In Lüneburg haben die Menschen lange gegen eine stärkere Ausbeutung des Grundwassers demonstriert. Foto: dpa/Philipp Schulze

In Lüneburg wollte der Konzern für sein Vio-Mineralwasser doppelt so viel Grundwasser abpumpen wie bisher. Doch der Protest der Bürger war gewaltig, nun wird auf einen dritten Brunnen verzichtet. Auch in Vittel und Volvic demonstrieren die Menschen.

Anderswo ist der Kampf ums Wasser, der auch dem Südwesten drohen könnte, schon im vollen Gange – und zwar nicht in fernen Entwicklungsländern, sondern direkt vor unserer Haustür. In Vittel in den Vogesen, keine 150 Kilometer von Freiburg entfernt, sinkt der Grundwasserspiegel seit Jahrzehnten dramatisch, selbst im Frühjahr nach der Schneeschmelze bleiben manche Bäche trocken. Der Grund dürfte in der starken Wasserentnahme des Konzerns Nestlé für sein Mineralwasser Vittel sein. Obwohl seit einiger Zeit weniger abgepumpt wird, sind die Menschen auf den Barrikaden. Auch in Volvic mehren sich die Anzeichen, dass der Konzern Danone das Grundwasser stärker ausbeutet, als es der Natur guttut.

 

In Lüneburg in Niedersachsen sind die Wasserschützer schon einen Schritt weiter und haben zumindest vorerst die noch stärkere Nutzung des Grundwassers durch den Großkonzern Coca-Cola verhindert. Das Unternehmen wollte dort für sein Mineralwasser Vio einen dritten Brunnen bohren – statt bisher 350 000 Kubikmeter Wasser sollte künftig das Doppelte entnommen werden. Der frühere Lüneburger OB Ulrich Mägde verteidigte das Vorhaben – Fachstudien sagten, das Grundwasser sei für 500 Jahre sicher. Die Mitglieder der Bürgerinitiative Unser Wasser trieb dagegen die Sorge um, dass auf Dauer mehr Wasser abgepumpt werde, als sich durch Regen neu bilden könne. Bei den bisherigen Analysen seien die Auswirkungen durch den Klimawandel eben gerade nicht berücksichtigt, sondern es würden veralte Daten zugrundegelegt.

Weltweit soll das Grundwasser um 20 Prozent zurückgehen

Nahrung erhielt diese Sorge auch durch Studien des kanadischen Forschers James Famiglietti vom Global Institute for Water Security an der Universität von Saskatchewan: Danach schwinde weltweit das Grundwasser um bis zu 20 Prozent – auch und gerade in der Region Lüneburg.

Anfang dieses Jahres teilte Coca-Cola dann überraschend mit, dass man vorerst keinen Antrag für eine zusätzliche Wasserentnahme einreichen werde – es gebe aufgrund der sinkenden Nachfrage nach Mineralwasser keinen Bedarf mehr. Wer mehr über Vittel, Volvic und Lüneburg wissen will, dem sei die Arte-Produktion „Auf dem Trockenen“ empfohlen, die es auch auf Youtube gibt, sowie die ARD-Dokumentation „Bis zum letzten Tropfen“.

1000 Liter Grundwasser kosten gerade fünf Cent

Unmut hatte in Lüneburg auch verursacht, dass private Unternehmen wie Coca-Cola kaum etwas für das Mineralwasser bezahlen müssen. Auf Nachfrage beim Umweltministerium in Stuttgart teilte dessen Sprecherin Bettina Jehne mit, dass es in Baden-Württemberg eine klare Gebührenordnung gebe. Danach zahlen private Nutzer aber derzeit gerade einmal fünf Cent pro Kubikmeter (1000 Liter) Grundwasser. Beim Verkauf eines Liters Mineralwassers für 50 Cent entspräche das dem Faktor 10 000.