Ein Wolf ist in einem Wildpark unterwegs. Der geplante Abschuss des Hornisgrinde-Wolfes polarisiert. Das sagen sechs Kandidaten im Wahlkreis Freudenstadt zum Beschluss. (Symbolbild) Foto: Philipp Schulze/dpa

Der geplante Abschuss des Hornisgrinde-Wolfes polarisiert. In unserem Wahl-Check wird deutlich, wo die Bewerber übereinstimmen – und wo sie widersprechen.

Nicht alle antretenden Parteien haben realistische Chancen auf den Einzug in den Landtag. Im Wahlkreis Freudenstadt konzentriert sich der Blick deshalb auf jene sechs Kandidatinnen und Kandidaten, deren Parteien der Sprung ins Parlament zugetraut wird. In unserem Wahl-Check in fünf Teilen beantworten sie zentrale Fragen – diesmal zum Beschluss, den Hornisgrinde-Wolf abzuschießen. Die Frage lautet: „Wie bewerten Sie den Beschluss, dass der Hornisgrinde-Wolf abgeschossen werden soll?“

 

Deutlich wird: Die Positionen reichen von grundsätzlicher Zustimmung unter klaren Bedingungen über eine abwägende Einzelfallentscheidung bis hin zur klaren Ablehnung. Einig sind sich mehrere Bewerber darin, dass Artenschutz und Sicherheit gegeneinander abgewogen werden müssen – strittig bleibt, ob im konkreten Fall alle Alternativen ausgeschöpft wurden.

Die Reihenfolge der Kandidaten richtet sich nach dem Ergebnis der Landtagswahl 2021 im Wahlkreis Freudenstadt.

Abwägung zwischen Artenschutz und Schutz der Menschen und Tiere

Katrin Schindele (CDU) sagt: „Artenschutz ist wichtig, aber auch der Schutz von Menschen und Weidetieren. Wenn ein Wolf wiederholt Probleme verursacht, muss konsequent gehandelt werden.“ Schindele betont noch: „Entscheidungen brauchen klare rechtliche Grundlagen und Augenmaß.“

Daniel Belling (Grüne) ordnet die Rückkehr des Wolfs grundsätzlich positiv ein: „Die Rückkehr des Wolfes ist ein Naturschutz-Erfolg.“ Zugleich verweist er auf notwendige Abwägungen in der Region: „In einer Region mit Weidetierhaltung und dem Wald als Erholungsraum muss man jedoch abwägen.“ Der Wolf habe „mehrfach die Nähe von Menschen gesucht und ließ sich nicht dauerhaft vergrämen oder einfangen“. Deshalb sei ein Abschuss für ihn „tragisch, aber in diesem Fall vertretbar“.

Sachlich, rechtssicher und klare Regeln

Veit Grünberg (FDP) fordert eine nüchterne Betrachtung: „Beim sogenannten Hornisgrinde-Wolf brauchen wir keine Symbolpolitik, sondern eine sachliche und rechtssichere Entscheidung.“ Für ihn sei klar: „Der Schutz von Mensch und Nutztieren hat Priorität – aber Maßnahmen wie ein Abschuss müssen fachlich sauber begründet und juristisch belastbar sein.“

Andreas Grammel (AfD) stellt den Schutz in den Vordergrund: „Menschen und Weidetiere müssen geschützt werden.“ Wenn ein Wolf „die Scheu verliert und Herden bedroht“, sei „tatenloses Zusehen falsch“. „Als letztes Mittel muss ein Abschuss möglich sein“, so Grammel. Sein Ziel sei „ein Wolfsmanagement mit klaren Regeln, das Sicherheit für Schäfer, Tierhalter und Naturfreunde garantiert“.

„Zu sehr politisch-ideologisch aufgeladen“. „reine Symbolpolitik“

Bettina Ahrens-Diez (SPD) erklärt: „Artenschutz ist ein hohes Gut, die Rückkehr des Wolfes grundsätzlich zu begrüßen.“ Ob ein Tier „sich zu nah an Orte heranwagt, deshalb gefährlich ist und entnommen werden muss“, müssten Experten entscheiden. „Das Urteil eines Sachverständigen sieht das offenbar so.“ Zugleich kritisiert sie: „Diese Diskussion ist zu sehr politisch-ideologisch aufgeladen.“

Yannic Walheim (Linke) sagt: „Wir als Linke setzen uns für den Erhalt der Biodiversität ein und dies schließt auch den Wolf mit ein.“ Gerade beim Hornisgrindewolf seien „noch nicht einmal alle Möglichkeiten der Vergrämung genutzt“ worden, zudem sei es „noch nicht zu Rissen“ gekommen. Für ihn ist „der Abschuss reine Symbolpolitik“.