Der Lärmschutzwall ist an manchen Stellen – wie hier in der Nähe der Friedhofsbrücke – abgesunken und hat keine zwei Meter Höhe mehr. Zusätzlich lässt die Lücke bei der Friedhofsbrücke den Lärm der Bundesstraße ungehindert durch. Foto: Strohmeier

Das Lärmempfinden ist eher eine subjektive ­Sache, die objektiv über Messungen in Dezibel nachgewiesen wird. Seit Jahren kämpfen die Bürger an verschiedenen Stellen um mehr Lärmschutz. Die Frage ist: Wer bezahlt die Maßnahmen und werden sie umgesetzt?

Bad Dürrheim - Der Lärm der A 81 und des Autobahnzubringers ist auf der Ostbaar in mehreren Teilorten je nach Wetterlage deutlich zu hören, genauso wie die Beschleunigung der Fahrzeuge auf der B27/33 nach der großen Ampelkreuzung in Richtung Donaueschingen. Und LBU-Stadtrat Wolfgang Kaiser schüttelte schon den Kopf darüber, dass auf der einen Seite Bauaushub auf die Deponie zwischen Bad Dürrheim und Donaueschingen gefahren werde, man diesen für die Aufschüttung des Lärmschutzwalls an letztgenannter Stelle brauchen könnte. Wobei er einschränkte: "Natürlich weiß ich auch, dass es nicht ganz so einfach ist."

Aufschüttung kostet viel

In der Tat, ganz so einfach ist es nicht. Der Lärmschutzwall an der Bundesstraße hat sich westlich der Stadt abgesenkt, man müsste ihn erhöhen, um eine Wirkung zu erzielen, dazu bräuchte es jedoch mehr Grundfläche, diese ist jedoch nicht vorhanden, da entlang des Lärmschutzwalls ein Fußweg verläuft. Zusätzlich gibt es unter der Friedhofsbrücke eine Lücke, die kann nur mit einer Wand geschlossen werden. Die Kosten liegen laut Berechnungen aus dem Jahr 2016 bei 500 Euro pro laufenden Meter. Und um rund 190 Meter des Erdwalls von derzeit zwei auf fünf Meter zu erhöhen, wären 9000 Kubikmeter Erde nötig, womit ein ­Kostenaufwand von rund 90.000 Euro seinerzeit errechnet wurde. Zusätzlich müssten Grundstücke erworben werden, und der Fußweg wäre anschließend nicht mehr vorhanden.

Stadt muss Kosten tragen

Bezahlen müsste die Stadt das ganze wohl selbst, denn das Regierungspräsidium Freiburg sieht keine Veranlassung für eine finanzielle Beteiligung – doch gab es das Zugeständnis bei der Straßensanierung 2017 auf der Fahrbahn Richtung Villingen-Schwenningen lärmredu­zierenden Asphalt einzubauen.

Grundlage für die Entscheidung gegen die Kostenübernahme von Lärmschutzwand und -wall ist der Lärmaktionsplan und seine Überprüfung. Vorgenommen wurde dies durch die Rapp Trans AG aus Freiburg. Für den Verkehr galt die Grundlage der Zählstellenpunkte, die von der Straßenverkehrszentrale eingerichtet wurden. Ein Punkt befindet sich an der Autobahn etwa nördliches Ende von Sunthausen, einer am Autobahnzubringer kurz vor dem Autobahndreieck, einer an der B 27/33 bei der Schwimmbadbrücke, der nächste auf der B 27 Richtung Messegelände kurz vor dem Kaufland und auch die B 523 wird in Höhe von Mühlhausen gezählt. Diese Punkte werden nicht permanent überwacht, sondern nur punktuell für das Monitoring.

In den Zählungen, die in den Jahren 2010, 2015 und 2019 durchgeführt wurden zeigt sich ein durchaus bemerkenswertes Bild. Der Verkehr auf den Bundesstraßen nahm tendenziell ab-, der auf den Autobahnen zu.

Mehr Autobahnverkehr

Der Autobahnzählpunkt bei Sunthausen verzeichnet 35 423 (2010), 45 815 (2015) und 49 319 (2019) Fahrzeuge pro Tag. Auf dem Autobahnzubringer waren es in der gleichen zeitlichen Abfolge 14 114, 16 109 und 16 969 Fahrzeuge pro 24 Stunden. In Höhe der Schwimmbad­brücke hatte der Zähler 31 238, 25 533 und 26 462 Fahrzeuge. Sowie auf Höhe des Kauflands 26 057, 24 374 und 25 260.

In den Rechenmodellen sind zu wenig Bürger betroffen, als dass man Seitens der Behörden eine Handlungsnotwendigkeit sieht. In dem Bericht des Büros Rapp heißt es: "Die Anzahl der Betroffenheiten oberhalb der so genannten Auslösewerte 65/55 Dezibel ganztags/nachts ist niedrig, so dass weitergehende Lärmminderungsmaßnahmen nicht notwendig und auch nicht umsetzbar sind."

Bürgermeister Jonathan Berggötz und der Gemeinderat zeigte sich insgesamt unzufrieden, da das Papier nichts bewirke. Von "einem Schlag ins Gesicht der Bürger" sprach Berggötz, ähnlich äußerte sich CDU-Fraktionssprecher Heinrich Glunz. "Wir müssen lauter werden, damit es leiser wird", zeigt sich Wolfgang Kaiser überzeugt. Allerdings will man das Thema nicht auf sich beruhen lassen, Berggötz will in der Sache nochmals aktiv werden.