Mijo Tunjic hat in der Vorrunde nur ein Tor erzielt – jetzt ist der Kapitän topfit und will die Kickers zum Aufstieg schießen. Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch

Mijo Tunjic möchte die Stuttgarter Kickers als Kapitän zum Aufstieg führen. Vor dem Oberliga-Wiederbeginn spricht er über die Chancen, das Ziel zu erreichen, seine Fitness, den Trainer und seinen auslaufenden Vertrag.

Stuttgart - Mijo Tunjic wird am 24. Februar 34 Jahre alt. Nach einer guten Winter-Vorbereitung fühlt sich der Torjäger des Fußball-Oberligisten Stuttgarter Kickers so fit wie lange nicht mehr. Vor dem Punktspiel-Wiederbeginn am kommenden Samstag (14 Uhr) beim FC Astoria Walldorf II sagt er, was die Vorteile der Blauen im Zweikampf mit dem SGV Freiberg sein können.

 

Herr Tunjic, sind Sie fit für die Mission Aufstieg?

Das hoffe ich doch sehr – und das gilt für mich persönlich und die ganze Mannschaft. Ich bin sehr optimistisch.

Warum?

Die Vorbereitung lief insgesamt sehr gut, bei der Generalprobe gegen den FC Ingolstadt II konnte nicht nur ich, sondern die gesamte Mannschaft noch einmal Selbstvertrauen tanken (Anm. d. Red.: 3:0-Sieg mit zwei Tunjic-Toren). Zudem stehen bis auf unseren langzeitverletzten Torwart Thomas Bromma und Markus Obernosterer, der noch gut zwei Wochen braucht, alle Mann zur Verfügung. Die Abläufe sitzen, wir sind körperlich richtig gut drauf, können laufen, marschieren – und das 90 Minuten lang.

Auch Sie selbst?

Erstmals seit zwei, drei Jahren konnte ich wieder einmal eine Vorbereitung komplett durchziehen. Deshalb fühle ich mich so fit wie schon lange nicht mehr.

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Sie haben eine schwierige Vorrunde hinter sich.

Das kann man wohl sagen. Die Vorbereitung im Sommer habe ich verpasst, da mir freie Gelenkkörper im Sprunggelenk entfernt worden sind. Dann warf mich ein Muskelfaserriss aus dem WFV-Pokal-Spiel beim TSV Berg im Oktober erneut zurück, wieder lag ich vier Wochen auf Eis.

Sie kamen bei elf Einsätzen gerade mal auf ein Tor.

Da bin ich andere Quoten gewohnt.

In den drei Spielzeiten davor erzielten sie 16, 19 und 18 Saisontreffer.

Und genau das stimmt mich ja auch so zuversichtlich. Ich habe in der Hinrunde ein Törchen erzielt, und wir stehen trotz meiner Torflaute auf Platz zwei, gerade mal zwei Punkte hinter Spitzenreiter SGV Freiberg. Wenn ich jetzt zu alter Form auflaufe und auch noch anfange zu treffen, dann steigt die Wahrscheinlichkeit, dass wir eine sehr, sehr gute Rückrunde spielen.

Am 9. März steigt das Top-Duell

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Und am Ende Meister werden?

Das ist unser klares Ziel. Wie erwähnt, wir liegen nur zwei Punkte hinter dem Tabellenführer zurück, und Freiberg kommt am 9. März zu uns ins Gazi-Stadion. Wir haben alles selbst in der Hand.

Der SGV hat sich in der Winterpause verstärkt, die Kickers nicht.

Das stimmt, mit SGV-Neuzugang Marco Kehl-Gomez habe ich mich erst vor kurzem sogar getroffen. Wir haben gemeinsam beim Regionalligisten SV Elversberg gespielt. Er ist ein top Mittelfeldmann, der sogar jede Drittligamannschaft weiterbringen würde.

Unruhe beim SGV Freiberg?

Also hat Freiberg doch die besseren Karten, was den Direktaufstieg betrifft.

Sie sind Erster und haben personell nachgelegt, ja. Aber so etwas kann auch Unruhe bringen, schließlich muss auch ein etablierter Spieler aus dem Erfolgsteam weichen.

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Hätten die Kickers nicht auch eine sofortige Verstärkung gut gebrauchen können, etwa auf den etwas dünn besetzten Außenbahnen? Mit Flamur Berisha und Jonas Meiser gab es ja auch Gespräche.

Es gab wenig Grund, etwas zu ändern. Wir waren vor der Winterpause gut in Schuss, haben die letzten sieben Spiele 2021 für uns entschieden. Zudem sind alle Positionen gut besetzt, fast alle auch doppelt.

Sie hatten schon unzählige Trainer in Ihrer Laufbahn. Was zeichnet Mustafa Ünal aus?

In jeder Trainingseinheit ist extrem viel Feuer drin. Jeder muss an seine Grenzen gehen. Jeder muss Vollgas geben. Wer sich nicht daran hält, bekommt ein Problem. Ich habe selten einen konsequenteren Trainer erlebt als ihn. Diese Topfitness, die wir uns in jedem Training erarbeiten, gepaart mit einer guten Taktik wird auch ein großer Trumpf von uns sein. Wir werden ab der 70. Minute zulegen können, nicht jeder Gegner wird dann noch unserem Druck stand halten können.

Wie geht es mit Ihnen persönliche weiter? Ihr Vertrag läuft am Saisonende aus.

Und das ist ein weiterer Grund, ein paar Törchen zu schießen (lacht).

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Gab es schon Gespräche?

Ja, im Trainingslager habe ich mich mit dem Trainer und auch dem Sportdirektor Marc Stein lose unterhalten.

Und?

Bei mir läuft im Sommer ja nicht nur mein Vertrag bei den Kickers aus, sondern bis dahin habe ich auch meine Ausbildung zum Steuerfachangestellten abgeschlossen. Ich muss mal schauen, wohin die Reise geht. Aber klar ist: Ich komme nach wie vor mit einem Lachen im Gesicht zum Training, habe weiterhin definitiv Lust auf Fußball.

„In der Oberliga will ich nicht aufhören“

Also hängen Sie noch mindestens ein, zwei Jahre dran?

Also in der Oberliga will ich definitiv nicht aufhören. Am Liebsten würde ich mit den Kickers in der Regionalliga weitermachen. Aber ich habe jetzt gerade mal ein Tor in dieser Runde erzielt. Da hab ich doch volles Verständnis dafür, dass mir die Verantwortlichen jetzt keinen neuen Dreijahresvertrag anbieten.

Wann wollen Sie Klarheit?

Jetzt lassen wir mal den Februar und den März vorübergehen. Anfang April wissen wir mehr. So sind wir auch verblieben.