Der Kinderärztemangel im Zollernalbkreis ist drastisch: Eine Bisinger Mutter ist verzweifelt, weil ihre Söhne keine Anlaufstelle mehr haben – und im MVZ Balingen herrscht Aufnahmestopp.
Nadine Dodd, so heißt die Mutter, steht dabei exemplarisch für viele Mütter beziehungsweise Familien, die dringend einen Kinderarzt suchen. Doch der Reihe nach.
Das ist passiert: Ende September veröffentlichte das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) eine Mitteilung, dass das MVZ Kinder- und Jugendmedizin nach kurzer Pause am 1. Oktober wieder eröffnet werde.
Claudia Noll-Streich, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin, werde die Praxis weiterführen. „Termine können ab sofort telefonisch unter der 07433/90 92 54 00 vereinbart werden“, hieß es weiter.
Nadine Dodd, zweifache Mutter aus Bisingen, freute sich sehr, als sie das im Schwarzwälder Boten las und griff gleich zum Telefonhörer, rief im MVZ an. Denn: Bislang waren ihre Kinder Patienten in der Bisinger Praxis der Ärztin.
„Einen Kinderarzt brauchen wir unbedingt“
„Ich dachte, wir könnten Frau Noll-Streich als Patienten einfach folgen. Schließlich waren unsere Jungs schon in Bisingen ihre Patienten“, erzählt sie. Doch weit gefehlt. Am anderen Ende der Leitung sagte man ihr: „Wir haben die Order, keine Neuen anzunehmen.“
Sie habe dann gesagt, dass ihre Söhne aber schon in Bisingen Patienten der Ärztin gewesen seien. Aber auch das änderte nichts.
Was tun? „Einen Kinderarzt brauchen wir unbedingt“, sagt Nadine Dodd. Doch: „Seit Monaten telefonieren wir fast täglich die Praxen ab, auch über die Kreisgrenzen hinaus, um irgendwie einen Arzt für unsere Kinder zu finden. Es ist die reinste Katastrophe.“ Man erhalte nur Absagen.
Kinderarzt fehlt: Dodd fürchtet massiven Verdienstausfall
Nadine Dodd arbeitet bei einer Balinger Firma in der Montage, ihr Mann im öffentlichen Dienst. „Wir sind berufstätig, und Kinder werden eben krank, dann können sie nicht in die Kita.“ Und ohne Arzt und Krankmeldung habe man dann einen massiven Verdienstausfall.
Zudem: „Die jährlichen U-Untersuchungen sollten auch bei vertrauten Ärzten stattfinden, damit sie überhaupt aussagekräftig sind“, meint Dodd. „Das hört sich jetzt komisch an“, sagt sie, „aber ich warte darauf, dass die Jungs krank werden, damit ich mit Druck im MVZ anrufen kann.“
Auf Anfrage beim Zollernalbklinikum, warum es für die Mutter aus Bisingen nicht möglich war, ihre Kinder im MVZ als Patienten aufnehmen zu lassen, heißt es: „Das MVZ für Kinder- und Jugendmedizin war wegen des Weggangs von Tijana Nikolic (der vorherigen Kinderärztin) bis Ende September geschlossen. Dann sei es ins Gebäude des Zollernalb-Klinikum umgezogen.
Man habe gewusst, dass in der Umzugs-Phase, in der gleichzeitig ein Kinderarzt fehlte, viele Eltern auf der Suche nach einer kinderärztlichen Versorgung waren. „Total verständlich“, wird mitgeteilt.
Ärztin übernimmt zunächst nur bestehende Patienten
Bis zum Weggang von Tijana Nikolic habe man keine neuen Patienten aufnehmen können, und wie es nun nach dem Start im Oktober aussehe – „ob alle Patienten dem MVZ Zollernalb treu geblieben sind“, wissen wir noch nicht. Noll-Streich übernehme im MVZ Zollernalb zunächst den bestehenden Patientenstamm.
Und weiter: „Grundsätzlich bieten wir zunächst den bestehenden kleinen Patienten die Möglichkeit, weiterhin in der Praxis versorgt zu werden.“ Für alle weiteren Patienten gebe es eine Warteliste, da ab Januar perspektivisch wieder kleine Patienten aufgenommen werden.
„Wir verstehen die Lage der Mutter aus Bisingen. Die kinderärztliche Versorgung im ambulanten und stationären Bereich auf den Land liegt uns besonders am Herzen, siehe Eröffnung Kinderklinik im Frühjahr diesen Jahres.“
MVZ am Zollernalb Klinikum: Neuaufnahme ab 2025?
Gerne könne sich die Mutter mit ihren Jungen ab Januar 2025 im MVZ Pädiatrie melden, um zu erfragen, ob eine Neuaufnahme möglich ist.
Selbstverständlich würden die Kinder im Notfall in der Notaufnahme in Balingen behandelt, bei Bedarf stationär aufgenommen oder an eine Kinderklinik weitergeleitet.