Der ehemalige Ortsvorsteher Dürrenmettstettens, Karl Jäkle, wird am Sonntag 90 Jahre alt. Foto: Kurtz

Man mag es nicht glauben, wenn man mit Karl Jäkle spricht, aber der ehemalige Ortsvorsteher Dürrenmettstettens wird am kommenden Sonntag 90 Jahre alt.

Sulz-Dürrenmettstetten - Mittlerweile sei er "nicht mehr so umtriebig", aber außer ein paar altersbedingten Problemen fit. Mit wachen Augen und stets einem Schmunzeln auf den Lippen erzählt Jäkle von der Zeit zwischen 1980 und 2004, in der der kleinste Sulzer Teilort von ihm während seiner Amtszeit geprägt wurde.

Am 20. November 1932 wurde Karl Jäkle als eines von sieben Kindern geboren, wuchs in Dürrenmettstetten auf und erlernte den Beruf des Sattlers, bevor er als Raumausstatter ein eigenes Ladengeschäft im Ort eröffnete. Viele Polstermöbel, Gardinen und Lederwaren in Dürrenmettstetten stammen von Jäkle. 1961 heiratete er seine Frau Luise Marie, die 1986 jedoch verstarb.

Der Sulzer Bürgermeister zu seiner Amtszeit, Peter Vosseler, trug maßgeblich dazu bei, dass Jäkle sein Amt als Ortsvorsteher behielt. Vosseler habe ihn stets unterstützt und ihm freie Hand gelassen.

Kauf der alten Flakhalle

Zu den prägendsten Dingen in seiner Amtszeit gehörte zunächst der Kauf der alten Flakhalle 1981. Jäkle war Vorsitzender des Fördervereins der Gemeindehalle, die aus der Flakhalle entstand und 1992 mit einem großen Fest eingeweiht wurde.

Dürrenmettstetten hatte nun einen Ort für Zusammenkünfte und Vereinsleben. Er erinnert sich besonders daran, dass die Bürger damals geschlossen hinter dem Projekt standen.

In den Jahren 1984 und 1987 gab es ebenfalls Fleckenfeste, bei ersterem wurde der Löschwasserbehälter und Brunnen eingeweiht. Aus dem Brunnen floss kein Wasser, sondern Freibier, berichtet Jäkle lachend: "Das war damals eine Sensation!"

Ein weiteres Fest initiierte Jäkle zur Feier des Rathausumbaus 1990. Die Ortsdurchfahrt mitsamt Ausbau und Erschließung einiger Straßen zählt zudem in den Großprojekten in Karl Jäkles Amtszeit, außerdem die Erschließung des Schuppengebiets.

Idee der Steinbruchumfahrung

Und nicht nur innerhalb des Ortes bewegte er einiges: Ab 1994 war er Vorsitzender der Flurbereinigungsgemeinschaft, von ihm stammt die Idee der Steinbruchumfahrung. Bei der Flurbereinigung blieb er bis zu deren Abschluss 2012 engagiert. Hier und auch bei dem Projekt des ersten Windrads in Dürrenmettstetten gab es einige Gegner, doch Jäkle sprach sich stets dafür aus, Neues auszuprobieren und letztendlich erwiesen sich seine Ideen als zukunftsweisend.

Als er 2004 seine Tätigkeit als Ortsvorsteher beendete und Robert Trautwein, mit dem Jäkle viele Jahre die Sulzer Gemeinderatssitzungen besuchte, ihm nachfolgte, wurde es ruhig um ihn. Das heißt aber nicht, dass der Senior das Ortsgeschehen nicht mitverfolgt, beispielsweise den Bau des neuen Dorfplatzes. Mit seinen bald 90 Jahren ist es nicht selbstverständlich, dass er Einkauf, Garten und Haushalt zum großen Teil alleine erledigt.

Immer noch stolzer Bienenbesitzer

Mehr als 60 Jahre lang war er Mitglied im Imkerverein Sulz und hat auch heute noch Bienen. Seit mehr als 70 Jahren ist Karl Jäkle Ehrenmitglied im Männergesangverein, außerdem im Sportverein. Alte Bilder und Geschichten faszinieren ihn, und am PC ist er ganz modern unterwegs in der Erstellung von Präsentationen. Jäkles Smartphone erinnert ihn an wichtige Termine, und mit fast 90 ist "online" für ihn kein Fremdwort.

Besonders interessant: Karl Jäkle ist mittlerweile der älteste männliche Bürger Dürrenmettstettens. Den runden Geburtstag verbringt er am kommenden Sonntag bei einem gemeinsamen Essen mit der Familie, worauf er sich schon sichtlich freut.