Das neue Katzenhaus Im Eulert soll bis Jahresende fertig sein. Der Tierschutz Calw und Umgebung investiert einen sechsstelligen Betrag in das Gebäude.
Eigentlich ist Heinz Möser, der zweite Vorsitzende des gemeinnützigen Vereins Tierschutz Calw und Umgebung, nicht auf Krawall gebürstet. Wenn es aber um das Thema Tierschutz im Landkreis Calw geht, dann wird Möser mitunter miesepetrig. Denn der Landkreis Calw werde seiner Verantwortung in Sachen Tierschutz seit Jahren nicht gerecht – und dies, obwohl in Baden-Württemberg die Kommunen und Landkreise für den Tierschutz verantwortlich seien.
Der seit 1965 bestehende Verein kümmert sich im nördlichen Teil des Landkreises Calw um die Versorgung von Tieren, die ohne Besitzer aufgefunden werden oder aus anderen Gründen in Obhut genommen und in der Folge versorgt werden müssen und an neue Besitzer vermittelt werden sollen.
Kein Vertreter des Kreises dabei
Um dieser Aufgabe in Zukunft besser gerecht werden zu können, hat der Verein am Montag den Startschuss für den Bau eines Katzenhauses auf dem bei Neuhengstett gelegenen Vereinsgrundstück Im Eulert 12 auf Althengstetter Markung gegeben. Zum Bedauern Mösers ohne einen Vertreter des Landkreises. Sowohl der Landrat als auch Vertreter des bei der Kreisbehörde angesiedelten Veterinäramts seien eingeladen gewesen. Gekommen sei niemand.
Gerade einmal 500 Euro Zuschuss
Auch in Sachen Finanzierung mache sich der Landkreis einen schlanken Fuß. Man bekomme für das Projekt, obwohl der Neubau einen sechsstellige Summe koste, gerade mal 500 Euro. Eine permanente Finanzierung des Tierschutzvereins durch den Landkreis gebe es nicht. Gleichzeitig seien bei der Planung des Neubaus vom Veterinäramt aber teils kaum erfüllbare Anforderungen formuliert worden. Dies sei ein Zustand, der sich nach Meinung Mösers dringend ändern müsse.
Manche Kommunen zahlen keinen Cent
Dass es zudem einige Kommunen gibt, die das Thema Tierschutz in keiner Weise interessiert, ärgert Möser gewaltig. Ganz anders die Gemeinde Althengstett. Von ihr erhalten man aufgrund einer vor Jahren geschlossenen Vereinbarung jährlich 20 Cent pro Einwohner für die Arbeit.
Andere Kommunen würden dem Verein aber keinen Cent zahlen. Wenn das so weitergehe, so Möser, dann setze er den Bürgermeistern, aus denen die beim Verein abgegebenen Tiere stammten, „einfach vor die Haustüre“. Mösers klare Forderung: „Der Landkreis und die Kommunen müssen endlich Verantwortung übernehmen.“
Hohe laufende Kosten
Dass der Verein mehr Geld benötigt, liegt angesichts jährlicher Tierarztkosten von 30.000 Euro, Heizkosten von 6000 Euro sowie Futterkosten von 5000 Euro auf der Hand. Ein Großteil davon werde bislang durch die rund 330 Vereinsmitglieder und viele Kleinspenden getragen, „aber das reicht auf Dauer nicht aus“, so Möser.
Drei Großspenden
Der Neubau selbst werde größtenteils durch drei Großspenden finanziert. Zwei der Spenden seien aus Calw gekommen sowie die Sigg Stiftung. Einen stattlichen Betrag habe zudem eine Stuttgarterin dem Verein vermacht. Die Basis für die Arbeit des Tierschutzvereins hätten aber Gudrun und Heinz Sohnrey vor 26 Jahren durch den Kauf des Grundstücks geschaffen, auf dem neben dem Bestandsgebäude nun der Neubau entstehen wird – mit Platz für bis zu 35 Katzen und bei Bedarf auch für vier bis sechs Hunde. Auch eine neue Quarantänestation für vier bis sechs Samtpfoten wird dabei entstehen.
Die Betreuung der Tiere wird laut Möser komplett ehrenamtlich übernommen. Die etwa 30 Helfer, die sich um die Tiere kümmerten, kämen aus dem gesamten Kreis Calw, aus dem Enzkreis, aus Pforzheim und sogar aus Rottenburg.
Die Vorbereitung und Planung des Gebäudes sowie die erforderlichen Umplanungen durch das Gärtringer Büro Juna Architekten haben vier Jahre in Anspruch genommen, wobei Architektin Natalie Dürr laut Möser viele überzogene Forderungen habe abwenden können.
Räte spenden ihr Sitzungsgeld
Dankbar ist der Tierschutzverein zudem, dass er durch die Gemeinde Althengstett stark unterstützt wird. Bürgermeister Rüdiger Klahm hält die Unterstützung nur für recht und billig, denn: „Der Landkreis kommt seiner Aufgabe nicht nach. Aber der Tierschutz geht uns alle an.“ Erfreulich für den Verein: Die Hengstetter Räte hatten zuletzt ihre Sitzungsgelder an den Tierschutzverein gespendet.