Sonya und Franz Koch sehen ab Mai dem Ruhestand entgegen. Foto: Jennifer Dillmann

Sonya und Franz Koch schließen ihre Bäckerei zum 1. Mai 2026. Gegründet wurde noch von den Großeltern 1932, einen Nachfolger gibt es nicht.

„42 Jahre von morgens bis abends zusammen schaffen, das ist eine Leistung, gell?“, lacht Sonya Koch. Gemeinsam mit Bäckermeister Franz Koch geht es ab dem 1. Mai in den wohlverdienten Ruhestand. Die letzte Möglichkeit zum Einkauf bietet sich für die Kunden am 28. April.

 

Jahrzehnte der Tradition

Gegründet wurde die Bäckerei bereits im Jahr 1932 von Oma Frida Koch und ihrem Bruder Otto Koch. 1954 übernahmen die Eltern Willi und Berta Koch. 1982 erkrankte der Inhaber schwer und verstarb ein Jahr später, sodass der Sohn und inzwischen selbst angehende Rentner Franz Koch gemeinsam mit Frau Sonya Koch ab 1984 die Leitung übernahm.

Bereits 1974 absolvierte der Geislinger die Konditorlehre, 1977 folgte die Bäckerlehre. „Wir haben immer wieder schwere Zeiten gehabt – Vater gestorben, Kinder bekommen, nebenher die Meisterschule, Hausumbau, Ladenumbau“, blickt das Paar zurück. „Der Zusammenhalt hat uns durch die schweren Zeiten geholfen – und viele Arbeitsstunden“, sagt Franz Koch. Der Umgang mit den Produkten und dass es am Ende ein sichtbares Ergebnis gibt, haben ihn schon immer begeistert. „Im Großen und Ganzen war ich zufrieden“, resümiert der Meister. „Es gibt Vorteile, aber sie sind immer weniger geworden. Es gab immer mehr Vorschriften und Auflagen.“

Die Nachteile überwiegen

„Alles ist zeitintensiver geworden und älter ist man auch geworden“, merkt Sonya Koch an. Seit einigen Jahren habe sich außerdem das Kaufverhalten der Kunden stark verändert. „Früher hat man zum Beispiel Brot fürs ganze Wochenende gekauft, inzwischen gibt es aber viel mehr Möglichkeiten, jederzeit einzukaufen. Die jungen Leute kaufen, wie sie es brauchen. Zwei Wecken am Morgen und wenn es nicht reicht, gehen sie abends noch in den Supermarkt. Ein kleiner Bäcker hat es da immer schwer. Wir leben hier vom Ort und vom Durchgangsverkehr.“

Letzterer flache immer wieder aufgrund von Umleitungen und Baustellen ab. Eine lange Bauphase zur Umgestaltung der Geislinger Innenstadt ist zudem für die nahe Zukunft angekündigt. „Wir hätten schon vor drei Jahren mehrere Interessenten gehabt, aber das Kreisverkehrsgeschehen schiebt man ständig auf, und somit haben wir keinen Nachfolger. Lieber wäre es uns gewesen, wenn es auf irgendeine Art weitergegangen wäre.“

Pläne für den Ruhestand

Beide Töchter haben sich für einen anderen Berufsweg entschieden. „Mit 67 wird man sagen dürfen: Jetzt ist’s schee gsei. Wir wollen noch was vom Leben haben“, sagt Franz Koch. Große Umbrüche, wie Umzug oder Reisen, seien bisher nicht geplant. „Radfahren, Ausflüge, Enkelkinder – jetzt gehen wir den Hobbys nach, die man bisher zurückgesteckt hat“, freut sich Sonya Koch.

Doch beide sind sich einig: „Es gibt gemischte Gefühle. Auf eine Art sind wir froh, dass Ruhe einkehrt, aber es wird einem auch was fehlen.“

Zukunft des Handwerks

Die Zukunft des Bäckereihandwerks? „Schwierig“, finden die Kochs. „Die Tendenz geht zu Großhändlern mit vielen Filialen. Man wünscht und hofft, dass es mehr Kleine gibt. Aussterben wird der Beruf nicht, aber in den nächsten Jahren werden viele Ältere schließen ohne Nachfolge“, prognostiziert der Bäckermeister. „Da ist unsere Politik gefragt, den Bürowahn endlich zu reduzieren. Das ist ein Handicap, das die Jungen abschreckt. Wenn doch, muss man sich spezialisieren“, gibt er noch als Tipp weiter.

„Als ich angefangen habe, habe ich vier Monate für den Staat geschafft, inzwischen sind es neun“, kritisiert Franz Koch. „Die Sozialabgaben sind zu hoch. Ansonsten ist es ein schöner Beruf. Du siehst, was du gemacht und geleistet hast.“