Ein Mensch, der in besonderer Weise für die Katharinenhöhe und deren Wirken steht, ist der langjährige Geschäftsführer Stephan Maier. Jetzt aber gibt es einen Wechsel.
Während des Gesprächs unserer Redaktion mit Stephan Maier klopft es immer wieder an seine Tür oder klingelt das Telefon. Mitarbeiter suchen den Rat ihres Chefs oder es gibt Hinweise zu einem anstehenden Termin.
Wie sehr Maier geschätzt wird, wie er für Patienten, Familien und Mitarbeiter immer ein offenes Ohr hat, zeigt sich auch im anschließenden Rundgang in den verschiedenen Gebäuden der weitläufigen Reha-Klinik. Das Vertrauensverhältnis ist von beiden Seiten spürbar.
Stephan Maier, studierter Sozialpädagoge und Familientherapeut, kam 1987 zur Katharinenhöhe. Besonders reizten ihn an der neuen Aufgabe die familientherapeutischen Möglichkeiten. Familien in Krisensituation, mit einem Kind, das an Krebs erkrankt oder herzkrank ist, hilfreich zur Seite zu stehen – das ist für ihn „eine sinnvolle Arbeit, die einen selber fordert, aber auch sehr viel zurückgibt“.
Neuorientierung in einer schwierigen Lebensphase
Vier Wochen sind Eltern mit dem erkrankten Kind und Geschwistern vor Ort, lernen dort andere Familien in ähnlichen Situation kennen, erfahren insgesamt therapeutische Hilfe, einen Halt und eine Neuorientierung in einer schwierigen Lebensphase.
Was Familien und Patienten dort erfahren, prägt sie für Jahre, vielleicht ein Leben lang. Maier spricht von Briefen, die Therapeuten der Reha-Klinik oder er selbst noch nach vielen Jahren erhalten, in denen ehemalige Patienten oder Angehörige ihre Dankbarkeit aussprechen für die Zeit, die sie in der Katharinenhöhe verbringen durften. „Viele besuchen uns, zum Teil regelmäßig. Immer wieder wenden sich ehemalige Rehabilitanden hilfesuchend an mich und haben konkrete Fragen und Anliegen“, beschreibt Maier die bleibenden Kontakte.
Der im nächsten Jahr anstehende Wechsel in der Geschäftsführung wird mit Spannung erwartet. Wer wird in die großen Fußstapfen treten, die Maier hinterlassen wird? Eine Stellenausschreibung steht bereits online auf der Seite der Beraterfirma Kienbaum. Im Rahmen des altersbedingten Ausscheidens des jetzigen Geschäftsführers zum Herbst 2026 werde eine „hoch qualifizierte, menschlich integre und motivierte Nachfolge“ spätestens zum Sommer 2026 gesucht, heißt es im Ausschreibungstext. Bewerbungen werden bis 27. Oktober in diesem Jahr erbeten, also bis in wenigen Tagen. „Wir suchen jemanden, der für die Sache brennt“, so Maier.
Was nach dem Berufkommen könnte
Wenn alles planmäßig verläuft, kann er im Herbst nächsten Jahres einen neuen Lebensabschnitt antreten, den Ruhestand. Seine Frau und er wohnen in Furtwangen. Er wandere, schwimme und lese gerne, antwortet er auf die Frage nach Hobbys, die er im Rentenalter intensivieren könnte. Für ein Engagement in Vereinen habe ihm die Zeit bislang gefehlt. „Meine Frau ist zuversichtlich, und ich auch, dass ich auch ohne Arbeit leben kann und nicht in eine Sinnkrise verfalle.“ Er werde schon was finden, womit er seinen Ruhestand füllen könne.
Maier möchte auch nicht ausschließen, dass er noch mal studiert, vielleicht Geschichte oder Politik. Reisen werde eher schwierig, verweist er darauf, dass kürzlich das zweite Enkelkind zur Welt kam und noch unklar sei, inwieweit er und seine Frau in die Betreuung der Enkel eingebunden würden.
Viele Männer würden zwei Jahre nach ihrer Pensionierung einen Herzinfarkt bekommen. „Das habe ich nicht vor“, schmunzelt Maier.
Über die Reha-Klinik
Die Katharinenhöhe
hält in verschiedenen Gebäuden Therapieangebote und Wohnmöglichkeiten für Familien und Patienten vor. Es handle sich um mehr als nur Übernachtungsmöglichkeiten, weist der Geschäftsführer und psychosoziale Leiter der Einrichtung, Stephan Maier, auf das familienorientierte Konzept hin. Alle würden stationär aufgenommen und entsprechend untergebracht, die Familien in Appartements, die Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Einzel- und Doppelzimmern. Laut Maier können in der „Katha“ 33 Familien untergebracht und therapiert werden, außerdem jeweils 15 Patienten in den Altersgruppen Jugendliche und junge Erwachsene. Im Herbst wurde mit dem Birgitta-Hermle-Haus ein neues Therapiezentrum eröffnet. Die Kosten belaufen sich laut Maier auf elf Millionen Euro. Bei der Finanzierung spielen auch Spenden eine wichtige Rolle. Bei den Spendenaktionen des Schwarzwälder Boten für die Katharinenhöhe beteiligen sich regelmäßig viele Leser. Die Zahl der Mitarbeiter der Katharinenhöhe liegt bei 140. Es handelt sich um eine Einrichtung der Arbeiterwohlfahrt, Bezirksverband Baden. Vor 100 Jahren hatte die AWO das dortige ursprüngliche Gebäude und Grundstück übernommen, vorwiegend wurden damals Mutter-Kind-Kuren angeboten. 1985, also vor 40 Jahren, kam die familienorientierte Rehabilitation für Familien mit krebs- und herzkranken Kindern hinzu. Der Bedarf für ein solches Angebot war auch dem medizinischen Fortschritt in der Kinderonkologie seit Ende der 70er Jahre geschuldet, erklärt Maier. Zuvor seien Krebserkrankungen bei Kindern meist tödlich verlaufen. Die Heilungsmöglichkeiten hätten sich seither deutlich verbessert.