Jürgen Großmann stellte sich als einziger Kandidat vor. Foto: Thomas Fritsch

Bei der offiziellen Kandidaten-Vorstellung zur Oberbürgermeisterwahl skizzierte Amtsinhaber und einziger Kandidat Jürgen Großmann seine Ziele für die kommenden acht Jahre.

Nachdem Jürgen Großmann, der seit 2008 Nagolder Stadtoberhaupt ist, als einziger Kandidat auf dem Stimmzettel der OB-Wahl am kommenden Sonntag steht, hielt sich das Interesse aus der Bürgerschaft erwartungsgemäß in Grenzen. Rund 60 Besucher hatten den Weg in die Stadthalle gefunden.

 

Mit Blick auf die mangels Spannung zu erwartende niedrige Wahlbeteiligung betonte Hagen Breitling als Vorsitzender des Gemeindewahlausschuss: „Die Wahl ist auch ein Statement für Demokratie.“ Zum Prozedere machte Breitling deutlich, dass der OB 30 Minuten Redezeit hat – und anschließend eine Stunde lang Gelegenheit für Fragen an den Kandidaten besteht.

In seinen Ausführungen ging Jürgen Großmann auf seine Vorstellungen zu den wichtigsten Zukunftsfeldern ein, damit „Nagold eine attraktive Stadt bleibt“. Dabei nannte er die bereits begonnene Teilsanierung und den Neubau der Zellerschule, doch anschließend müsse auch das OHG als „Flaggschiff unter den Nagolder Schulen“ fit für die Zukunft gemacht werden.

Auch Blick auf Grundschulen

Nicht aus den Augen dürfe man ebenfalls die Grundschulen in den Stadtteilen verlieren. Dies und der Ausbau der Kindertagesstätten seien nötig, weil Nagold sowie die Stadtteile weiter wachsen und „wir auf die 24 000 Einwohner zumarschieren“.

Wie der OB ebenfalls deutlich machte, ziehe die schöne Nagolder Innenstadt zwar viele Menschen aus der Region an, doch müsse man weiterhin mutig bleiben und dürfe sich nicht auf dem Erreichten ausruhen. So gebe es viele Themen, die dazu geeignet seien, dass Interesse an Nagold zu wecken.

Als Beispiele nannte er den geplanten „Grünen Himmel“ über dem Longwyplatz oder die Potenziale des Alten Turms in der Innenstadt.

Froh ist der OB außerdem, dass das Klebbähnle wieder seine Runden dreht – und er kann sich eine Verlängerung der Trasse in Verbindung mit einem Streichelzoo auf der Schiffswiese vorstellen.

Turm begehbar machen

Auch die Hohennagold kann in seinen Augen noch stärker als Veranstaltungsort bespielt werden – und beispielsweise der Turm mit der Fahne begehbar gemacht werden.

„Unser Konzept ist aufgegangen“, erinnerte Jürgen Großmann an die seinerzeit umstrittene Entscheidung, sich als Stadt aus der Pflege zu verabschieden. Heute, fünf Jahre später, gebe es in Nagold ein breitgefächertes Angebot für Senioren, „wie wir es vorher nicht hatten“. Dankbar ist er daneben dem Landkreis, dass dieser das Krankenhaus für 80 Millionen Euro modernisiert. So werde es in einem Jahr wieder eine Gynäkologie in Nagold geben, doch auch die Neurologie müsse hierherkommen – „damit das Schwerpunktkrankenhaus in Nagold auch weiterhin Bestand hat“.

Um eine guter Wirtschaftsstandort zu bleiben, müssten aber ebenfalls die Gewerbegebiete Wolfsberg und Eisberg schnell erweitert werden, damit interessierten Unternehmen erschlossene Grundstücke angeboten werden können. Als eine seiner Hauptaufgaben der nächsten Jahre bezeichnete es Jürgen Großmann, „den Nagolder Geist in die nächste Generation zu bringen“.

Wohnraum für Mitarbeiter

In der anschließenden Fragerunde erklärte Thomas Eisseler, dass die in Nagold investierenden Unternehmen viele neue Mitarbeiter brauchen. Für ihn stellte sich daher die Frage nach bezahlbarem Wohnraum und welche Möglichkeiten die Stadt habe. Wie der OB erwiderte, müssten die geplanten Baugebiete in Hochdorf und Vollmarigen gelingen, doch auch der vor drei Jahren gegründete städtische Eigenbetrieb „Wohnen in Nagold“ (WiN) sei bestrebt, zunächst im Altbestand bezahlbaren Wohnraum anzubieten. Denkbar sei dies künftig beispielsweise im Atrium des früheren Seniorenzentrums auf dem Lemberg – und mit Landesmitteln gefördert werde in der Calwer Straße neben dem Weißen Schulhaus der erste Neubau des Eigenbetriebs errichtet. „

Wir machen ein Projekt nach dem anderem“, wies Jürgen Großmann aber ebenfalls darauf hin, dass früher auch von Unternehmen Mitarbeiterwohnungen gebaut wurden – und vielleicht könne es auf diesem Feld etwas Gemeinsames geben. In diesem Zusammenhang machte der OB darauf aufmerksam, dass die aktuelle politische Schieflage auch damit zusammenhänge, „dass viele Menschen den Eindruck haben, wir kümmern uns um alle, nur nicht um die eigene Bevölkerung“.

Calwer Deckenfabrik

Auf die Frage nach dem Areal der Calwer Deckenfabrik wies Großmann darauf hin, dass die Akteure sich bemühen, dort Wohnraum zu entwickeln – doch der werde am Ende des Tages sicher nicht für alle bezahlbar sein.

Angesprochen wurde ebenfalls das Thema Freiflächen-Photovoltaik, die der OB nicht befürwortet, solange es noch freie Dachflächen gebe. Vor allem dürfe man damit keine zusätzlichen landwirtschaftlichen Flächen belegen.

Von Peter Holzhauer auf die Schienenverbindung nach Stuttgart angesprochen, um die es ruhig geworden sei, wies Großmann darauf hin, dass man zunächst das Thema Bus weiter beachten und optimieren müsse. Eine Schienenverbindung von Nagold nach Herrenberg sei gelinde gesagt schwierig – und er bekräftigte: „Die einzige Chance ist es, auf dem Bestand zu fahren.“ Deshalb müsse man als Zukunftsaufgabe am Metropol-Express festhalten, der von Nagold über Eutingen nach Herrenberg und schließlich Stuttgart fahren soll.

Öffentliche Toiletten

Stadtführer Jürgen Reichert sprach schließlich noch das Toilettenproblem für Besucher in der Stadt an. Wie Jürgen Großmann dazu ausführte, werde eine öffentliche Toilette am ZOB erst dann kommen, wenn das Areal videoüberwacht sei. Nachdenken könne man aber über eine Toilettenanlage hinter dem Kämmereigebäude beim Longwyplatz.