenfinanzierung, so Eggersglüß im Gespräch mit unserer Redaktion. "Wir können die Preise ja nicht erhöhen, wie ein Unternehmen." Die Einsparmöglichkeiten der Kliniken seien zudem begrenzt. Mitarbeiter seien bereits dafür sensibilisiert worden, möglichst Energie zu sparen. "Darüber hinaus haben wir jetzt die technischen Betriebsleiter der einzelnen Betriebsstellen angesprochen und gebeten, zu schauen, welche Maßnahmen weiter ergriffen werden können", berichtet Eggersglüß. Wenn es um die Patientenversorgung geht, seien jedoch keine Kompromisse möglich. "Wir können ja nicht die Heizung im Patientenzimmer abstellen", betont der Kliniksprecher. Eine Absenkung der Raumtemperatur sei derzeit nicht auf dem Tisch.