Gute Vorbereitung ist alles: Martin Lindenlauf (links) und Patrick Loll organisieren den Stab für außergewöhnliche Ereignisse der Stadt Hechingen. Rund 20 Personen dabei involviert. Foto: Alexander Kauffmann

Hechingen probt den Ernstfall: Blindgänger in der Zollernstraße, Evakuierungen, Notunterkünfte und Radiomeldungen.

Angesichts weltpolitischer Unsicherheiten rückt der Katastrophenschutz auch bei der Stadt Hechingen verstärkt in den Fokus. Bereits 2024 hat die Verwaltung begonnen, den Stab für außergewöhnliche Ereignisse zu professionalisieren.

 

Die Initiative dazu ergriffen Patrick Loll und Martin Lindenlauf, beide in Leitungsfunktionen im „Ordnungsbereich“ der Stadtverwaltung tätig. Dem Stab gehören rund 20 Personen an, darunter die Bereichsleitungen.

Während Katastrophenmeldungen aus der Ukraine oder dem Iran derzeit vorwiegend Bilder von Raketenangriffen und Cruise Missiles im Kopf entstehen lassen, richten die Hechinger ihren Blick auf die wahrscheinlicheren Szenarien: Massive Schäden durch Hochwasser, Erdbeben oder Stromausfälle, wie sie beispielsweise beim tagelangen Aussetzer in Berlin im Januar 2026 auftraten.​

Satellitentelefon im Einsatz​

Loll und Lindenlauf sprechen hierbei von einer „Energiemangellage“, die eine spezielle Herausforderung birgt – etwa, wenn nach einiger Zeit auch die Akkus der Smartphones leer sind und die Bevölkerung nicht mehr erreicht wird. In einem solchen Fall kommen Satellitentelefone zum Einsatz, mit denen Radiostationen informiert werden – ein Notfallradio zu Hause zu haben, ist deshalb empfehlenswert. Ebenso denkbar wäre, dass Polizei oder Feuerwehr mit Lautsprecherwagen durch die Stadt fahren.​

Fiktive Ereignisse durchgespielt​

Die Zusammenarbeit mit der Katastrophenschutzbehörde des Landkreises ist laut Landeskatastrophenschutzgesetz vorgesehen, jedoch bleibt offen, in welchem Umfang die nachgeordneten kommunalen Stellen zuarbeiten sollen. „Wenn man mutig ist, kann man das Thema außen vor lassen. Oder wir bereiten uns bestmöglich auf Krisenfälle vor“, sagt Patrick Loll. Der Stab koordiniert die Zuarbeit ans Landratsamt, nimmt aber auch rein auf Hechingen begrenzte Ereignisse in den Blick. Zur Vorbereitung gehört auch, fingierte Ereignisse durchzuspielen.​

„Spielen Ereignis live durch“​

Ein Beispiel: Der Fund eines Blindgängers aus dem Zweiten Weltkrieg bei Bauarbeiten in der Zollernstraße. In solchen Fällen kommt der Stab im Lage-Raum der Hofapotheke zusammen, um alle Beteiligten auf den aktuellen Stand zu bringen.

Abgesprochen werden dann Fragen wie diese: Wie groß ist der Explosionsradius? Wie viele Menschen müssen evakuiert werden? Wer benötigt eine Notunterkunft? Was ist zu tun, wenn der Blindgänger kontrolliert gesprengt werden muss?​

„Wir spielen das Ereignis live durch“, erklärt Lindenlauf. Je nachdem, wie lange eine Evakuierung dauert, würde der Stab rechtlich valide Anordnungen besorgen – auch die Versorgung der evakuierten Personen ist dann zu organisieren.

​Doch so umfassend die Vorbereitung auch ist: Eine entscheidende Unsicherheit bleibt. „Wir bereiten uns auf etwas vor, das wir nicht kennen“, sagt Loll. Die Gefahr sei „abstrakt, aber immer vorhanden“, ergänzt Lindenlauf. Flugzeugabstürze oder schwere Erdbeben – all das lässt sich nicht vorhersehen.​

Individuelle Resilienz ist wichtig​

Einen Beitrag zur Bewältigung von Katastrophen leisten aber auch die Bürgerinnen und Bürger selbst. Loll und Lindenlauf sprechen von „Resilienz“ und empfehlen, Wasser und Nahrungsmittel zu bevorraten. Das zeigt: Vorbereitung auf Krisenfälle ist nicht nur Sache der Stadt, sondern auch darüber hinaus.​

Wie das BBK eine Katastrophe definiert

So definiert das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) den Begriff „Katastrophe“:​

„Ein Geschehen, bei dem Leben oder Gesundheit einer Vielzahl von Menschen oder die natürlichen Lebensgrundlagen oder bedeutende Sachwerte in so ungewöhnlichem Ausmaß gefährdet oder geschädigt werden, dass die Gefahr nur abgewehrt oder die Störung nur unterbunden und beseitigt werden kann, wenn die im Katastrophenschutz mitwirkenden Behörden, Organisationen und Einrichtungen unter einheitlicher Führung und Leitung durch die Katastrophenschutzbehörde zur Gefahrenabwehr tätig werden.“​

Das BBK empfiehlt, einen Notvorrat anzulegen. Dieser sollte Wasser und Nahrungsmittel für zehn Tage umfassen. Wer beispielsweise bei einem Stromausfall zusätzlich kochen will, findet in Spiritus- und Gaskochern eine Alternative zum strombetriebenen Herd. Allerdings kann der Wasserverbrauch steigen, was bei der Bevorratung zu berücksichtigen ist.