Erst vor wenigen Wochen hat die Freiwillige Feuerwehr Bisingen das neue Fahrzeug für den „Zugführer vom Dienst“ geliefert bekommen. Kommandant Marc Mayer freut sich über den gut ausgestatteten Kommandowagen. Foto: Sabine Hegele​

Aktuell ist die Gemeinde Bisingen dabei, die Stelle im Ordnungswesen und damit zugleich für die kommunale Notfallvorsorge im Katastrophenschutz neu zu besetzen.

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe hat eine neue Broschüre zur „Vorsorge für Krisen und Katastrophen“ aufgelegt. Im Bisinger Rathaus liegt sie kostenlos aus. Parallel dazu hat die Gemeinde die Stelle fürs „Sachgebiet Ordnungswesen, zuständig für die kommunale Notfallvorsorge und die Koordination im Bereich Katastrophenschutz…“ neu ausgeschrieben. Bis dato hat die Matthias Gsell inne.​

 

Die Kompetenzen bündeln​

Der Bisinger Feuerwehrkommandant Marc Mayer findet es wichtig, für den Katastrophenfall einen Ansprechpartner zu haben. Wobei dem in der täglichen Praxis vor allem das Koordinieren, Planen und Organisieren zukomme. Im konkreten Katastrophenfall seien die Rettungsdienste, das THW und die Feuerwehr als „Schutzeinheit“ gefordert. Jeder bringe sich dann mit seinen Kompetenzen ein, tue seine Arbeit, „wie er sie gelernt hat“.​

Wann, glaubt der stellvertretende Kreisbrandmeister, ist denn ein Katastrophenfall gegeben? Wenn ein Wohnhaus niederbrennt, wenn – wie erst Anfang Januar in Berlin – ein Stromausfall über Tage zigtausende Haushalte „lahmlegt“ oder wenn ein Hochwasser, wie im Mai 2024 in Bisingen, für Verwüstung sorgt?​

Lage nicht mehr beherrschbar​

Marc Mayer sieht das sehr differenziert. Brennt ein Wohnhaus nieder oder läuft ein Keller voll, sei das für die persönlich Betroffenen natürlich eine Katastrophe. Gar keine Frage! Grundsätzlich aber definiere sich die Katastrophe anders. Von einer solchen würde bei einem „außergewöhnlichen, meist plötzlich eintretendem Ereignis“ gesprochen, „das große Schäden verursacht an Menschen, Umwelt und Sachwerten – und mit den normalen Mitteln und Kräften nicht mehr beherrscht werden kann“.​

Beispiele dafür nennt der 47-Jährige Industrieunfälle, heftige Erdbeben, große Hochwasser und Brände, die über die Grenzen einer Region hinaus wirken. Und die Corona-Pandemie? War sie keine Katastrophe? Für sehr viele Menschen mehr als das, gewiss eine Tragödie, sagt der Feuerwehrkommandant – „in unserem Landstrich jedoch nicht“. Beispielsweise für die Region um das italienische Bergamo mit tausenden Toten aber schon.​

Der große Stromausfall in der Bundeshauptstadt war über Tage in den Schlagzeilen. Auch keine Katastrophe? Nein, wird der Feuerwehrmann deutlich. „Wir haben uns einfach massiv an unseren Luxus gewöhnt“, erklärt er. Mit dem Stromausfall habe „die Wohlfühloase Risse bekommen“. Denn tatsächlich sei es doch so (medizinische Notfälle ausgenommen), dass der Mensch gut ein paar Tage „überleben“ könne „ohne vernetzt zu sein, ohne sich zu waschen, ohne es warm zu haben und ohne eine warme Mahlzeit im Bauch“. Im Fall von Berlin komme dazu: Nur ein kleiner Bruchteil dieser 3,8 Millionen Einwohner großen Stadt sei ohne Strom gewesen – „der ganz große Teil konnte also aushelfen“.​

Welche konkrete Form der Hilfe hält denn die Kirchspielgemeinde beispielsweise für einen solchen Fall vor? An erster Stelle die Wärmeinsel in der Hohenzollernhalle. Dafür wurde im Untergeschoss erst jüngst eine neue Technik eingebaut und Lagerplatz für Decken und Feldbetten geschaffen. Hier könnten, natürlich in Etappen, die etwa 9800 Einwohner betreut und versorgt werden – klärt Marc Mayer auf.​

Hat denn der Privatmann und Familienvater Mayer gut vorgesorgt für Krisen und Katastrophen? Gehört er vielleicht sogar zur zunehmend größer werdenden Gruppe von Preppern, die Vorräte anlegen, um in Notsituationen autark überleben zu können? Nein. Zwar habe er ein paar Reserven an Wasser und Lebensmitteln deponiert und eine (brandsichere) Dokumentenbox griffbereit, aber viele Notfalldinge habe die Feuerwehr ohnehin im Feuerwehrhaus gelagert.​

Sinnvoll: die Warn-App NINA​

Und was sagt der Notfallsanitäter zu den zahlreichen Tipps in der Broschüre des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe? Es seien wirklich gute Ratschläge dabei, „doch muss man sie gewiss nicht alle umgesetzt haben“. Wirklich sinnvoll nennt er dafür die Warn-App: „NINA ist eine gute Sache. Darüber werden schließlich nicht nur Katastrophen kommuniziert, sondern auch Warnhinweise gegeben. Zum Beispiel bei starker Rauchentwicklung oder ähnlichem.“​

Grundsätzlich, rundet Marc Mayer, der von sich selbst sagt, kein ängstlicher Mensch zu sein, das Thema so ab: „Als Feuerwehrmann bist du ein Lösungsfinder. Und für die meisten Dinge finden sich auch immer Lösungen.“