Gebäude sind auch im Dekanat Balingen ein Kostentreiber. Mit dem Projekt „Räume für eine Kirche der Zukunft“ sollen 30 Prozent des beheizten Gebäudebestands abgestoßen werden.
Neben den Grundsatzentscheidungen im Projekt „Seelsorge in neuen Strukturen“ standen bei der jüngsten Vollversammlung des Diözesanrats der Diözese Rottenburg-Stuttgart Finanzthemen auf der Tagesordnung – auch mit Folgen für die katholischen Kirchengemeinden im Dekanat Balingen.
Schwerpunkte müssen stärker fokussiert werden
Weil sich die „finanziellen Rahmenbedingungen gravierender“ entwickelt hätten, als bei der Haushaltsplanung 2025/2026 angenommen, wird die Kirchensteuerzuweisung an die Kirchengemeinden für das Jahr 2026 um 8,7 Prozent gesenkt. „Dass die Kirchengemeinden mit dem Geld sparsam umgehen müssen, ist klar“, sagt Dekan Pater Augusty Kollamkunnel. In Zukunft müssten die Schwerpunkte noch stärker fokussiert werden.
Eine pauschale Aussage zur finanziellen Situation in den 29 Kirchengemeinden im Dekanat Balingen könne nicht getroffen werden – zu groß seien die Unterschiede. Grundsätzlich betont Achim Wicker, Dekanatsreferent im Dekanat Balingen, müssten in Zukunft beispielsweise auch für Veranstaltungen zusätzliche Drittmittel generiert, Teilnahmebeiträge erhöht oder externe Partner mit ins Boot geholt werden. Das Gemeindeleben solle vom Kostendruck möglichst wenig beeinträchtigt werden. Veranstaltungen machen jedoch auch nur ein überschaubares Stück am Kostenkuchen aus.
Gebäudebestand der Finanzlage anpassen
Viel stärker belasten die Haushalte der Kirchengemeinden die Bereiche Personal und Bauen. Bereits im November 2023 wurde daher das Projekt „Räume für eine Kirche der Zukunft“ in der Diözese Rottenburg-Stuttgart ins Leben gerufen, das im Dekanat Balingen von Regionalmanagerin Nicole Unger begleitet wird. Ziel des Projekts ist es unter anderem, den Gebäudebestand der Kirchengemeinden an die finanziellen Möglichkeiten anzupassen. Dabei liege der Fokus auf nicht-sakralen Gebäuden wie unbewohnten Pfarrhäusern und wenig genutzten Gemeinde- oder Mietshäusern. 30 Prozent der beheizten Gebäude in den Kirchengemeinden sollen so abgestoßen und die Unterhaltskosten gespart werden. Ausgenommen von diesem Prozess sind Kirchen, wie der Dekan erläutert.
Projekt ist in der „Erarbeitungsphase“
Wie weit ist das Dekanat Balingen in diesem Prozess fortgeschritten? Derzeit befinde man sich in der „Erarbeitungsphase“ des Projekts, informiert ein Sprecher der Diözese Rottenburg-Stuttgart auf Anfrage. Das Ziel sei es, im Laufe des kommenden Jahres – sofern die Beratungen planmäßig verlaufen – zu zukunftsorientierten Entscheidungen zu kommen.
Für die Gebäudebestandsoptimierung seien so genannte „Zukunftsausschüsse“ eingesetzt worden, welche Optionen für die Weiterentwicklung erarbeiten. Momentan laufe in den Kirchengemeinden noch die Abstimmungsphase. „Konkrete Entscheidungen liegen daher noch nicht vor“, heißt es von der Pressestelle der Diözese weiter. Wichtig sei der Diözese, dass jede Kirchengemeinde eine fundierte Grundlage als Basis für die Entscheidung erhält und alle relevanten Daten, Bedarfe und pastoralen Überlegungen in den Entscheidungsprozesse miteinfließen.
Bereits verkauft ist das katholische Gemeindezentrum St. Antonius der Kirchengemeinde St. Elisabeth in Truchtelfingen; das Marienheim der Kirchengemeinde St. Josef in Ebingen soll verkauft werden, ein neues Gemeindehaus ist geplant. Dieser Neubau zahlt auch auf eine weitere Herausforderung ein: Bis 2040, so das Ziel, soll der Gebäudebestand der Kirchengemeinden im Dekanat Balingen– wie in der gesamten Diözese – klimaneutral sein.
Wie hoch die monatliche Einsparung mit einem um 30 Prozent reduzierten Gebäudebestand sein könnte, will die Diözese Rottenburg-Stuttgart nicht mutmaßen. Zum jetzigen Zeitpunkt könne auf jene Frage keine „belastbare Antwort“ gegeben werden. Die Höhe hänge von den später getroffenen Entscheidungen und den jeweiligen örtlichen Gegebenheiten ab. Grundsätzlich gilt: „Eine Reduktion des beheizten Gebäudebestands um etwa 30 Prozent würde langfristig zu spürbaren Betriebskosten- und Energieeinsparungen führen.“
In Zukunft wird auch über Kirchen diskutiert
Und natürlich: Perspektivisch werde auch darüber diskutiert werden müssen, welche Kirchen im Dekanat eine Zukunft haben, ergänzt Dekanatsreferent Achim Wicker. Noch gleiche dies aber dem berühmten Blick in die Glaskugel. Erstmal müsse geklärt werden, aus welchen Raumschaften das Dekanat nach der Strukturreform bestehe. Hierfür wird eine Entscheidung bis Ende 2026 erwartet.
Zahlreiche Gebäude in der Diözese Rottenburg-Stuttgart
5500 Gebäude
Auf dem Gebiet der Diözese Rottenburg-Stuttgart befinden sich nach eigenen Angaben 1021 rechtlich selbstständige katholische Kirchengemeinden, welche sich wiederum in 25 Dekanate aufteilen.Die Kirchengemeinden sind Eigentümer-/Trägerinnen von aktuell rund 5 500 Gebäuden, die circa 7900 Nutzungseinheiten beherbergen. Von diesen werden rund 2400 sakral genutzt (Pfarrkirchen, Kirchen, Kapellen). Weitere Nutzungen entfallen auf circa 1300 Gemeindehäuser, 1100 Pfarrhäuser und 840 Kindergärten.