Der Kampfmittelbeseitigungsdienst Baden-Württemberg hat im vergangenen Jahr 13 Bomben aus den Weltkriegen entschärft. Warum das alte Zeug so gefährlich ist, ob der Zollernalbkreis betroffen war und wie man sich bei Funden verhält – wir haben gefragt.
Das Land Baden-Württemberg wurde im Laufe des Zweiten Weltkriegs mit 100 000 Tonnen Abwurfmunition übersät. Davon detonierten etwa 10 bis 15 Prozent nicht – somit sind noch viele Blindgänger in baden-württembergischen Böden und Gewässern zu vermuten. Das teilt der Kampfmittelbeseitigungsdienst (KMBD) mit.
Was es in diesem Zusammenhang noch zu wissen gilt, erklärt Lukas Walter von der Pressestelle des Regierungspräsidiums Stuttgart.
Wurden im Jahr 2024 Kampfmittel im Zollernalbkreis gefunden und beseitigt?
Die Antwort fällt hier zum Glück negativ aus: Der Kampfmittelbeseitigungsdienst habe keine außergewöhnlichen Funde aus dem Jahr 2024 im Zollernalbkreis in Erinnerung, heißt es.
Weshalb sind Kampfmittel, die sogar über 80 Jahre alt sind, noch gefährlich?
Munition, die sich über mehrere Jahrzehnte im Erdreich oder in Gewässern befinde, werde aus mehreren Gründen immer gefährlicher: „Ein wichtiger Punkt ist hier die allgemeine Materialermüdung“, heißt es. Das bedeute, dass die Sicherungselemente an den Kampfmitteln verrottet sein könnten. Auch könnten Sprengstoffe auskristallisieren, und es herrsche eine erhöhte Schlagempfindlichkeit. Zudem könnten krebserregende Stoffe enthalten sein.
Ist bekannt, wie viele Funde es nach Ende des Krieges im Zollernalbkreis gegeben hat?
Hier gebe es keine verlässlichen Statistiken, teilt Lukas Walter mit. Denn: „Insbesondere aus den ersten Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg liegen nur teilweise Papierakten vor. Selbst wenn man diese zeitaufwendig auswerten würde, wären die so gewonnenen Zahlen unvollständig und damit nicht korrekt.“
Wie verhält man sich, wenn man glaubt, etwas Derartiges gefunden zu haben?
Das muss beachtet werden: Kampfmittel- beziehungsweise munitionsverdächtige Gegenstände dürften niemals bewegt, oder angefasst werden. Die Identifizierung verdächtiger Gegenstände müsse den Experten des Kampfmittelbeseitigungsdienstes überlassen werden. Aus dem Grund sollte der Finder umgehend die Ortspolizei verständigen. Die Polizei wiederum verständige den KMBD Baden-Württemberg. Und: „In allen Fällen ist ein Sicherheitsabstand zu wahren.“
Wo alte Kampfmittel gehäuft auftauchen beziehungsweise gefunden werden
„Primärziele bei Bombenangriffen waren militärische Liegenschaften wie Kasernen, Flugplätze und Flakstellungen sowie Großindustrie- und Bahnanlagen.“ In der Umgebung solcher Ziele fänden sich nach wie vor häufig Bombenblindgänger. „Mit dem bevorstehenden Ende des Zweiten Weltkriegs begannen die Angehörigen der Reichswehr und der SS darüber hinaus, Munition, Patronen, Granaten und Panzerfäuste in aller Eile zu beseitigen, um sie dem Zugriff der alliierten Truppen zu entziehen“, erklärt Walter.
Die Munition sei in Depots oder auf Sammelplätzen gesprengt worden, in Bombentrichtern vergraben, auf dem Grund von Gewässern versenkt oder sei einfach planlos weggeworfen worden. „Kampfmittel und Munition können deshalb auch heute noch überall im Land gefunden werden.“