Auch in Beffendorf fehlen laut Ortschaftsrat Betreuungsplätze. Foto: Wagner

Oberndorf ist, was Betreuungsplätze für Kinder angeht, fast überall ausgelastet. Die Aufgaben sind also klar. Bis die Kapazitätsprobleme gelöst sind, wird es jedoch noch eine ganze Weile dauern.

Oberndorf - Kernstadt, Lindenhof, Bochingen, Beffendorf – überall wird es eng. Die Bedarfsplanung für das kommende Kindergartenjahr wurde nun im Oberndorfer Verwaltungsausschuss vorgestellt. Informationen gab es auch zu der Frage, wie es um die geplante "WABE"-Kindertagesstätte auf dem Lindenhof steht.

Insgesamt besteht für 912 Kinder vom ersten Lebensjahr bis zum Schuleintritt ein Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz – jedoch entscheiden sich nicht alle Eltern für einen Betreuungsplatz in Oberndorf. Aktuell sind laut Christoph Rümenapp, bei der Stadtverwaltung verantwortlich für die Bereiche Bildung und Sport, in den Kitas 672 Plätze vorhanden und mit 620 Kindern belegt. Durch die U3-Betreuung seien jedoch faktisch 645 Plätze belegt.

174 weitere Plätze nötig

Berücksichtige man die bestehenden Wartelisten, so seien für das kommende Kindergartenjahr weitere 208 Plätze für 174 Kinder nötig. 96 dieser Kinder sind älter als drei Jahre, 78 jünger. Ein Großteil der Kinder könne in der geplanten neuen Kindertagesstätte WABE auf dem Lindenhof aufgenommen werden.

Bislang war deren Inbetriebnahme für das Kindergartenjahr 2023/2024 vorgesehen. Bürgermeister Hermann Acker hatte Vertreter des späteren Schulträgers WABE per Videokonferenz zur Ausschusssitzung zugeschaltet, um sich nach dem aktuellen Stand der Dinge zu erkundigen.

WABE-Start soll sicher sein

Projektberater Joachim Naumann berichtete, dass die Baugenehmigung vorliege und man weiterhin mit einer Bauzeit von zwölf Monaten rechne. Im Juli oder August 2023 sollen die Bauarbeiten beendet sein, so dass ein Start zum Kindergartenjahr 2023/24 möglich ist.

Demnach dürfte bald der Spatenstich erfolgen, folgerte Bürgermeister Hermann Acker und verlieh der Forderung nach einer zügigen Umsetzung Nachdruck mit den Worten: "Wir brauchen die WABE, denn der Übergangskindergarten auf dem Lindenhof wird uns auch nur maximal bis Ende 2023 zur Verfügung stehen. Die Kirche benötigt die Räume".

Die neue Kita auf dem Lindenhof könnte dann Ackers Ansicht nach auch die Lage in den anderen Stadtteilen entspannen, beispielsweise in Hochmössingen und Beffendorf. Bezüglich des Letztgenannten meldete sich Ortsvorsteher Roland Lauble in der Sitzung zu Wort.

Container für Beffendorf?

In Beffendorf seien die Plätze zu 100 Prozent belegt. Zudem stünden einige Kinder auf der Warteliste. Hier müsse eine Lösung her. Als Übergangslösung hatte der Ortschaftsrat die Einrichtung einer zusätzlichen Gruppe in einem Container vorgeschlagen – in der Hoffnung, dass dieser schnell zu beschaffen und früher einsetzbar sei als die neue Kita auf dem Lindenhof.

Bürgermeister Acker antwortete, man nehme diesen Antrag des Ortschaftsrates in die Haushaltsberatungen für 2023 mit. Ein Container sei allerdings auch nicht von heute auf morgen beschaffbar. Man wisse nicht, ob man schnell einen herkriege, außerdem benötige man einen Bauantrag und müsse den Container auch noch erschließen. "Bevor das überhaupt umgesetzt ist, ist die WABE meiner Einschätzung nach schon in Betrieb", meinte Acker.

Angebot steuert Nachfrage

Thorsten Ade (CDU) sah eine "Verteilung der Kinder" auf die Kindergärten der Gesamtstadt kritisch. Bürgermeister Acker erwiderte, man verteile die Kinder nicht. Die Eltern behielten die Entscheidung. Angesichts des guten neuen Angebots auf dem Lindenhof würden manche künftig aber sicherlich nicht mehr auf Ortsnähe setzen.

"Das Angebot wird die Nachfrage steuern", meinte Acker. Vielleicht entschieden sich ja noch mehr Eltern für die WABE, so dass die Betreuungsangebote in den anderen Stadtteilen dann gar nicht mehr ausgelastet seien. Man werde sehen.

Weitere "Baustellen" im Kindergartenbereich betreffen unter anderem Bochingen. Diesbezüglich werde man sich demnächst beraten, kündigte Acker an. Auf Basis der Bedarfszahlen werden dort laut Rümenapp drei Kindergarten- und zwei Krippengruppen nötig sein. Auch die zunehmende Nachfrage nach Ganztagesplätzen müsse man berücksichtigen.

Wenig Platz in der Kernstadt

Ein Sorgenkind ist derweil die Kernstadt, wo ebenfalls laut Christoph Rümenapp eine bis zwei zusätzliche Kindergartengruppen erforderlich sein werden. Da das Freigelände der Kindergärten St. Raphael und "Am Rosenberg" laut Bürgermeister nicht allzu groß ist und für die Gebäude ein teils erheblicher Sanierungsbedarf besteht, gibt es keine Erweiterungsmöglichkeiten an den bisherigen Standorten.

Mehr als 100 Kinder in vier Kindergarten- und einer Krippengruppe müssten im Fall einer Sanierung ausgelagert werden. Deshalb müsse man überlegen, ob eine Sanierung sinnvoll sei, oder ob man nicht lieber zwei oder eine neue Einrichtung mit einem Ganztagesangebot in der Talstadt errichte. Mit diesem Thema werde sich zunächst die Strukturkommission befassen, so Acker.

Personalgewinnung schwierig

Schwierig sei auch die Personalgewinnung für die Betreuungseinrichtungen, machte Christoph Rümenapp klar. In Bochingen fehle derzeit eine Stelle und in der Übergangs-Kita 1,8. Die zweite Gruppe werde dort derzeit nur als Kleingruppe mit elf Plätzen betreiben. Sobald das nötige Personal gefunden sei, werde sie als VÖ-Gruppe vollständig betrieben und biete dann elf weitere Plätze, so Rümenapp, der sich bezüglich der zügigen Besetzung zuversichtlich zeigte.

Zentrales Vergabeverfahren

Thorsten Ade (CDU) erkundigte sich nach dem Fortschritt im zentralen Kindergartenplatz-Vergabeverfahren. Derzeit habe man drei Software-Programme in der näheren Auswahl, erklärte Rümenapp. Gegen Ende der Sommerferien soll die Entscheidung für eines davon fallen, so dass die Kindergartenanmeldung sowohl für die Einrichtungen als auch für die Eltern deutlich weniger aufwendig wird.