Alkohol geht immer, glaubt offenbar die FDP. Doch der Wochenmarkt sollte nicht zum Besäufnis werden, findet unser Autor Eberhard Wein.
Eigentlich ist es ja ein Erfolgsrezept der Linken, das sich die baden-württembergische FDP acht Monate vor der Landtagswahl zu eigen macht. Doch wenn die Verzweiflung groß ist, kopiert man eben auch von den Sozialisten. Für die sah es vor einem Dreivierteljahr ähnlich düster aus. Auch sie nagte am Existenzminimum. Dann kamen ihre Funktionäre auf eine großartige Idee und forderten eine Glühweinpreisbremse auf deutschen Weihnachtsmärkten. Seither geht es steil bergauf. Die Linke bewegt sich in zweistelligen Regionen.
Promille für mehr Prozente
Mit Promille die Prozente steigern, das wollen jetzt auch die Liberalen. Ihre Forderung: auf Wochenmärkten soll der Ausschank von Alkohol erleichtert werden. Es geht wohl nicht darum, sich Kartoffeln und Sellerie schön zu trinken. Der Vorschlag entspringt eher purem Hedonismus, den man sonst so gerne grünen Parteigängern unterstellt.
Man kann auch ohne Alkohol Äpfel kaufen. Ein Besäufnis hat auf Wochenmärkten nichts zu suchen. Es ist überhaupt die Frage, warum sich die Veranstaltungen immer weiter angleichen und dabei zu austauschbaren faden Hocketsen mit Bier, Wein und Würsten entwickeln müssen. Dabei geht es nicht um Prohibition. Auf dem Wochenmarkt gibt es Obst und Gemüse und vielleicht sogar einen Kanister Most, der zu Hause noch ein wenig gären kann. Wer etwas trinken will, kann in eine Kneipe oder in den Biergarten gehen. Die sind in der Regel nicht weit.
Und was hätte Helmut Palmer dazu gesagt?
Was hätte wohl Helmut Palmer, der berühmteste aller württembergischen Marktbeschicker, zu dem Vorstoß gesagt? Sein Sohn Boris, als Oberbürgermeister oberster Marktaufseher in Tübingen, hat da eine Vermutung: „Wenn die gescheiten Remstäler Wein trinken würden, kämen sie nicht auf solche Schnapdsideen, die Suffköpfe von der FDP.“ Vermutlich hat er Recht. Da ist die Preisbremse für Glühweinplörre eben doch origineller.