Gut besucht war das Kantoreikonzert in Nagold. Foto: Thomas Fritsch

Den Ewigkeitssonntag würdigten die Kantorei Nagold, das Kantatenorchester Nagold sowie die Solisten Georg Benz (Bariton) und Tabea Krause (Sopran) mit einem bewegenden Chorkonzert.

Der Menschenzulauf war riesengroß und die Stadtkirche Nagold hüllte sich für knappe zwei Stunden in eine kaum erfassbare, spirituelle Atmosphäre ein.

 

Seit Monaten überlegte sich der Bezirkskantor Peter Ammer das Konzept dieses Abends. Sein Programm-Motto „Am Ende: hell!“ verband das ausschlaggebende „Requiem“ von Gabriel Fauré mit der „Kreuzstab-Kantate“ von Johann Sebastian Bach und mit „Verklärte Nacht“ von Arnold Schönberg zu einer musikalischen Einheit, die die Gottesliebe und Kraft der Vergebung ausdrückte und die dunkle Todesfurcht in helle Gewissheit des ewigen Lebens zu verwandeln vermochte. Dabei gedachte Ammer auch des 150. Geburtstages von Schönberg und des 100. Todestages von Fauré.

Am Dirigentenpult punktierte der Kirchenmusikdirektor durch präzise, besonnene und zugleich energetische Führungsart, die sich im homogenen Orchester-Klangbild der Bachschen Kantate widerspiegelte.

Kantate „Endlich, endlich“ ein Höhepunkt

Die Musiker gingen ihm vertrauensvoll zur Hand und wechselten so professionell die Dynamik und Stimmungen, dass hinter dem klingenden Trauerschleier die hoffnungsvolle Sehnsucht nach dem Tod und dem ewigem Licht mitschwangen. Auf diesem instrumentalen Hintergrund entfaltete der Solist Benz seine biegsame wie facettenreiche Stimme frei und souverän, wobei die Arie „Endlich, endlich“ im Dialog mit dem Oboe-Solo von Susanne Grützmacher zu den Höhepunkten des Abends zählte.

Sehr tief bewegte die Zuhörer die Musik Schönbergs zur Poesie von Richard Dehmel. Sena Muala Umul, Rainer Hill (Violinen), David Inbal, Gabriele Haubner (Violen), David Raiser, Martin Fuchs (Violoncelli) und Günter Fischer (Kontrabass) legten ihr persönliches Einfühlungsvermögen und künstlerisches Engagement in die sehr anspruchsvolle Interpretation des lyrisch-expressiven Werkes. Mit seinem subtilen, beinahe sphärischen Klangbild brachte das Kammerensemble eine echte Hochleistung zutage.

Bilder unterstreichen das Geschehen

Die auf der Leinwand projizierten Bilder sowie der in Programmheften abgedruckte Text trugen dazu bei, das Geschehen um menschliche Liebe, Fall und Vergebung vor den Augen zu halten und den ethischen Aspekt nachvollziehen zu können. Der spontane Beifall nach einem langem Schweigen gab Zeugnis über die Wirkungskraft der Darstellung.

In dem letzten Programmpunkt, dem „Requiem“ präsentierte sich die Kantorei Nagold als ein stimmlich und emotional geschlossener Klangkörper. Den quantitativen Stimmen-Unterschied glich Ammer durch mittige Aufstellung der Männerstimmen und dezente Absenkung der Lautstärke in den Frauenreihen aus. Dadurch behielt der Chor sein ohnehin kräftiges Stimmvolumen und gewann an Ausdruckskraft und Transparenz.

Gleichgewicht zwischen Gesang und Instrumentaler Begleitung

Auch an dem Gleichgewicht zwischen Gesang und instrumentaler Begleitung war nichts auszusetzen. Die offene, klare und tragende Stimme der Sopranistin Krause glich in „Pie Jesu“ auf dem Hintergrund der Harfenklänge (Agnes Märker) den Lichtstrahlen am Ende des irdischen Weges.

Nachdem Pfarrer Matthias Trumpp einige Glaubensworte an die Anwesenden richtete, das gemeinsame „Vater unser“ intonierte und sein Segen erteilte, endete das Konzert mit den von Licht durchfluteten Chorstimmen des letzten Satz des Requiems „In Paradisum“ – dem musikalischen Ursprung der Ammerschen Konzertidee.