Eröffnung: Heimat- und Keramikmuseum zeigt Sonderausstellung mit Werken von Johannes Beyerle
Kandern - Mit der Sonderausstellung „Einblicke“ des Vogelbacher Künstlers Johannes Beyerle wird morgen, Donnerstag, das Heimat- und Keramikmuseum wieder eröffnet. 17 seiner Zeichnungen, zwei Skizzenbücher und zwei Skulpturen werden im Obergeschoss des Museums zu sehen sein. Sie sind auch als Teil von Beyerles erstem Literaturprojekt „Und in der Ferne Schnee“ zu verstehen.
Sieben Jahre lang hat Beyerle in seinem Atelier im alten Schulhaus in Vogelbach gezeichnet und geschrieben, geschrieben und gezeichnet. Prozesse, die unabhängig voneinander abliefen, wie er betont. Dennoch sind sie auf ihre Art miteinander verschmolzen: zum einen im gerade erschienen Zeichenroman „Und in der Ferne Schnee“, der das erste literarische Werk des Künstlers darstellt, zum anderen in den zahlreichen Bleistift-Zeichnungen mit Säulen aus Schrift als fester malerischer Bestandteil.
Es sind oft flüchtige Gedanken und Impulse, die sich notizenhaft in den Zeichnungen materialisieren. Die Schrift wird somit zur formalen Komponente des künstlerischen Werks, zu einer Irritation für die Zeichnung, die aber nicht weniger Gewicht hat.
In seinem Buch hat Beyerle diese impulsiven Gedanken zu Literatur weiter verarbeitet. Auch viele seiner Zeichnungen sind darin enthalten und führen ein Eigenleben. Illustrationen für die Texte sind sie ausdrücklich nicht.
„Der Betrachter muss nicht wissen, was da steht, wird aber neugierig“, sagt der Künstler über die Gedankensplitter, die sich wie ein roter Faden durch die ansonsten realistischen Zeichnungen ziehen. „Im Vagen, nicht ganz Eindeutigen, Hauchdünnen liegt für mich auch die Schönheit“, erklärt er.
Seine Bilder sieht er darüber hinaus als Resultat einer Aktion, was sich mitunter in einem sichtbar malträtierten Papier manifestiert, gezeichnet von Schrift und „schwer wie Blei“. Manchmal beginnt die eigentliche Zeichnung mit dem energischen Durchstreichen der Worte. „Bleistiftgebiet“ heißt eines der Kapitel in Beyerles Buch.
Auch Schriftsteller
Als Zeichner fühlt sich der Künstler sicher, wie er sagt. Die Schriftstellerei dagegen ist Neuland für ihn. Dass die Bewerbung um ein Stipendium als Autor gleich von Erfolg gekrönt war, gab ihm die nötige Bestätigung für das „übermütige“ Projekt.
Beyerle zeichnet keine Landschaften oder Menschen nach. Vielmehr verarbeitet er in seinem Atelier Bilder im Kopf, die unter anderem von seinen zahlreichen Exkursionen ins Umland beeinflusst werden. Nachzeichnungen findet man am ehesten noch in den beiden Skizzenbüchern, die zur Ausstellung gehören.
Analog dazu handelt es sich bei dem Ich in seinen Texten um ein erweitertes Ich – losgelöst von einer festen Zuschreibung. „Es gibt nichts zu erklären. Im Grunde habe ich nichts zu sagen“, beschreibt Beyerle seine poetische Herangehensweise an das Schreiben.
Ergänzt wird die Ausstellung durch zwei Skulpturen aus einem Lehm-, Heu- und Strohgemisch. Ein fragiles Material, dass die Zerbrechlichkeit des Gegenstands hervorhebt. Dargestellt wird das Antlitz einer Frau, die um 1100 nach Christus an der Pest starb. In einer Hohlform aus Gips blieb dieses Antlitz über die Jahrhunderte erhalten.
Als Hildegard von Egisheim ging sie in die Geschichte ein. Beyerle hat sich mit ihrem Gesicht nicht nur bildhauerisch, sondern auch zeichnerisch und literarisch auseinandergesetzt. Das entsprechende Kapitel in seinem Buch heißt „Totenmaske“.
Eine Vernissage zur Sonderausstellung soll nachgeholt werden, sobald es wieder möglich ist. Auch Lesungen aus Johannes Beyerles Buch in seinem Atelier in Vogelbach sind geplant.
Das Museum hat bis Ende Oktober donnerstags von 14 bis 17 Uhr sowie sonntags von 10 bis 12.30 Uhr und von 14 bis 16 Uhr geöffnet.
Anmeldungen für den Museumsbesuch bei der Tourist-Information Kandern, Tel. 07626/972356, E-Mail: verkehrsamt@kandern.de können pandemiebedingt sinnvoll sein. Dort können auch Sonderführungen vereinbart werden und es gibt den Zeichenroman „Und in der Ferne Schnee“ von Johannes Beyerle zum Preis von 39,90 Euro zu kaufen.