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Kandern/Fluorn-Winzeln Initiative setzt sich für "Hofnahe Schlachtung" von Tieren ein

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Ahnungslos auf dem Weg zur Schlachtung: Die "MSE 001" ist im Grund aufgebaut wie ein Futterstand. Foto: Schwarzwälder Bote

Kandern/Fluorn-Winzeln - Massentierhaltung, endlos lange, qualvolle Tiertransporte und ein Ende in Panik und Schrecken in irgendeinem Horror-Schlachthaus: Wer auf Fleisch und Wurst nicht verzichten will, muss sich darüber im Klaren sein, dass er mit seinem Konsumverhalten Teil einer Leidenskette für Millionen Tiere ist.

Dass es auch anders geht, macht die Initiative "Schlachtung mit Achtung" des Landwirts Thomas Mayer aus Kandern (Kreis Lörrach) und der Bürokauffrau und engagierten Tierschützerin Sandra Kopf aus Fluorn-Winzeln (Kreis Rottweil) vor, die für ihre Idee, Schlachttieren ein würdevolleres Ende ohne unnötiges Leiden zu ermöglichen, kürzlich als eine von landesweit fünf Initiativen von Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) mit dem baden-württembergischen Tierschutzpreis 2019 ausgezeichnet worden ist.

"Wir möchten, dass ein Umdenken stattfindet", fasst Kopf die Ziele von "Schlachtung mit Achtung" (SmA) zusammen: "Wenn man schon Tiere schlachtet, dann sollte dies so schonend und stressfrei wie möglich geschehen: ohne Verladung, ohne den Stress und die Angst auf dem Transporter. Der letzte Weg der Tiere soll nicht in der Hölle enden. So haben wir angefangen."

Sieben Jahre ist das her. Die Lösung ist aus Sicht von Kopf und Mayer die sogenannte "Hofnahe Schlachtung", bei der Rinder in ihrer vertrauten Umgebung getötet und erst nach dem Tod in den Schlachthof zur Verarbeitung gebracht werden. Dafür haben Kopf und Mayer in den vergangenen Jahren nicht nur im Gespräch mit Landes-, Bundes- und Europa-Politikern und im Austausch mit Wissenschaftlern, Landwirten und Bauernverbänden hart gearbeitet. Sie haben auch zusammen mit dem Schlosser Peter Brandmeier in Kandern-Riedlingen die "Mobile Schlachteinheit MSE 001" entwickelt und im Frühjahr 2019 zur Marktreife gebracht. Rund 100 Tiere wurden mit dem Gerät, das seit Herbst 2018 für die Schlachtung von Rindern zugelassen ist, bereits getötet.

Mit einer mobilen Schlachteinheit wird auch auf dem Uria-Hof bei Balingen gearbeitet. Der Schwarzwälder Bote hat den Hof besucht. Mehr sehen Sie im Video:

Die "MSE 001" ist im Grund aufgebaut wie ein Futterstand, der den Tieren bereits vor dem Schlachttermin auf dem Hof vertraut gemacht wird. Sie gehen entweder freiwillig in das Gerät, wo sie automatisch fixiert und mit einem gezielten Bolzenschuss betäubt werden, oder sie lassen es bleiben. "Und dann wird eine Schlachtung eben auch mal abgebrochen", betont Sandra Kopf. Jede Schlachtung wird per Video dokumentiert, um die Einhaltung der Tierschutzstandards zu garantieren. Der Tod kommt für die Kühe so überraschend, wie für ein Reh, das im Wald vom Jäger im besten Fall mit einem einzigen gezielten Schuss erlegt wird.

Nach dem Betäubungsschuss wird das Tier mit einer Winde in den mobilen Schlachtraum gezogen und getötet. Keine Minute dauert das. Danach wird das Schlachttier zur Verarbeitung gefahren. Und zwar flott: Der Gesetzgeber verlangt, dass der Weg von der Schlachtung zur Verarbeitung aus lebensmittelhygienischen Gründen nicht länger als 45 Minuten dauern darf.

Mit dieser Methode verbessert man auch die Qualität des Produkts

Ganz klar, eine Fließbandproduktion von billigen Burger-Buletten ist so nicht machbar. Aber, betont Kopf: Mit der mobilen Schlachtung erspart man nicht nur dem Tier eine Menge Leid, man verbessert auch die Qualität des Produkts, das nachher beim Metzger in der Theke landet. Oder im Online-Shop www.sma-fleisch.de, wo man beispielsweise eine Bratwurst zum Preis von 3,50 Euro oder ein Kilo Rinderbraten für rund 28 Euro bestellen kann.

Noch bildet die Zahl der Schlachtungen mit der "MSE 001" eine verschwindend geringe Zahl im Vergleich zu den zahllosen Tieren, die im Schlachthof landen. Doch Kopf und Mayer wollen mit ihrer Idee auch Vorreiter sein und ein Bewusstsein für mehr Tierschutz im Umgang mit Nutztieren und deren Wert und Würde schaffen.

Aufmerksamkeit in den Medien haben sie reichlich schon erfahren, unsere Zeitung berichtete bereits Anfang 2016 als erste Zeitung über Kopfs Engagement. Doch gibt es, fast wie zu erwarten, auch Anfeindungen, vor allem im Internet, wo Kopf und Mayer schon als "Mörder" tituliert worden sind. Kopf machen solche Angriffe fassungslos und wütend: "Vom Schreibtisch aus daheim kann jeder leicht urteilen", sagt sie. In der Realität einen Missstand anzupacken und Verbesserungen zu ermöglichen, sei dagegen eine ganz andere Sache.

So sieht man das auch in Stuttgart, wo bei der Verleihung des Tierschutzpreises unter anderem "Durchhaltevermögen, Kraft und Energie" der Macher hinter "Schlachtung mit Achtung" hervorgehoben wurden. "Was wir machen, ist ein Anfang", ist Kopf überzeugt. "Und es ist ja immer so, wenn jemand etwas anfängt: Andere kommen dazu und haben vielleicht noch mehr Ideen, wie man weitermachen könnte." Denn eigentlich ist klar, dass Kopf und Mayer Tiertransporte am liebsten allen Schlachttieren ersparen würden.

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