Wiederkehrender Regen bietet Stechmücken in der Region weiter ideale Brutbedingungen. Die Moskitojäger der kommunalen Aktionsgemeinschaft Kabs haben laut eigener Aussage zwar Schlimmeres verhindert – Grund zur Entwarnung gibt es jedoch nicht.
„Ob Sprays, Duftmittel, Räucherwerk – unsere Gäste haben alles ausprobiert, aber nichts hilft“, berichtet Birgitt Junglas vom Meißenheimer Womo-Park. „Die Mücken lassen sich nicht irritieren.“
Die Lage des Campingplatzes an Rhein und Baggersee wird ihm zum Verhängnis. Vielen Gästen bleibe abends nur die Flucht in ihre Wohnmobile. Dieses Jahr sei es schlimm, so Junglas im Gespräch.
„Hat es mal schönes Wetter, können die Gäste trotzdem nicht lange draußen sitzen.“ Das sorgt nicht nur bei Campern für Frust.
Zurückliegender Winter war so nass wie wenige zuvor
„Es handelt sich um ein extremes Stechmückenjahr“, bestätigt Xenia Augsten von der Kommunale Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (Kabs). Gegen die Mückenlarven setzt der Verein den von Bakterien gewonnenen Wirkstoff „BTI“ ein. Er wirkt – durch Helikopter oder Mitarbeiter verteilt – auf die Mückenlarven tödlich.
Schuld an der aktuellen Misere ist laut Kabs das Wetter. Der vergangene Winter gilt als einer der nassesten in 20 Jahren. Die Auswirkungen – durch gesättigte Böden und hohe Grundwasserstände – seien bis jetzt spürbar. Stechmücken fanden in gefluteten Gräben und Tümpeln ideale Brutbedingungen. Als Konsequenz zog die Kabs ihren Saisonstart zwei Wochen vor. Laut eigener Angaben habe die Kabs so die „Stichbelästigung“ in den ortsnahen Wäldern größtenteils verhindert.
Deutlich stärker als der nasse Winter wirkten sich aber die schwere Unwetterlage und lange Regenphasen im Mai und Juni aus – sie führte zu zwei Hochwasserwellen. Die Überschwemmung in der Rheinaue erreichte „gigantische Ausmaße“ und verwehrte Kabs-Mitarbeitern den Zugang zum Außendeich. Zu lange strömte hinter dem Hauptdamm das Rheinwasser.
Die Kabs konzentrierte sich stattdessen auf die weit ausgedehnten sogenannten Druckwasserflächen, in denen sich viele künftige Stechmücken tummeln. Die Experten wurden landeinwärts außerdem von neuen überfluteten Flächen mit „hohem Larvenbesatz“ überrascht. Diese traten bisher als Brutstätten noch nicht in Erscheinung. „Hier wurden sehr wahrscheinlich bei den großen Hochwasserspitzen in 2021 Eier abgelegt, die dann beim aktuell sehr hohen Wasserstand zum Schlupf kamen“, heißt es zum Ende der aktuellen Kampagne von den Stechmücken-Bekämpfern. Zwar habe der Einsatz zu einer „deutlichen Reduzierung der Stechmückenpopulation“ geführt, dennoch sei weiter mit einer erhöhten Belästigung zu rechnen.
Mücken gibt’s besonders rund um die Schutter
Auch der Neurieder Förster Gunter Hepfer rechnet nicht mit einer Entspannung, berichtet er am Montag unserer Redaktion. Er selbst bekommt die aktuelle Plage hautnah zu spüren. Es müsse zunächst einmal aufhören zu Regnen, konstatiert Hepfer. „Solange Pfützen da sind, haben wir auch Schnakenbrutstätten.“
Eine Besonderheit dieses Jahr sei, dass die Schnaken aktuell noch nicht „vom Rhein, sondern von der Schutter“ kommen. Wegen Hochwassers seien Felder und Wälder wochenlang unter Wasser gestanden – „entsprechend sind dort Schnaken geschlüpft“, so Hepfer. Betroffen seien aktuell besonders Gemeinden entlang der Schutter.
Wegen „ökologischer Flutungen“ – konkret etwa im Polder Altenheim – rechnet Hepfer in den kommenden Wochen jedoch mit einer größeren Belastung durch Stechmücken von der Rheinseite. Die dort schlüpfenden Insekten würden für weitere Wochen ihr Unwesen im Ried treiben. Kabs-Sprecherin Augsten versicherte auf Nachfrage, dass die Schnakenjäger dort nochmals zum Einsatz kämen.
Hepfer hofft derweil auf Besserung ab August. Dafür müsse es aber trockener werden. „Im Moment sieht es nicht danach aus“, so der Förster.
Das raten die Experten
Die Kabs rät dazu, Fenster mit einem Fliegengitter zu versehen, um die lästigen Stechmücken zumindest aus den Innenräumen fernzuhalten. Lange, helle und luftige Kleidung könne zudem als Barriere für Stiche dienen. Handelsübliche Abwehrmittel mit den Wirkstoffen Icaridin, Diethyltoluamid (DEET) oder P-Methan 3.8 diol (PMD) helfen laut Stechmücken-Experten zudem, Stiche zu vermeiden.