Die Winzergenossenschaft Kippenheim-Mahlberg-Sulz wurde im Jahr 1971 gegründet und hat nun ihre Auflösung beschlossen. Finanzielle Herausforderungen und Nachwuchsprobleme sind die Hauptgründe. Foto: Piskadlo

Wegen finanziellen und personellen Problemen steht die Kippenheimer Vereinigung vor dem Aus.

Die Gemeinde rührt die Werbetrommel, vor dem Bürgerhaus stehen bereits die ersten Buden: Zum 71. Mal wird am Samstag, 13. September, in Kippenheim die Vielfalt des Weins gefeiert. Bei vielen regionalen Winzern dürfte sich die Vorfreude jedoch in Grenzen halten. Der Grund: Die Winzergenossenschaft Kippenheim-Mahlberg-Sulz, die rund 160 Mitglieder zählt, löst sich auf. Fehlender Nachwuchs, hohe Kosten und zu geringe Einnahmen machen ein weiteres Bestehen nicht möglich.

 

„Wir sahen es schon vor zwei, drei Jahren kommen. Nun ist die Entscheidung unausweichlich“, erklärt der Aufsichtsratsvorsitzende Klaus Dorner im Gespräch mit unserer Redaktion. Demnach sei der Altersdurchschnitt sehr hoch. „Es kommen keine Jungen mehr nach“, begründet er. Hinzukommen die hohen Kosten. So müsse die Winzerschaft jährlich bis zu 12 000 Euro stemmen, während der Umsatz stetig rückläufig sei. „Seit der Corona-Pandemie und dem Konflikt in der Ukraine befinden wir uns in einer Absatzkrise“, erklärt Dorner hörbar bedrückt und fügt an: „Aus dieser ganzen Situation heraus fühlen wir uns gezwungen, die Genossenschaft aufzulösen. Diese Entscheidung fällt uns sehr schwer.“

Mitglieder weichen auf andere Genossenschaften aus

Die Mitglieder müssen sich nun anderen Genossenschaften anschließen. Größere Winzer – darunter auch Dorner, der als Landwirt in Kippenheim tätig ist – werden Teil des Badischen Winzerkellers in Breisach. Für kleinere Produzenten kämen die Genossenschaften Münchweier oder Lahr infrage, für die Dorner auf lange Sicht jedoch ebenfalls schwarz sehe. „Ettenheim und Ringsheim haben schon vor Jahren geschlossen. Nun lösen wir uns auf – und das ist mit Sicherheit erst der Anfang.“ Demnach stehe auch Münchweier vor ähnlichen Problemen, die in Kippenheim nun zum Aus geführt haben.

Herausfordernd wird laut Dorner ebenfalls, die Eigenmarke „Kippenheimer Haselstaude“ weiterzuführen. Diese möchte nun Iris Mauch, bisher Geschäftsführerin der Winzergenossenschaft, in Eigenregie übernehmen.

Kaufverhalten der Kunden macht es regionalen Produzenten schwer

Ob das Ganze auf lange Sicht weiterlauf, hängt von der Wirtschaftlichkeit ab. „Die Qualität ist top“, lobt der Landwirt. Es liege hauptsächlich an der Kaufbereitschaft der Kunden. „Die Umsätze bei alkoholischen Getränken gehen zurück. Und wenn gekauft wird, greifen viele offensichtlich zu billigen Varianten. Leider ist es auch zum Trend geworden, ausländischen Wein zu trinken“, erklärt er. Regionale Produzenten hätten es demnach nicht leicht. „Nicht nur Winzer – auch Bäcker oder Metzger kämpfen damit. Jeder findet es schade, wenn sie schließen. Mehr zahlen möchten jedoch die wenigsten“, trifft es Dorner auf den Punkt. Damit also die „Kippenheimer Haselstaude“ überlebt, braucht es zahlreiche Abnehmer. „Sonst wird es sehr schwierig.“

Gleiches gelte überdies auch für die Teilnahme am Kippenheimer Weinfest. Seit jeher ist die Winzergenossenschaft ein fester Bestandteil der Traditionsveranstaltung. „Dieses Jahr läuft alles wie gehabt“, erklärt Dorner. Danach liege es voraussichtlich in den Händen der Familie Mauch, die bisher die Geschäftsführer der Genossenschaft waren.