Geht es nach der Mehrheit der Weiler Gemeinderäte, wird auf diesen Gleisen künftig keine S-Bahn von Haltingen ins Kandertal fahren. Foto: Beatrice Ehrlich

Die 3-Länder-Stadt wird sich nicht an der Finanzierung der Leistungsphasen I und II für die Reaktivierung der Kandertalbahn als S-Bahn beteiligen.

Die Entscheidung war eindeutig: Mit den Stimmen der Fraktionen der Unabhängigen Freien Wähler, der CDU, der FDP und der AfD ist der Antrag der Stadtverwaltung angenommen worden.

 

17 Stimmen dafür standen acht Gegenstimmen sowie eine Enthaltung gegenüber.

Diese hatte vorgeschlagen, sich finanziell nicht an den Leistungsphasen I und II zur Grundlagenermittlung und Vorplanung, und auch nicht an der standardisierten Bewertung zu beteiligen.

Weil am Rhein verabschiedet sich damit frühzeitig aus einem Projekt, bei dem erst vor kurzem die Entscheidung gefallen war, die Anliegerkommunen mit 50 Prozent an den Kosten der ersten beiden Planungsphasen zu beteiligen.

Die anderen 50 Prozent hätte laut eines Beschlusses des Kreistags vom 22. Oktober der Landkreis Lörrach übernehmen sollen.

Die Vertreter der Kommunen waren damit gefordert, ihr Engagement für die Reaktivierung der Bahn noch einmal zu überdenken. Bis zum Sommer war man von einer Kostenbeteiligung von lediglich zehn Prozent an den Planungskosten ausgegangen.

Im Ortschaftsrat Haltingen hatte es vor kurzem bereits eine Mehrheit für die Nichtbeteiligung an der Vorplanung gegeben.

Kein Nutzen für Weil am Rhein

Von einer Reaktivierung der Kandertalbahn als S-Bahn, wären in Weil am Rhein Anlieger des Teilorts Haltingen betroffen gewesen. Derzeit wird die Strecke von einer Museumsbahn, dem „Chanderli“ befahren.

Entsprechend dessen Einwohnern war die von der Kommune aufzubringende Summe in Höhe von 245 000 Euro errechnet worden.

Angesichts knapper Kassen war das der Mehrheit der Weiler Räte zu viel.

In der knapp zwei Stunden dauernden Debatte vor der Abstimmung war zudem der Nutzen einer Kandertal-S-Bahn für die 3-Länder-Stadt überhaupt in Frage gestellt worden.

Mehrere Räte zweifelten an, dass es technisch und bahnorganisatorisch möglich sei, eine solche S-Bahn, wie anfangs angedacht, bis Basel zu führen. Sowohl der Basler Bahnhof SBB als auch der Badische Bahnhof seien jetzt schon überlastet.

Die Linienführung vom Bahnhof Haltingen über Weil am Rhein nach Basel sehr überdies kompliziert, da Bahngleise unterirdisch von einer S-Bahn gekreuzt werden müssten, um auf das Lokalbahngleis auf der Westseite zu gelangen.

Grüne kämpfen vergeblich um Beteiligung

Gegen die Vorlage der Stadtverwaltung stimmten die Fraktionen der Grünen, die sich mit teils emotionalen Reden für die Beteiligung an der Planung eingesetzt hatten.

Man müsse erst verlässliche Grundlagen schaffen, um weiter über das Projekt entscheiden zu können. Dafür seien die Leistungsphasen I und II notwendig.

Die Grünen-, aber auch die SPD-Fraktion sehen in der Reaktivierung der Kandertalbahn ein zukunftsträchtiges Verkehrsprojekt im Hinblick auf eine Umgestaltung des Verkehrs weg vom motorisierten Individualverkehr hin zu einem emissionsarmen, öffentlichen Verkehrsmittel.

Der Nutzen, den die Bahn der Stadt bringen könnte, liege in der Anbindung weiterer Kommunen an die 3-Länder-Stadt.

Sie könne so mehr Kunden und Käufer für ihre Geschäfte gewinnen.

Solidarität mit kleineren und abgelegeneren Kommunen entlang einer künftigen S-Bahn-Strecke ins Kandertal wurde eingefordert.

Die aufzubringenden Kosten würden Geld kosten, aber nicht so viel, dass man sich das nicht leisten könne, hieß es.