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Kate und William in Heidelberg Eine Stadt im royalen Taumel

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Klassisches Heidelberg-Bild mit Schloss im Hintergrund: Der britische Prinz William und seine Frau Kate posieren für die Fotografen. Foto: AFP

Heidelberg - Schön sehen sie natürlich aus: Kate (35) trägt ein sonnengelbes Jenny-Packham-Kleid, offene Haare. William (35) einen hellen Anzug, weniger Haare. Auf die Minute genau um 13.20 Uhr kommen Prinz William und Herzogin Kate am Donnerstag vor dem Heidelberger Rathaus an. Eskortiert von Polizei und Sicherheitskräften, begrüßt von Oberbürgermeister Eckart Würzner und dessen Frau sowie dem Ministerpräsidentenpaar Winfried und Gerlinde Kretschmann. Nach einem kurzen Aufenthalt im Rathaus gehen alle gemeinsam über den Marktplatz, auf dem ein deutsch-britischer Markt aufgebaut ist. Eigentlich schreiten sie. Egal, mit wem man spricht, alle sind sich einig: „Die sind so nett und witzig.“ Nur ein Wermutstropfen bleibt: Die Kinder sind in Berlin geblieben. Und der Himmel zeigt sich nicht royalblau, sondern bietet typisch britisches Wetter: leichter Wind, Nieselregen. Immerhin bleibt es für die etwa 30 Minuten auf dem Platz trocken.

Rund 30 000 Zuschauer sind am Nachmittag in Heidelberg vor Ort. Fans haben sich schon am frühen Vormittag am Marktplatz positioniert, um einen Blick auf das Paar zu erheischen. Wolfgang Böhm (61) aus Binsheim bei Heppenheim wartet zum Beispiel schon seit 8.30 Uhr auf die beiden. Geschenke – einen leuchtenden Engel und eine Glubschi-Katze – hat er dabei und hofft, dass er die weitergeben kann. „Ich würde sie gerne mal aus der Nähe sehen. Ob die wirklich so sympathisch sind, wie sie in den Medien rüberkommen.“ Derweil kreisen Hubschrauber über der Altstadt, an den Ständen wird noch aufgebaut, und Gerlinde Kretschmann spaziert allein vor dem großen Trubel durch die Gassen. Die Polizeipräsenz ist enorm. Viel Aufhebens wird um den royalen Besuch aus Großbritannien gemacht: Wer zu einem der Termine der beiden zugelassen wird, muss sich 75 Minuten zuvor einem Sicherheitscheck unterziehen. Taschen und Kameras werden von Spürhunden inspiziert.

Der Zeitplan von Kate und William ist eng getaktet

Auf den Marktplatz sind 300 Heidelberger Bürger eingeladen: Gemeinderäte, ehrenamtlich Engagierte, die ehemalige Schwimmerin Franziska van Almsick sowie Mitglieder des Freundeskreises Cambridge-Heidelberg sind vor Ort.

Heidelberg ist die Partnerstadt von Cambridge. Da trifft es sich ganz gut, dass das Herzogpaar von Cambridge bei seinem ersten gemeinsamen Besuch in Deutschland nicht nur die Hauptstadt und Hamburg, sondern auch die Universitätsstadt am Neckar auf dem Plan hat. Der ist aber eng getaktet: Deutsches Krebsforschungszentrum, Marktplatz und Spaziergang durch die Altstadt zur Alten Brücke, Rudern auf dem Neckar und Siegerehrung. Mehr Zeit ist nicht.

„Was soll das ganze Tamtam wegen den zwei Engländern?“, fragt sich einer, als er am Marktplatz vorbeigeht. Viele aber mögen das Tamtam, mögen das Herzogpaar. Brexit hin oder her, Heidelberg liebt Britannien. Zumindest die neuen Stars aus dem Königshaus. Sie sind Sympathieträger in unruhigen Zeiten.

Und Kate und William präsentieren sich auf dem Marktplatz von ihrer besten Seite, gehen von Stand zu Stand, begleitet von Sicherheitskräften und Menschen mit Smartphones. Immer wenn sie zwischen den Ständen fürs Volk zu sehen sind, ist der Jubel der Menge vor den Absperrgittern groß. „Es ist ein Rundgang, es gibt keine Reden“, sagt Oberbürgermeister Würzner. Das royale Paar habe sich „casual clothing und Kontakt mit den Menschen gewünscht“. Und den gibt es. Bei der Bäckerinnung üben sie sich auf einer Backmulde im Brezelschlingen, wobei Williams Werk gegen jenes von Kate eindeutig verliert. Bei der Bonbon-Manufaktur machen sie Zitronenlollis für die Kinder, probieren zuckerfreie Limonade: Kate steht auf Orange-Fenchel, William mag Birne.

Ursula Liedvogel vom Freundeskreis Heidelberg-Cambridge ist – wie alle anderen auch – begeistert vom royalen Paar. Und vor allem von Kate. „Sie ist ein ganz normaler Mensch“, sagt Liedvogel: „Und genauso sympathisch, wie ich sie mir vorgestellt habe.“ William fragt Kinder vom Turnverein, wie alt sie sind, und lässt ein Selfie von sich und seiner Frau machen. Die Royals geben sich bürgernah.

Kate und William sind ein Traumpaar ohne Skandale

Für England ist es ein guter Zeitpunkt, das sympathische royale Paar nach Deutschland zum Besuch zu schicken. Das Image des Vereinigten Königreichs ist ramponiert, die Wirtschaft auf Talfahrt, viele Wahlengländer wollen raus aus England, bevor das Land die Europäische Union voraussichtlich im März 2019 verlässt. Die Brexit-Verhandlungen gingen Anfang der Woche in die zweite Runde, während Kate und William Warschau, Danzig, Berlin, Heidelberg und Hamburg bereisen.

Sechs Jahre nach ihrer Märchenhochzeit und zwei Kinder später machen Kate und William das, was sie so gut können: repräsentieren, winken, lächeln, Hände schütteln. Sie sind das royale Traumpaar, eines ohne große Skandale. Und angeblich das erste Paar im britischen Königshaus, das aus Liebe geheiratet hat. „All You Need Is Love“, sangen schon die Beatles.

Für die Kinder von Kate und William – George (3) und Charlotte (2) – wäre das Programm in Heidelberg zu anstrengend gewesen. Nach dem Marktplatz spaziert das royale Paar mit Oberbürgermeister Würzner, Ministerpräsident Winfried Kretschmann und seiner Frau Gerlinde durch die Steingasse zur Alten Brücke. Hier gibt es das klassische Heidelberg-Bild – mit Schloss im Hintergrund, das das royale Paar nur von Weitem sehen darf. Und natürlich: wieder winken für die schönen Bilder. Heidelberg werde vom Aufenthalt des Paars noch lange zehren, sagt OB Würzner. Er spricht vom „Ereignis des Jahres“. Die Kosten des Besuchs taxiert Würzner bei etwa 80 000 Euro. „Aber die Werbewirkung“, meint der Rathauschef, „liegt im Millionenbereich.“

Zum Rudern auf dem Neckar darf es dann noch legerer sein. Kate trägt eine dunkle Hose, maritim gestreiftes Oberteil. Sie rudern, verteilen Medaillen, William macht den Fassanstich, sie prosten sich mit Steinkrügen zu. Jetzt ist auch der Marktplatz wieder für alle für das deutsch-britische Fest geöffnet. Kate und William müssen nach der kurzen Stippvisite zurück nach Berlin. Da wartet am Abend dann noch ein Gala-Empfang in Clärchens Ballhaus auf sie..

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