Neue Mehrwertsteuer-Regelung für den Online-Handel: Wer künftigen Waren von außerhalb der EU – wie etwa aus Großbritannien, den USA oder China – bestellt, könnte bei der Paketannahme zusätzliche Gebühren bezahlen müssen. Symbolfoto: Bernd Wüstneck/dpa Foto: Schwarzwälder Bote

Handel: EU überarbeitet Mehrwertsteuer-Regelung / Bei Paketannahme könnten Gebühren fällig werden

Augen auf beim Online-Kauf: Wer von außerhalb der EU Waren bestellt, könnte im Nachgang eine böse Überraschung erleben. Aufgrund einer Neureglung könnten bei der Paketannahme Zollgebühren oder die Mehrwertsteuer fällig werden.

Ortenau (red/ma). Bisher war die Einfuhr von Sendungen mit einem Bestellwert von bis zu 22 Euro aus einem Drittland, etwa China, Großbritannien, USA, von der Mehrwertsteuer befreit. Diese Freigrenze fällt weg, da von nun an alle in die Europäische Union eingeführten Waren ab dem ersten Euro der Mehrwertsteuer unterliegen.

"Die neuen Regelungen sollen einen fairen und transparenten Wettbewerb zwischen europäischen und ausländischen Online-Shop-Verkäufern sicherstellen", erläutert Karolina Wojtal, Co-Leiterin und Pressesprecherin beim Europäischen Verbraucherzentrum Deutschland in Kehl. "Die Mehrwertsteuer wird jetzt dort entrichtet, wo die Ware oder Dienstleistung schlussendlich in Anspruch genommen wird, sofern der Unternehmer in diesem Land mehr als 10 000 Euro umsetzt."

Möchte ein europäischer oder ausländischer Anbieter seine Waren in Deutschland verkaufen, kann er sich über das neue EU-Mehrwertsteuersystem (IOSS) registrieren. Dadurch entstehen Verbrauchern bei Einkäufen außerhalb der EU von höchstens 150 Euro keine zusätzliche Mehrwertsteuer oder Zollgebühren. Ist ein Händler nicht auf der Plattform registriert, müssen die Mehrwertsteuer und mögliche Zollgebühren bei Übergabe der Ware vom Käufer beglichen werden.

Verbraucherschützer raten Kunden, genau hinzusehen

"Das Problem bei der Registrierungsplattform besteht derzeit darin, dass Käufer nicht nachvollziehen können, ob der Anbieter daran angeschlossen ist oder nicht", kritisiert Wojtal. Dadurch könne es bei der Übergabe zur bösen Überraschung kommen, dass erst einmal Zollgebühren, Mehrwertsteuer und eventuelle Verwaltungsgebühren bezahlt werden müssen, ehe man die Ware erhält.

"Wir geben immer den Tipp, dass sich Verbraucherinnen und Verbraucher vorab ein möglichst genaues Bild vom Online-Shop machen. Wo hat der Shop seinen Firmensitz? Fallen neben den Versandkosten eventuell Zollgebühren oder Ähnliches an?", rät die Sprecherin des Europäischen Verbraucherzentrums. "Das kann bereits ein Hinweis darauf sein, ob sich der Online-Shop innerhalb oder außerhalb der EU befindet."

Seit dem 1. Juli gelten Online-Verkaufsplattformen, die Verkäufer und Käufer zusammenführen, ebenso wie "Dropshipping"-Seiten selbst als Verkäufer der Produkte. "Dropshipping" ist eine Art des Online-Handels, bei der Händler Produkte zwar auf ihrer Plattform anbieten, sie aber nicht selbst auf Lager haben.

Wenn Verbraucher also bei einem deutschen oder europäischen Verkäufer auf einer Online-Plattform für weniger als 150 Euro Produkte aus einem Drittland bestellen, zahlen sie einen Preis inklusive Mehrwertsteuer. Der Marktplatz muss die Mehrwertsteuer einziehen, deklarieren und für den Verkäufer abführen.

Gleiches gilt, wenn Kunden auf einem Marketplace von einem Verkäufer außerhalb der EU kaufen, unabhängig vom Wert der Bestellung, erläutert das Europäische Verbraucherzentrum in Kehl.

Das Europäische Verbraucherzentrum (EVZ) Deutschland sitzt an der Grenze in Kehl am Rhein und liegt damit in Nachbarschaft zur Eurometropole Straßburg. Sie ist direkter Ansprechpartner für grenzüberschreitende Verbraucherfragen und hilft kostenlos bei Problemen mit einem Händler aus dem EU-Ausland. Finanziert wird das EVZ von der Europäischen Kommission und dem Bundesjustizministerium.