Katholikentag und Kirche müssen sich ändern. Das ist allerdings nicht die einzige Botschaft, die von Stuttgart ausgeht.
Einfach zur Tagesordnung übergehen können die Macher des Katholikentags nicht. Zu schwach war die Strahlkraft, zu gering die Teilnehmerzahl, zu lau die Stimmung in Stuttgart. Sicher sind Corona und Kirchenkrise dafür mitverantwortlich – einerseits. Andererseits gehört die Traditionsveranstaltung insgesamt auf den Prüfstand. Schon die konfessionelle Trennung der Christentreffen in evangelische Kirchentage und Katholikentage ist unzeitgemäß. Daneben stellt sich die Sinnfrage, wenn auf großen Podien vor allem wiederholt wird, was andernorts bereits gesagt worden ist.
Die Gesellschaft wäre ärmer
Gleichwohl hatte das Treffen seinen Wert. Zum einen konnten die Teilnehmenden etwas lernen, Gemeinschaft erleben und für die gute Sache demonstrieren. Zum anderen gab es hin und wieder doch Botschaften, die man sonst kaum hört. So lobten Experten die Aufarbeitung des Missbrauchs in der Kirche als vorbildlich. Und sie betonten den hohen Wert der Kirchen für die Gesellschaft. Ohne alle, die sich aus christlicher Motivation, für die Hilfsbedürftigen, für Frieden und Gerechtigkeit einsetzen, wäre unser Land wirklich arm dran. Diese Tatsache ist in der Öffentlichkeit leider häufig unterbelichtet.