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Karlsruhe/Birkenfeld Mordfall Simon P.: DNA an Tatort gefunden

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Anfang Oktober 2018 wurde die Leiche von Simon P. in einem Waldstück südlich von Pforzheim entdeckt. Foto: Gress

Karlsruhe/Birkenfeld - Der siebte Verhandlungstag im Fall des ermordeten Simon P. aus Birkenfeld-Gräfenhausen wird zum großen Auftritt der Forensiker und Kriminaltechniker. Wer’s mit einer populären TV-Serie ausdrücken will: Ein bisschen "CSI Nordschwarzwald" liegt in der Luft.

Außer dem Pforzheimer Hauptangeklagten Massimiliano V. (30), gegen den ein Haftbefehl besteht und der in Handschellen in den Schwurgerichtssaal des Landgerichts Karlsruhe geführt wird, sind die drei Mitangeklagten aktuell auf freiem Fuß. Im Gegensatz zu Massimiliano V. wirken sie auch im Verlauf der Verhandlung eher entspannt bis gelangweilt. Nur der 30-jährige Italiener steht die gesamten folgenden Stunden sichtlich unter Strom.

Zuerst nimmt ein Kriminaltechniker aus Pforzheim Platz auf dem Zeugenstuhl. Er ist der "Hauptsachbearbeiter" in diesem Fall, was alle gesicherten Spuren angeht. Meistens habe er nur koordiniert, allein am mutmaßlichen Tatort – der Wohnung von Simon P. und dem Grundstück rund um das Wohnhaus in der Schubert­straße in Birkenfeld-Gräfenhausen – habe er auch selbst Spuren gesichert. Allerdings sei da der Tatort bereits "verändert" gewesen. Was die folgende Sichtung der Beweismittel etwas kompliziert macht.

Fotos aus Simon P.s Behausung zeichnen ein trostloses Bild

Fotos vom Anwesen des "Geschädigten", wie das Mord­opfer im Juristendeutsch benannt wird, werden gezeigt. Erst Luftaufnahmen – um sich besser orientieren zu können. Dann Bilder des Grundstücks, der Wohnung, der verschiedenen Zimmer, der Waffen des Büchsenmachermeisters Simon P., der verschiedenen sichergestellten Beweismittel. Es gibt Fotos, die der heute als Zeuge geladene Kriminaltechniker selbst gemacht hat – die weichen aber von jenen ab, die der Polizeiposten Neuenbürg (Enzkreis) am Tatort gemacht hat.

Die Neuenbürger Beamten untersuchten als Erste die Wohnung Simon P.s – da galt der Fall noch "nur" als Vermisstensache. Als die Polizisten Blut im Haus und im Garten entdeckten, wurde die ganze Angelegenheit zur Mord-Sache ausgeweitet. Und die Kriminaltechnik samt "Soko Wagner" übernahm.

Gezeigt werden im Gericht auch Fotos, die zeitnah vor seinem Tod Simon P. selbst gemacht haben soll. Und die man in seinem "Cloud-Speicher" im Internet habe sicherstellen können. Aus allen Bildern zusammen ergibt sich ein eher trostloses Bild vom Leben des Simon P.: Seine Wohnung ist ein Keller, die Böden zeigen alte Fliesen, die Wände sind mit billigem Holz vertäfelt; manches ist wohl seit Jahren nur halb fertig. Die Möbel – das Billigste aus dem Baumarkt, nichts passt zusammen. Alles ist irgendwie verwahrlost, unordentlich. Das einzig Wertvolle, und in seinen Augen wohl "Schöne": Simon P.s Waffen, die er in soliden Stahlschränken oder auch in Schauvitrinen in seinem Flur aufwendig arrangiert hatte – zusammen mit Jagdmessern und Deko.

Als die Polizei die Wohnung durchsuchte, fehlten die meisten Waffen – die Polizei kommt auf 30 verschwundene hochwertige Gewehre, teils mit Zielfernrohren. Auch die Schaukästen sind leer. Später werden weitere Waffen von P. hinter einem Verschlag in der Wohnung seiner Mutter gefunden, die von diesem Versteck nach eigenen Angaben nichts wusste. Die nach wie vor fehlenden und durchaus wertvollen Waffen gelten als Mord-Motiv in diesem Fall.

Kriminaltechniker sichern in der Wohnung jede Menge Blutspuren

Was die Kriminaltechnik für den Tatort protokolliert: jede Menge Blutspuren – im Haus, an den Waffenschränken, draußen – am Jägerzaun zum Nachbargrundstück hin. Man sichert mit den bekannten Wattestäbchen diese Spuren, hofft auf verwertbare DNA. Ein Vergleichsprobe vom Opfer wird von dessen Zahnbürste gesichert. Nach dem Fund seiner Leiche – das wird später die DNA-Expertin des Landeskriminalamtes (LKA) Baden-Württemberg aussagen – wird die Opfer-DNA mit einer Probe "aus der Achilles-Sehne von SP67" bestätigt. "SP67" – das ist Forensiker-Sprech für "Simon P., geboren 1967".

Was die Diplom-Biologin vom LKA, die in vier dicken Ordnern sämtliche DNA-Auswertungen in diesem Fall mitgebracht hat, im nüchternen Ton einer Protokollantin rezitiert, zeichnet eigentlich ein klares Bild: "MV88" (Massimiliano V., geboren 1988) hat an den wichtigsten Beweisstücken in diesem Fall seine DNA hinterlassen, in der Regel in Form von "Hautabrieb" (also Hautschuppen). So an einem zerknüllten Haushaltstuch auf dem Wohnzimmertisch des Opfers – gemeinsam mit den DNA von Simon P.. Wahrscheinlichkeit, dass die gefundene DNA "MV88" gehört: "1:810 Trillionen!"

Besonders makabres Beweisstück, das die Beamten von der "CSI Nordschwarzwald" untersuchten: ein perfekt ausgeführter "Henkersknoten" (Spur 259001), der mit der Leiche von Simon P. gefunden worden war. Das Opfer war zuerst gewürgt worden, dann hatte man auf ihn eingestochen. Letztlich soll er aber an einem Tritt gegen seinen Kopf gestorben sein.

Außen an dem Henkersknoten, mit dem der Büchsenmacher wohl gewürgt worden war, fanden sich keine verwertbaren Spuren. Aber als man den fachmännisch gewickelten Knoten öffnete, fanden sich "im geschützten Bereich" an den Innenseiten "schwache Spuren an der Nachweisgrenze" (Spur 259011). Diese konnten ebenfalls "MV88" zugeordnet werden – mit "einer Wahrscheinlichkeit von 1:100 000". Warum eine nur so geringe Wahrscheinlichkeit, will der Vorsitzende Richter wissen. "Weil es sich um eine Mischspur" handelt, also auch weitere DNA an gleicher Stelle gefunden worden war.

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