Derzeit werden dem Ortenauer Gesundheitsamt nur noch vereinzelt Corona-Fälle gemeldet. Weit mehr zu schaffen macht der Behörde ein deutlicher Anstieg bei den Infektionen mit Keuchhusten und mit Windpocken. Foto: Pleul

Zwar werden auch in der Ortenau immer wieder Covid-Fälle gemeldet, derzeit beschäftigen jedoch zwei andere Erkrankungen das Gesundheitsamt weit mehr. Die Infektionszahlen bei Windpocken und Keuchhusten sind im Vergleich zu 2023 deutlich gestiegen.

„Die Covid-19 Erkrankung und der Nachweis von Sars-Cov-2 sind nach dem Infektionsschutzgesetz weiterhin meldepflichtig. Insofern gehen auch weiterhin Meldungen zur Erkrankung beim Gesundheitsamt ein“, erläutert Kreissprecher Kai Hockenjos auf Anfrage unserer Redaktion.

 

Er gab jedoch zu bedenken, dass deutlich weniger getestet wird als noch in den Pandemiejahren. Konkrete Zahlen nannte die Kreisverwaltung auf Anfrage keine.

Bearbeitet werden die gemeldeten Corona-Fälle durch das Team des Sachgebietes Infektionsprävention und Hygieneüberwachung als Teil der Routinetätigkeiten, wie alle anderen meldepflichtigen Infektionskrankheiten auch. In der Hochphase der Pandemie hatte sich noch ein großes Team um die Kontaktnachverfolgung gekümmert – das ist mittlerweile nicht mehr so.

Keine Todesfälle in der jüngsten Vergangenheit

„Da für Kontaktpersonen keine Einschränkungen gelten, werden diese derzeit in der Regel nicht mehr ermittelt“, so Hockenjos. Weiterhin gebe es in Pflegeheimen und Kliniken vereinzelt Corona-Ausbrüche. Die Daten werden dann an das Landesgesundheitsamt übermittelt. „In der jüngsten Vergangenheit wurden keine Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19 gemeldet“, erläutert der Kreissprecher.

Aktuell liegt die Covid-19-Inzidenz in ganz Baden-Württemberg bei fünf pro 100 000 Einwohner. Der aktuelle Lagebericht zu akuten Atemwegserkrankungen des Landgesundheitsamts – in dem die Corona-Zahlen mittlerweile einfließen – nennt für die letzte Juli-Woche insgesamt 552 Covid-19-Fälle im gesamten Land. Vor allem in der Altersgruppe der über 80-Jährigen steigt die Inzidenz seit Ende Mai wieder merklich.

Für die „epidemiologische Lagebewertung“ wird unter anderem das Offenburger Abwasser – als eine von insgesamt neun baden-württembergischen Kommunen – auf den Corona-Erreger getestet. Für den Zeitraum Ende Juli wird die auf diese Weise ermittelte Viruslast als „unverändert“ angegeben, nachdem es zuletzt Anfang Juni einen Anstieg gegeben hatte.

Keuchhusten-Zahlen schießen in die Höhe

Andere Infektionskrankheiten, die das Gesundheitsamt derzeit beschäftigen, sind vor allem Windpocken- und Keuchhustenmeldungen. „Die Zahlen zeigen einen deutlichen Anstieg gegenüber dem Vorjahr“, heißt es dazu von der Kreisverwaltung.

So stieg die Zahl der Windpocken-Fälle im laufenden Jahr bis Anfang August auf 313 – 2023 waren es insgesamt lediglich 286 Fälle gewesen. Noch dramatischer fällt die Entwicklung beim Keuchhusten aus. Waren es 2023 im gesamten Jahr nur 117 Fälle, so wurden dem Gesundheitsamt für das laufende Jahr bereits rund 530 Infektionen gemeldet.

„Zu allen an Windpocken Erkrankten beziehungsweise deren Eltern nehmen wir Kontakt auf und beraten wie besprechen Infektionsschutzmaßnahmen“, teilt der Kreis dazu mit. Nicht-immune enge Kontaktpersonen – meist ungeimpfte Geschwisterkinder – dürfen Schulen und Kindergärten für einen Zeitraum von 16 Tagen nicht betreten. Auch die Eltern an Keuchhusten erkrankter Kinder werden kontaktiert, um sie über die Dauer der Infektiosität aufzuklären und notwendige Schutzmaßnahmen zu besprechen.

Abwasser-Monitoring

Infektionserreger gelangen unter anderem über den Stuhl ins Abwasser und können dort nachgewiesen werden, heißt es auf der Webseite des Robert-Koch-Instituts. Die systematische Überwachung von Abwasser auf Infektionserreger mit dem Ziel, Entscheidungen für bevölkerungsbezogene Maßnahmen zu treffen, wird als „abwasserbasierte Surveillance“ bezeichnet. Die erhobenen Daten erlauben Rückschlüsse zum Trend der Infektionsdynamik. Deutschlandweit werden dazu Daten von 206 Standorten erhoben.