Querungshilfe ja, Radweg (vorerst) nein: Auf der Passhöhe auf dem Schönberg wird künftig eine Verkehrsinsel das Queren der B 415 erleichtern. Der damiteinhergehend geplante Radweg wird jedoch nicht realisiert Foto:  

Wie Seelbachs Bürgermeister informierte, wird auf dem Schönberg zwar eine Querungshilfe, aber keine neue Trasse Richtung Biberach gebaut. Das sind die Gründe.

Überraschende Nachricht im Seelbacher Gemeinderat: Bürgermeister Michael Moser erläuterte eingangs der Sitzung am Montag den aktuellen Stand zum Radweg über den Schönberg in Richtung Kinzigtal – und hatte keine guten Nachrichten im Gepäck: „Wir müssen leider feststellen, dass es uns nicht möglich ist, den Radweg in dieser Form planerisch umzusetzen.“

 

Was war geplant?

Die Gemeinde Seelbach wollte einen Lückenschluss ermöglichen. Wer mit dem Fahrrad vom Schuttertal nach Biberach will, kommt über die alte Landstraße zwar sehr gut auf den Schönberg, doch die Abfahrt ist das Problem. Hier müssen Radfahrer die vielbefahrene und kurvenreiche B 415 nutzen. „Die Strecke ist für Radfahrer eine anspruchsvolle und in Teilen auch sehr gefährliche Verbindung. Der Abschnitt wird stark von Verkehr beansprucht, von vielen Lkw, genutzt“, so Moser. Ein Radweg entlang des Emmersbachs sollte die Situation auch für die Autofahrer entschärfen und für Radler eine sichere sowie idyllischere alternative Route schaffen. Im Herbst 2023 hatte der Gemeinderat das Projekt beschlossen – und gleich eine Querungshilfe auf der Passhöhe des Schönbergs miteingeplant, damit die künftigen Radtouristen ohne Probleme die Bundesstraße überqueren können. 1,16 Millionen Euro, getragen durch den Bund, sollten Radweg und Querungshilfe zusammen kosten.

Woran scheitert das Projekt?

Wie Moser verkündete, hat sich die Gemeinde zusammen mit Schönbergs Ortsvorsteher Ludwig Kopf, dem Ingenieurbüro und dem Regierungspräsidium „sehr intensiv“ mit möglichen Trassenführungen beschäftigt. Insgesamt neun Varianten habe man konkret ausgearbeitet, deutlich mehr zuvor untersucht. Anwohner hatten bereits vor zweieinhalb Jahren Kritik am Projekt geäußert. Mit den betroffenen Grundstückseigentümern habe man Gespräche geführt, so Moser. Am Ende habe man jedoch keine Einigung erzielen können. Andere Varianten, die die entsprechenden Grundstücke nicht tangieren, seien „aus technischen Gründen nicht umsetzbar.“ Beispielsweise wegen zu großer Steigungen, notwendiger Bauwerke oder „erheblicher Eingriffe in das Gelände“.

Was ist mit der Querungshilfe?

Die Verkehrsinsel soll in einem ersten Bauabschnitt losgelöst vom Radweg realisiert werden, teilte Moser mit. Sie wird vor allem Burgbesuchern, die am Parkplatz auf der Passhöhe parken, einen sicheren Gang über die Straße ermöglichen.

Wie beurteilt die Gemeinde das Aus des Radwegs?

„Ich bedaure es sehr“, sagte Michael Moser am Dienstag im Nachgang der Sitzung im Gespräch mit unserer Redaktion. „Wir haben alles versucht, hier eine Trassenführung zu entwickeln, die für alle Beteiligten tragfähig ist. Gerade angesichts des Förderumfangs von nahezu 100 Prozent wäre die Umsetzung dieses Projekts eine große Chance“. Er zeigte sich überzeugt davon, dass die Trasse für Leben auf den Radwegen gesorgt hätte. Für Familien, die bislang aufgrund der unsicheren Situation entlang der B 415 auf eine Radtour über den Schönberg verzichtet hatten, wäre der Radweg eine schöne Alternative gewesen.

Welche Hoffnungen gibt es noch?

Ganz will der Bürgermeister den Kopf noch nicht in den Sand stecken: „Das Projekt ist damit nicht grundsätzlich beendet.“ Die Vereinbarung mit dem Bund bestehe weiterhin. Sollte sich künftig eine neue Möglichkeit ergeben oder sollten sich Rahmenbedingungen verändern – etwa mit dem Bau der Abwasserleitung vom Schönberg nach Biberach (siehe Info) –, werde man das Thema selbstverständlich weiter verfolgen.

Welche Reaktionen gibt es?

Zu einer Aussprache kam es am Montagabend im Seelbacher Gemeinderat nicht. Das ist im Informationsteil der Verwaltung nicht vorgesehen. Grünen-Gemeinderat Markus Himmelsbach, selbst leidenschaftlicher Radfahrer, meldete sich jedoch am Dienstag bei unserer Redaktion: „Es ist unglaublich, dass dieses wichtige Projekt, das fast zu 100 Prozent gefördert werden würde, nun scheitern soll.“

Er kündigte an, die Gemeinde zu unterstützen, damit dieser Radweg doch noch gebaut werden kann. „Wir wollen das auf jeden Fall“, sprach er für die Grünen-Fraktion, „diese Chance sollten wir nutzen“. Himmelsbach fordert, dass sich in Seelbach ein Arbeitskreis Mobilität mit dem Thema weiter befasst.

Himmelsbach wies im Gespräch mit unserer Redaktion auf einen anderen potenziellen neuen Radweg hin: Bei einem Termin zur Besichtigung der Radwege von Lahr nach Seelbach mit dem Grünen-Landtagspolitiker Hermino Katzenstein sei die Idee aufgekommen, den Wirtschaftsweg entlang der Straße nach Wittelbach zu einem asphaltierten Radweg zu ertüchtigen, um die dortige Lücke zu schließen.

Wie Himmelsbach berichtet, haben sich Katzenstein und die hiesige Abgeordnete Sandra Boser ans Verkehrsministerium gewandt. Die – wenig erfreuliche – Antwort: Die genannte Strecke erfülle nicht die Anforderungen, um in den Bedarfsplan aufgenommen zu werden. Über die Straßen „Am Tretenbach“ und „Hubhof“ sowie über die Reformstraße gebe es asphaltierte Alternativen. Es bestehe jedoch die Möglichkeit, dass die Kommune oder der Landkreis die Planungsleistung gegen Kostenerstattung übernehmen könnte – also ganz ähnlich, wie es beim Radweg über den Schönberg mit dem Bund geschehen soll(te).

Zum Stand beim Bau der Abwasserleitung auf dem Schönberg gab Moser am Dienstag auf Anfrage unserer Redaktion einen Zwischenstandsbericht: Im Sommer kann, wenn bis dahin alles nach Plan läuft, mit den Bauarbeiten für den dritten Bauabschnitt begonnen werden. Das ist der Teil von der Kleinkläranlage Schönberg hin zum Bauabschnitt zwei, wo die Anwesen im Emmersbach und im Schönberger Kinzigtalblick mit der Biberacher Abwasserleitung verknüpft werden. Voraussichtlich im Mai sollen die Ausschreibung abgeschlossen und die Arbeiten vergeben werden. „Insgesamt ist das Projekt damit weiterhin auf einem guten Weg.“