Im „Sternen“ auf dem Hasenberg bei Seelbach wird sich bis Juni einiges ändern. Foto: Bender/Archivbild

Nun steht fest, wie es im Höhengasthaus auf dem Hasenberg bei Seelbach weitergeht: Die Verpächterfamilie Göppert nimmt das Lokal zurück und hat sich eine neue Strategie überlegt. Derweil schließt eine andere Gaststätte unten im Schuttertal wohl für immer.

Die Abschiedsparty stieg am Sonntag: Mit einer Torte haben sich die Wirte, Sandra Naundorf und Daniel Adler, und deren Gäste voneinander verabschiedet. „Mit einer großen Träne im Knopfloch sagen wir Adé und bis bald“, schreiben die langjährigen Betreiber in den Sozialen Medien. Parallel haben die Verpächter, die Familie Göppert, angekündigt, wie es weitergeht: Bis zum 1. Juni ist das beliebte Höhengasthaus geschlossen, danach wird es neu eröffnen. Allerdings nicht als spontane Einkehrmöglichkeit für Wanderer, sondern als Eventlocation.

 

Auf einer Facebook-Seite verrät die Familie ihre Pläne: „Unser traditionsreiches Gasthaus verwandelt sich bis zum 1. Juni 2025 in Ihre persönliche Mietlocation“, heißt es dort. Anfragen für Feste wie Hochzeiten, Geburtstage oder Firmenfeiern „oder einfach nur ein gemütliches Beisammensein mit Freunden“, nehme man schon jetzt entgegen.

Die Nachricht, dass es fünf Monate nach der Schließung im „Sternen“ weitergehen wird, dürfte einige Stammgäste freuen. Für andere – vor allem für die zahlreichen Wanderer auf dem Langenhard und dem Hasenberg – dürfte der Verlust des klassischen Gasthauses ein herber Schlag sein. Schließlich wurden im „Sternen“ fast 100 Jahre lang Wanderer auf 416 Metern Höhe bewirtet.

Über ausbleibende Kundschaft konnten sich die Wirte nicht beklagen

Naundorf und Adler hatten im Herbst 2024 ihren Rückzug angekündigt. An der Nachfrage vor allem von Laufkundschaft lag es allerdings nicht, dass die Wirte das Lokal aufgegeben haben, hatten sie im Gespräch mit unserer Redaktion Anfang November betont. Vielmehr sei es für die beiden zunehmend schwieriger geworden, ausreichend Personal für den Betrieb zu finden.

Sandra Naundorf und Daniel Adler haben ihr Engagement im „Sternen“ aufgrund von Personalmangel schweren Herzens beendet. Foto: Köhler

„Die Lage in der Gastronomie ist schwierig“, weiß auch Verpächter Oliver Göppert. Deshalb habe man zu „Plan B“ gegriffen und sich die Strategie mit der Eventlocation überlegt, erklärt er am Montag im Gespräch mit unserer Redaktion. Zudem habe seine eigene Erfahrung, dass es als große Gruppe schwer sei, eine passende Location zu finden, eine Rolle gespielt.

Verpächter wollen flexibel auf Bedürfnisse reagieren

Mit verschiedenen Paketen und optionalen Angeboten wie Reinigung und Getränkeservice will er auf die Bedürfnisse und Geldbeutel der Gästegruppen flexibel reagieren. Vermietet werden der Spielplatz, der Außenbereich und das ganze Gasthaus, das man renovieren und sanieren will. „Der Charme soll aber erhalten bleiben“, so Göppert. Bewirten wird die Familie nicht, die Speisen müssten – etwa zum Grillen – selbst mitgebracht oder über ein Catering organisiert werden.

Die Pläne kommen bei den potenziellen Gästen augenscheinlich gut an. „Wir haben schon vier Anfragen“, berichtet Göppert – und das nur einen Tag nach der Bekanntgabe, wie es im „Sternen“ weitergeht. „Das hat uns überrascht.“

Landgasthaus „Zur Eiche“ schließt wohl für immer

Traurige Nachrichten gibt es indes einige Kilometer weiter unten im Tal: Die Wirtin des Landgasthauses „Zur Eiche“ , Ulrika Ruf, ist vor Weihnachten kurz vor ihrem 70. Geburtstag unerwartet gestorben. Mit Leidenschaft hatte sie dort zusammen mit ihrem Mann Leonhard am Wochenende Gäste begrüßt. Für Events konnte man das Lokal zwischen Wittelbach und Schuttertal unter der Woche mieten, auch einen Partyservice betrieben die beiden.

Nun steht das Gasthaus, dessen Tradition unter dem Namen „Zum Hirschen“ bis ins 18. Jahrhundert zurückreicht, vor dem Aus. „Wir haben zurzeit geschlossen und machen wahrscheinlich auch nicht mehr auf“, erklärt Leonhard Ruf am Montag auf Anfrage unserer Redaktion.

Gastronomiesterben

Vor dem „Sternen“ und dem Landgasthaus Eiche haben in den vergangenen Jahren schon andere Gaststätten im Schuttertal ihren Betrieb eingestellt. Anfang 2023 schloss das Gasthaus „Schwert“ im Litschental nach 200 Jahren. Im „Riminihof“ im Schuttertäler „Michelbrunn“ war im Frühjahr 2024 Schluss. Im Dezember hatten zuletzt die Wirte des „Sod-Karle“ in Seelbach ihren Rückzug angekündigt.