Kurz vor Beginn gab es noch viele leere Plätze in der Enztalhalle in Calmbach. Die meisten verfolgten die Kandidatenvorstellung zu Hause am Livestream. Foto: Mutschler

An zwei Orten gleichzeitig fand die Kandidatenvorstellung zur Bürgermeisterwahl statt. Aber live vor Ort waren nur wenige Besucher anwesend. Viele nutzten den Livestream.

Bad Wildbad-Calmbach - Am Freitagabend bot sich bei der offiziellen Kandidatenvorstellung in Calmbach ein ungewohntes Bild: Die eigentlich für 150 Besucher bestuhlte Enztalhalle war nur zu maximal einem Drittel gefüllt. Ein ähnliches Bild zeigte sich im Wildbader Kurhaus: Hier waren nur 14 der möglichen 50 Plätze besetzt. Interessiert also niemand, wer Nachfolger von Klaus Mack wird? Mitnichten! In der Spitze rund 650 Nutzer sahen sich die Live-Übertragung aus dem Kursaal an, und die Zahl dürfte sogar noch höher sein, denn viele werden nicht allein vor dem Geräten zu Hause gesessen sein. "Ja, wir sind online", stellte Bürgermeister-Stellvertreter Jochen Borg fest und gab damit "grünes Licht" für den Beginn der Vorstellung im Kursaal.

Kaum Fragen an Bewerber

In Calmbach erklärte der zweite Bürgermeister-Stellvertreter Dieter Gischer die Regularien: Zehn Minuten hatte jeder Kandidat Zeit, sich vorzustellen. Danach gab es weitere zehn Minuten Gelegenheit für die Bürger, Fragen zu stellen. Eine Möglichkeit, die nur vereinzelt genutzt wurde, bei Thomas Anhalt, Frank Drollinger, Viola Knaus und Egon Nagel wurden gar keine Fragen gestellt, sodass Gischer die Veranstaltung bereits um 20.30 Uhr beendete, eineinviertel Stunden vor dem Plan.

Wir zeigen im Check, wie sich die Kandidaten aus Sicht unserer Redaktion geschlagen haben.

Fabian Weiler

War es, um die Nervosität zu Beginn in den Griff zu bekommen? Fabian Weiler startete mit einigen bekannten Redewendungen, die als Phrasen aber zu hart abgewertet wären, aber auch nicht allzu viel aussagten. Bei seiner eigentlichen Präsentation zeigte er sich aber verbessert, auch wenn er von allen Kandidaten am schwersten zu verstehen war. Er stellte als persönliche Stärke seine Erfahrung in Verwaltung und Bundeswehr in den Vordergrund, will "ganzheitlich denken, ohne Denkverbote und über Parteigrenzen hinweg". Und er endete wieder mit einer Redensart: "Schauen wir auf das, was wir können und nicht auf das, was wir nicht können."

Thomas Anhalt

"Wer etwas gern macht, der macht es gut." Das nannte Thomas Anhalt als Motivation, Bürgermeister werden zu wollen. Er bezeichnete sich als empathisch und authentisch, sieht sich als "verbindlicher und zuverlässiger Mensch". Er will nach seiner Wahl eine Prioritätenliste erstellen und zeitnah abarbeiten. Zudem sind ihm vier Punkte wichtig: nachhaltig Sanierung statt Flickschusterei, Beseitigung von Schmuddelecken, ÖPNV-Anbindung mit Niederflurfahrzeugen und die zeitnahe Beseitigung von Mängeln, die von Bürgern gemeldet werden. Er war der schnellste aller Kandidaten und deutlich vor den möglichen zehn Minuten fertig.

Dietmar Fischer

Selbstbewusst – mit diesem einen Wort ist der Auftritt von Dietmar Fischer eigentlich abschließend beschrieben. Der ehemalige Bürgermeister von Bad Liebenzell stellte seine Erfahrung aus Verwaltung und der freien Wirtschaft als Stärken heraus. Gefragt nach seiner Abwahl, sagte er, dass vielleicht manche Maßnahme zu viel gewesen sei. Dennoch habe man viele Projekte angestoßen, viele Fördermittel bekommen. Als Konsequenz will er die Bürger besser informieren und Transparenz groß schreiben. So sollen alle Projekte auf der Homepage mit aktuellem Stand aufgeführt sein. Zudem will er "ein Schultes zum Anfassen" sein.

Frank Drollinger

Den spektakulärsten Auftritt erwarteten im Vorfeld sicherlich viele von Frank Drollinger, der im Wahlkampf sehr selbstbewusst aufgetreten war. Bei der Vorstellung zeigte er sich aber auffallend zurückhaltend. Er sprach den hohen Schuldenstand und den Sanierungsstau in Bad Wildbad an und sieht die Hotelauslastung von unter 20 Prozent als "unternehmerisch toxisch". Er will den Tourismus in der Stadt "mit der besten Luft in Deutschland" fördern und die Besucher für den Umstieg auf die Schiene belohnen. Dazu will er sich nicht in seinem Büro verstecken, ein "Bürgermeister-Café" anbieten und ein Marketing-Feuerwerk zünden.

Marco Gauger

Den Beginn in Calmbach machte Marco Gauger. Und er legte einen souveränen Auftritt hin. Am stärksten wirkte er, wenn er frei sprach und leicht sein schwäbischer Dialekt durchkam. Bemerkenswert: Mehrmals nannte er alle Bad Wildbader Stadtteile, wohl um zu zeigen, dass er Bürgermeister für alle sein will. Seinen Wechsel von der Landes- in die Kommunalpolitik habe er als prägend empfunden, denn "hier wird die Zukunft gestaltet, hier spielt sich das Leben ab." Er warf seine Erfahrung aus Freudenstadt in die Waagschale, wo er im Zentrum der Verwaltung Mitverantwortung übernommen habe, etwa im Corona-Krisenstab.

Fabian Schmitt

Den vielleicht überraschendsten Auftritt legte in Calmbach Fabian Schmitt hin, was manch einer von dem Betriebsleiter des Waldfreibads vielleicht nicht erwartet hatte. Klar strukturiert stellte er seine Vorstellung von der Weiterentwicklung Bad Wildbads vor. Alle künftigen Projekte will er auf seine Nachhaltigkeit prüfen, denn "es geht um nichts anderes als um die Zukunft der nächsten Generationen". Vor der Fragerund gestand er, "zwar etwas nervös" zu sein. Dennoch redete er nicht um den heißen Brei herum und bat um Verständnis, dass er sich im Falle seiner Wahl in viele Dinge zuerst noch einarbeiten müsse.

Viola Knaus

"Ich will die Stadt gestalten und nicht nur verwalten", sagte Kandidatin Viola Knaus bei ihrer Vorstellung, der von einem nervösen Beginn geprägt war. Mit zunehmender Dauer ihres Vortrags gewann sie aber mehr Sicherheit in Gestik und Sprache. 30 Jahre in der Verwaltung sieht sie als gute Voraussetzung, Aufgaben konzentriert und zielgerichtet anzugehen. Sie sprach die Infrastruktur an, bei der einiges im Argen liege oder auch die Kinderbetreuung. Für Verbesserungen will sie im Fall ihrer Wahl ein Konzept entwickeln. Sie will ein offenes Rathaus anbieten, realistisch bleiben und Prioritäten setzen. Dennoch werde es "ein hartes Stück Arbeit".

Egon Nagel

Bei der Bundestagswahl trat Egon Nagel für "die Basis" an. Da war er überzeugt, "dass wir als stärkste Kraft in den Bundestag einziehen". Es kam anders und so tritt er nun in Bad Wildbad an. Er möchte die Bürger ermutigen, direkte Demokratie zu praktizieren. Neben dem ja von den Bürgern gewählten Gemeinderat will er sogenannte Bürgerräte bilden, die mitentscheiden sollen. Auch Bürgerentscheide will er fördern. Der Vorteil davon sei, "dass alle, die wollen, am Entscheidungsprozess beteiligt sind". Deshalb will er auch die gesetzlichen Hürden dafür senken. Die Bürger, die alles bezahlen, würden bevormundet. das will er mit weiteren Bürgermeistern ändern.

Der Vorstellungs-Check

Spruch des Abends: "Ich möchte Leute, die auf die Schiene umsteigen, mit einem Bürgermeistergattinen-Käsekuchen belohnen." (Frank Drollinger)

Wer war nervös? Den nervösesten Eindruck machte Viola Knaus zu Beginn ihrer Präsentation.

Die Überraschung des Abends: Fabian Schmitt. Dass der Betriebsleiter des Waldfreibads so souverän auftreten würde hatten sicher nicht alle gedacht. Ebenfalls überraschend war, dass Frank Drollinger die "Abteilung Attacke" zu Hause gelassen hatte.

Einen Aufreger gab es nicht. Die Kandidaten verzichteten auf Angriffe; die Besucher verabschiedeten die Bewerber mit höflichem Applaus.

Bestgekleidet: Fabian Weiler.