Yannic Walheim hat viele Pläne für die Landespolitik. Foto: Beyer

Er setzt sich ein für staatlichen Wohnungsbau, Mietendeckel und eine Reform der Grunderwerbssteuer: Yannic Walheim tritt bei der Landtagswahl für Die Linke im Kreis Freudenstadt an.

Wer die politische Landschaft im Kreis Freudenstadt aufmerksam verfolgt, der dürfte ihn schon kennen: Yannic Walheim, der bei der anstehenden Landtagswahl für die Linkspartei kandidiert. Denn Walheim stand in der Region schonmal auf dem Wahlzettel – bei der Bundestagswahl im vergangenen Jahr.

 

Allerdings tragt er damals noch nicht für Die Linke an, sondern für die pro-europäische Kleinpartei Volt. Den Parteiwechsel erklärt Walheim im Gespräch mit unserer Redaktion so: Schon damals seien die Inhalte der Linkspartei für ihn interessant gewesen. Aber: „Der Bruch mit Sahra Wagenknecht war noch zu frisch, um zu wissen, in welche Richtung es geht.“

Denn offenbar war Wagenknecht für Walheim der entscheidende Faktor. „Für mich war Die Linke durch Sahra Wagenknecht eher etwas, was ich mit ein bisschen Skepsis betrachtet habe.“ Walheim kritisiert vor allem ihre „sehr nationalistische Rhetorik“. Außerdem sei Wagenknecht „sehr sehr Putin-offen“ gewesen.

Staat in der Verantwortung

Doch wofür steht Die Linke nun nach Wagenknecht? Wofür setzt sie sich im Landtags-Wahlkampf ein? Und was sind für Walheim die wichtigsten Anliegen?

„Als allererstes könnte man sagen, dass man eine Menge Geld in die Förderung und den Ausbau erneuerbarer Energien stecken müsste“, sagt Walheim. Dabei denkt er aber offenbar nicht nur an die öffentliche Förderung privater Projekte. Auf Nachfrage bestätigt er: Der Staat soll auch direkt investieren.

Und das nicht nur im Bereich Klimaschutz: „Energie, Krankenhäuser, öffentliche Verkehrsmittel, das sind alles Sachen, die dem Allgemeinwohl dienen. Da muss der Staat in die Verantwortung gehen.“

Freier Markt nicht die beste Lösung

So hält er dann auch im öffentlichen Nahverkehr den freien Markt nicht für die beste Lösung – gerade aus Sicht ländlicher Gemeinden. „Wenn der Markt das regeln soll, heißt das, dass die Bereiche priorisiert werden, wo es mehr Kunden gibt, wo es mehr Leute gibt, die den Service abnehmen.“ Die Folge: „In Stuttgart fährt alle fünf Minuten ein Bus. Im Kreis Freudenstadt kann ich froh sein, wenn jede Stunde einer fährt.“

Zwar glaubt auch Walheim nicht, dass sich ein Fünf-Minuten-Takt auf dem Land realisieren lässt. Er ist sich aber sicher: „Man kann dieser Priorisierung von Ballungsgebieten besser entgegenwirken, wenn das staatlich gemacht würde.“ Und er schiebt eine klare Forderung hinterher: „Bus und Bahn sollten kostenlos für alle sein.“

Bezahlbarer Wohnraum

Ein weiteres Thema für Walheim: der Mangel an bezahlbarem Wohnraum. „Wir sind diejenigen, die die Mieten deckeln und senken wollen“, sagt er mit Blick auf seine Partei. Doch der Staat soll die Mieten nicht nur deckeln, sondern selbst bezahlbaren Wohnraum bauen, vermieten und verwalten.

Doch woher soll das Geld für all diese Projekte kommen? Walheim meint: „Baden-Württemberg ist auf dem Papier ein verdammt reiches Land. Dieser Wohlstand ist aber ungleich verteilt.“

Zwei Stellschrauben

Walheim nennt dabei zwei Stellschrauben, um für mehr Steuereinnahmen zu sorgen: Vermögenssteuer und Erbschaftssteuer. Das Problem: Darüber zu entscheiden ist nicht Aufgabe der Landespolitik. Hier bräuchte es schon Mehrheiten auf der Bundesebene, um eine entsprechende Reform durchzubringen.

Wahleim hat aber noch eine Idee: Es ließe sich ja auch an der Grunderwerbssteuer drehen. Die könnte für Personen, die schon mehrere Immobilien besitzen, steigen. Wer hingegen noch keine Immobilie hat und ein Eigenheim kaufen will, soll – wenn es nach Walheim geht – sogar weniger bezahlen.

Kandidatenporträts

Zur Person
 Yannic Walheim wurde 1991 in Mössingen geboren. Er absolvierte ein duales Studium in sozialer Arbeit und ist seit seinem Abschluss als Schulsozialarbeiter tätig. Im Jahr 2017 zog er in den Kreis Freudenstadt und lebt mittlerweile in Bad Rippoldsau-Schapbach.

Serie
 In einer Serie stellt unsere Redaktion bis zur Landtagswahl am 8. März Kandidaten für den Wahlkreis Freudenstadt im Rahmen von Porträts vor.