Erstrahlt in neuem Glanz: der Triebwagen VT 109 am Kanderner Bahnhof. Für seinen Einsatz wurde der Kandertalbahnverein nun mit einem Preis geehrt. Foto: Ines Bode

Für diese Leistung gab es den Dieter-Junker-Preis für den Kandertalbahnverein: Binnen weniger Wochen wurde das Äußere des Triebwagens VT 109 in Kandern auf Vordermann gebracht.

Verliehen wurde die mit 4500 Euro dotierte Auszeichnung vor einigen Tagen in Leipzig im Rahmen einer Tagung des Verbands Deutscher Museums- und Touristikbahnen (VDMT). Die Summe floss aus dem Erbe des Wiesbadener Eisenbahnfreunds Dieter Junker. Er hinterließ Vermögensanteile der „Stiftung Deutsche Eisenbahn“, um den Erhalt wertvoller Bahngeschichte zu ermöglichen.

 

Übergeben wurden der symbolische Scheck und eine Plakette von Bürgermeisterin Simone Penner als Vorsitzende des Zweckverbands Kandertalbahn in Anwesenheit von Jürgen Lange, dem obersten Betriebsleiter, an Alexander Meyer und Fabian Martin, die Vorsitzenden des Kandertalbahnvereins, Kassierer Wolfgang Bareiss, Christian Wolf sowie Projektleiter Wolfgang Schleef.

Letzterer berichtete, dass der Triebwagen mittels fahrbaren Untersatzes auf der Straße in seine Heimat transportiert worden sei. Irgendwo im Fränkischen rostete er lange im Freien vor sich hin, bis die Kanderner „ihren“ VT 109 entdeckten und die Rettung beschlossene Sache war. Nahezu 30 000 Euro habe der Spaß gekostet. Am stärksten schlug der Transport zu Buche.

Rost leistet ganze Arbeit

Schleef betonte, es handele sich tatsächlich um jenen Triebwagen, der 22 Jahre lang treuen Dienst zwischen Kandern und Haltingen getan hat. Von ungezählten Fahrgästen wurde er tagein, tagaus genutzt. Kein Wunder, dass er bis heute erkannt werde: Nachdem das Äußere wieder strahlte, wurde eine Probefahrt anberaumt. „Den Wagen kenne ich“, rief eine Radfahrerin in Wittlingen den Männern zu.

Der Silvestertag 1983 gilt als Wendepunkt in der Geschichte der Kandertalbahn: Zum letzten Mal beförderte das „Chanderli“ seine Fahrgäste. Mit dem eigenen Auto fuhr man mittlerweile bequemer. In Betrieb genommen wurde der dieselbetriebene Triebwagen mit der Nummer VT 109 im Jahr 1961. Der Einsatz sei ein „sehr großer Modernisierungsschritt“ gewesen, der die Attraktivität des Bahnverkehrs deutlich erhöhte, hieß es seitens des Vereins.

Freude über den Preis (v.l.) für den Kandertalbahnverein: Wolfgang Schleef mit der Plakette, Bürgermeisterin Simone Penner, Alexander Meyer, Wolfgang Bareiß, Christian Wolf mit Nachwuchs, Jürgen Lange und Fabian Martin Foto: Ines Bode

Nach der Stilllegung gab es mehrere Besitzerwechsel, ohne dass der Wagen als Triebfahrzeug Verwendung fand. Wenn überhaupt, fuhr er als Beiwagen ohne Motor. Bei seinem Eintreffen habe er ein trauriges Bild geboten: Sämtliche Scheiben und Lampen waren verschwunden, ebenso der Führerstand und weiteres mehr. Der Rost hatte ganze Arbeit geleistet. Umso verblüffender das Resultat im Frühjahr 2025. Weil der „Veteran“ mit seinen beiden Abteilen und einem fürs Gepäck nicht in die Wagenhalle passte, blieb er auf den Schienen. Der Anblick habe den Bahnhof nicht schöner gemacht – ein Aspekt, der dem Team als Ansporn diente. Mit Eifer und Mühe sowie mit hohem Fachwissen und ebensolchem handwerklichen Geschick erhielt das gute Stück seine ursprüngliche Fassade zurück.

Das teils verrostete Dach wurde geschliffen, und sieben Tage später erhielten erste Dachteile neue Farbe. Auch die Demontage der Fenster für die Neuverglasung war schon im Gange. Ende Januar bekam das Dach den zweiten Anstrich und die obere Hälfte der Wände war grundiert.

Koffer vom Flohmarkt

Schlag auf Schlag ging es weiter. Es wurde viel gespachtelt, frischer roter Lack breitete sich aus. Fensterrahmen wurden erneuert, und die Ladetüren des Gepäckabteils ließen sich wieder öffnen. Die alten Koffer, die jetzt dort stehen, stammen vom Flohmarkt. Soviel Liebe zum Detail müsse sein.

Ende Februar sind Lampen und Zierstreifen angebracht und die Türsäulen neu verkleidet worden, an den Luftbehältern und Bremsen wurde gearbeitet. Drei Monate später hieß es: Einsteigen bitte. Die Inneneinrichtung ist weitgehend original vorhanden, jedoch teils stark marode. Laut Schleef ist mit der betriebsfähigen Wiederherstellung erst einmal nicht zu rechnen.

Die Anbringung der Plakette sei der vorerst letzte Akt. Vielmehr soll der VZ 109 im Jahr des 130. Bestehens der Kandertalbahn die museale Fahrzeugsammlung bereichern. Die Modelle repräsentieren eine Epoche. Helfende Hände und Fachwissen sind immer gern gesehen, etwa Polsterer.

Inkognito in Kandern

Nicht zuletzt hieß es, die Jury habe es sich nicht leicht gemacht: Durch Zeitungsberichte aufmerksam geworden, seien Jurymitglieder im Sommer in Kandern inkognito im Urlaub gewesen, um sich vor Ort ein Bild über das Engagement des Vereins zu machen.