Müll ist nicht gleich Sperrmüll, und doch landet beides gerne auf dem größten Haufen. Das Kauf-Wasch-Café hat wegen seiner zentralen Innenstadtlage deshalb ein Problem: Stellt das Team Sperrmüll vors Haus und wird er nicht gleich abgeholt, wird’s wüst.
Am Tag vor der Abholung – wie immer – hat das Team des Kauf-Wasch-Cafés in der Ebinger BahnhofstraßeSperrmüll auf die Straße gestellt – und hatte plötzlich ein Problem: „Schon beim Raustragen kamen Personen und durchwühlten den Sperrmüll nach brauchbaren Sachen“, berichtet Patricia Seibert-Klöck von der Diakonie Balingen, Geschäftsführerin der sozialen Einrichtung, in der Besucher preisgünstig Second-Hand-Kleidung kaufen, dort waschen und dabei einen Kaffee trinken können.
Am Freitag, als der Sperrmüll abgeholt werden sollte, sei dann nur noch „ein riesiger Müllberg“ zu erkennen gewesen, berichtet Seibert-Klöck, die plötzlich einen Anruf der Polizei erhielt, die wiederum vom Landratsamt verständigt worden war und wissen wollte, „was denn bei uns vor dem Geschäft los ist“.
Also erklärte die Geschäftsführerin, was sich immer wieder dort zutrage, und die Beamten seien auch sehr freundlich und verständnisvoll gewesen, berichtet sie. Sie hätten mit dem Landratsamt gesprochen, das ihnen mitgeteilt habe, dass der Sperrmüll im Lauf des Tages abgeholt werden solle, wiesen allerdings darauf hin, dass das Team der Kauf-Wasch-Cafés den Müllberg beseitigen müsse, sollte das nicht der Fall sein.
Wohin mit dem Fremdmüll? Da ist guter Rat teuer und Lagerplatz knapp
„Das ist mit meinen drei Mitarbeitern leider nicht möglich“, betont Seibert-Klöck – zumal kein Lagerplatz dafür vorhanden sei.
Hinzu komme, dass fast jedes Wochenende Müll – keine Spenden! – vor dem Eingang der diakonischen Einrichtung abgestellt werde, den die Mitarbeiter dann sortieren und getrennt entsorgen müssten, was Zeit koste und zudem die Müllgebühren in die Höhe treibe. Seibert-Klöcks Sorge ist nicht zuletzt, dass solche Müllberge vor dem Kauf-Wasch-Café ein schlechtes Licht auf die Einrichtung werfen könnten, zumal manche Passanten sogar Fotos davon machten.
Das Landratsamt des Zollernalbkreises teilt auf Anfrage mit, dass jeder Haushalt – und auch das Kauf-Wasch-Café gelte als ein solcher – einmal pro Jahr bis zu drei Kubikmeter Sperrmüll ohne Extra-Kosten abholen lassen könne und dann stets ein Abholdatum genannt bekomme. Eine Uhrzeit festzulegen sei aber nicht möglich, denn es sei nicht planbar, wie viel Zeit die Abholer an einer Stelle auf ihrer Tour benötigten, stellt Pressesprecher Steffen Maier klar.
Würde eine Kamera vor der Ebinger Einrichtung das Problem lösen?
Der Müll vor dem Kauf-Wasch-Café werde weggeräumt – allerdings nur der Sperrmüll, betont Maier. Denn wie die Fotos zeigten, lägen auf dem Müllhaufen nicht nur sperrige Sachen, sondern vieles, was sich über die Tonne oder den Wertstoffhof entsorgen ließe – und auf diesem Weg auch entsorgt werden müsse. Tatsächlich zeigt das Foto Dinge wie Waschkörbe, Blumenkübel, Gießkannen, Spielzeug, Taschen und Behälter – und vieles mehr.
Beim Landratsamt ist das Problem bekannt, dass Sperrmüllablagerungen immer wieder dazu genutzt würden, weiteren Abfall dazuzustellen. Grundsätzlich aber sei der Müll vor dem Haus erst einmal das Problem des Hausbesitzers respektive Mieters. Den Müll im Eingangsbereich müsse das Kauf-Wasch-Café-Team also weiterhin selbst entsorgen, so Maier – oder eine Kamera anbringen, um festzustellen, wer dort auf Kosten einer sozialen Einrichtung, deren Ziel die Zweitverwertung brauchbarer Sachen und nicht die Müllentsorgung ist, Abfall ablädt.
Müll draußen lagern
Abfälle
müssen nach den gesetzlichen Vorgaben ordnungsgemäß entsorgt werden, teilt das Landratsamt des Zollernalbkreises mit – je nach Art der Abfälle über Abfallbehälter, Wertstoffzentren oder andere Entsorgungsanlagen. Selbst auf eigenem Grundstück sei eine Zwischenlagerung von Abfällen im Regelfall nur bis zum nächsten Abhol- respektive Entsorgungstermin zulässig. Dabei sei zu beachten, dass nicht alle Gegenstände außerhalb von Gebäuden zwangsweise Abfälle seien. Grundsätzlich komme es bei allen Gegenständen darauf an, ob, wann und wie der Besitzer die Gegenstände künftig nutzen möchte.