Die Kehler Feuerwehr hat angesichts eisiger Temperaturen den Ernstfall am Altrhein geübt – und appelliert an die Bevölkerung, vorsichtig zu sein.
Als Feuerwehrmann Jan Klotz das Eis im Altrhein aufsägt, zeigt sich schnell: Die Eisdecke ist etwa 20 Meter vom Ufer entfernt gerade mal zehn Zentimeter dick – und damit längst nicht stark genug, um Menschen zuverlässig zu tragen.
Weil sich, wie die Abdrücke von großen und kleinen Schuhen auf der leicht schneebedeckten Eisfläche zeigen, aber dennoch Leichtsinnige aufs Eis begeben, ist der von Feuerwehrkommandant Viktor Liehr am Mittwoch spontan angesetzte Termin umso wichtiger: Die Einsatzkräfte üben verschiedene Methoden der Eisrettung, teilt die Stadt Kehl mit.
Das Entscheidende ist, erklärt der Leiter der Feuerwehrtaucher Hendrik Wandres, „dass ihr euch breit macht“. Wehrleute, die einen Menschen aus einem Eisloch retten müssen, sollen sich also flach aufs Eis legen und sich an den Hilfesuchenden heranrobben – und keines Falls einfach aufrecht über die Eisfläche stiefeln.
Einsatzkräfte verteilen Gewicht gleichmäßig
Den professionellen Rettern stehen dabei unterschiedliche Hilfsmittel zu Verfügung: Wie schwierig es jedoch ist, dem ins Eis Eingebrochenen eine in einem Beutel steckende Rettungsleine zuzuwerfen, zeigt sich gleich bei den ersten Versuchen. Landet das offene Täschchen auch nur einen Meter von der Person im Eisloch entfernt, hat sie keine Möglichkeit, die Leine zu greifen und sich ans sichere Ufer ziehen zu lassen.
Auch mit zwei Steckleitern begibt sich Jan Klotz auf den zugefrorenen Altrhein: Während er sich auf der einen auf dem Eis liegenden Leiter im Vierfüßlerstand nach vorne bewegt, zieht er die zweite mit, schiebt sie vor, steigt um und holt die erste Leiter nach. Am Eisloch angekommen, schiebt er seinem Feuerwehrkameraden Philipp Maier, der im Trockentauchanzug im Altrhein hängt, die Leiter schräg hinunter ins Loch.
Verschiedene Methoden kommen zum Einsatz
Ziel ist es, dass sich der zu Rettende festhält und sich vorsichtig über die Abbruchkante des Eises kippen und auf der Leiter an Land ziehen lässt. Komfortabler wird die Aktion für den Verunglückten, wenn ein „Spineboard“ zum Einsatz kommt, ein Plastik-Board mit seitlichen Griffmulden, auf dem sich der Feuerwehrkollege zum Eisloch bewegt hat und das mit dem flachliegenden Verunglückten übers Eis gleitet. Als dritte Variante probiert Jan Klotz eine Schleifkorbtrage aus Metall aus.
In allen vier Fällen ist es entscheidend, dass der aus dem Eisloch Befreite flach liegend transportiert wird, erklärt Hendrik Wandres: Bei extremer Kälte konzentriert sich der Körper darauf, die Körpermitte mit den Organen warm zu halten, die Extremitäten kühlen stark aus. Bewegt sich der Unterkühlte, wenn er aus dem Wasser gezogen wird – oder wird zu sehr bewegt –, dann gelangt das kalte Blut aus Beinen und Armen in den Zentralkreislauf und zum Herz, das, damit überfordert, aufgibt. Am Abend wird die Übung in der Dunkelheit noch einmal wiederholt.