Der Sulzer Tierschutzverein ist durch die zahlreichen Kastrationen von Katern und Katzen enorm belastet und hat deshalb einen Spendenaufruf gestartet. Auch will man mit der Politik über eine Katzenschutzverordnung ins Gespräch kommen.
„Wir hätten nie gedacht, dass sich die Situation einmal so entwickeln wird“, sagt Tierärztin Anne von Stromberg.
Seit über 25 Jahren macht es sich der Tierschutzverein Sulz zur Aufgabe, einmal im Frühjahr sowie im Herbst eine große Kater- und Katzenkastration durchzuführen.
46 Tiere auf einem Hof
Bisher hätte man durch solch eine Maßnahme die Population gut unter Kontrolle gehabt, erinnert sie sich. Doch in den vergangenen Jahren habe sich dies geändert.
So habe man bei der kürzlich stattgefunden Aktion auf einem einzigen Bauernhof alleine 46 Katzen und Kater kastrieren müssen.
Katzen bekommen viele Junge
Denn tut man das nicht, sind die Folgen gravierend. „Magere Mütter, kranke und sterbende Babys, streunende Kater, die Viruserkrankungen verbreiten“, zählt die Tierärtin auf. Oftmals wanderten die Kater weite Strecken und deckten überall verschiedene Katzen.
„Katzen sind ab dem sechsten Monat geschlechtsreif werden und zwei- bis dreimal im Jahr Junge bekommen“, verdeutlicht von Stromberg die Folgen.
Hohe Kosten
Alleine die Kosten für die Kastrationen sind enorm. „Wenn ich 150 bis 200 Tiere kastriere, kommen da schon 10 000 Euro pro Jahr zusammen“, erklärt sie. Doch alleine mit dem medizinischen Eingriff ist es nicht getan.
Denn der Tierschutzverein kümmert sich weiterhin um die oft abgemagert und kranken Tiere. Sie werden medizinisch versorgt, wieder aufgepäppelt und an neue Besitzer vermittelt.
Das Budget ist aufgebraucht
Doch auch diese Pflege, das Futter und die Medikamente, müssen bezahlt werden. „Hier sprechen wir von mindestens 10 000 Euro, die es zusätzlich aufzubringen gilt“, erläutert von Stromberg.
Mit diesen Kosten ist der Verein jedoch an seine finanziellen Grenzen gekommen. „Nach der Frühjahrsaktion war unser Budget überschritten“, verdeutlicht sie die Ausmaße.
Spenden sind willkommen
Deshalb habe man beschlossen, einen Spendenaufruf zu starten, um auch weiterhin die Tiere artgerecht versorgen zu können. Auf seiner Homepage hat der Verein einen Link veröffentlicht, um Spenden per Paypal entgegenzunehmen.
Von Stromberg ist von den ersten Ergebnissen begeistert. „Wir haben nicht gedacht, dass in den ersten 24 Stunden so viel gespendet wird“, erklärt sie erfreut.
Katzenschutzverordnung nötig
Aber mit Geld allein ist es nicht getan. „Wir wollen eine Katzenschutzverordnung für Sulz und die umliegenden Kommunen“, sagt sie.
Solch eine Verordnung ermöglicht es, unkastrierte Fundkatzen zu kennzeichnen und zu kastrieren, wenn sich innerhalb von 48 Stunden kein Besitzer ermitteln lasse.
Gespräch mit Politik suchen
Die Entscheidung dafür liege jedoch bei jeder einzelnen Kommune. „Sowohl das Veterinäramt wie auch das Regierungspräsidium stünden hinter dem Vorgehen.
„Dadurch hätten wir eine rechtliche Grundlage, um mit Katzenbesitzern über ihre Verantwortung gegenüber der gesamten Population zu reden“, nennt sie einen Vorteil.
Noch in diesem Jahr wolle der Verein mit den entsprechenden Gemeinderäten, etwa in Sulz und in Vöhringen, ins Gespräch kommen, um seine Argumente vorzubringen.
Schramberg ist Vorreiter
Doch auch in anderen Orten, etwa Oberndorf und Rottweil, wird der Wunsch von Tierschutzorganisationen und Tierheimen nach solch einer Verordnung laut.
Bisher hat einzig Schramberg eine Verordnung zum Schutz freilebender Katzen verabschiedet.