Friedhelm Flick will Vorsitzender des CDU-Stadtverbands werden. Foto: CDU

Der Text löste im Vorstand Irritationen aus. Flick kritisierte darin unter anderem eine gewisse Bequemlichkeit und die Junge Union.

Freudenstadt - Der Stadtverband der CDU in Freudenstadt wählt in seiner Mitgliederversammlung am heutigen Mittwoch im Kienbergsaal des Kurhauses ein neues Führungsteam. Der Vorsitzende Gerolf Hau und sein Stellvertreter Gerhard Link wollen ihre Ämter in jüngere Hände abgeben.

Als Vorsitzender bewirbt sich Friedhelm Flick (56) aus Kniebis. Bereits im Vorfeld der Versammlung hat er kräftig die Werbetrommel für sich gerührt und an die Mitglieder ein langes "Interview" verschickt, um auf sich und seine Ziele aufmerksam zu machen. Wer die Fragen dazu an Flick gestellt hat, bleibt aber ein Geheimnis. Wer sich außer Flick um den Posten bewirbt, wurde im Vorfeld aus der CDU ebenfalls nicht bekannt. Flick beschreibt in dem "Interview" seine Motivation, für den Stadtverbandsvorsitz zu kandidieren. Er habe den Text an alle Mitglieder geschickt, "damit sie sich im Vorfeld ein Bild von mir machen können", sagt der Kandidat im Gespräch mit unserer Zeitung. Friedhelm Flick stellt die Frage in den Raum: "Wollen wir noch etwas bewegen oder sind wir in der Bequemlichkeit befangen? Ist alles gut so, oder möchten wir uns neu überdenken?"

Kritik an Junger Union

Der gebürtige Freudenstädter, der in Berlin-Neukölln aufgewachsen ist, den Beruf des Gärtners erlernte, sich zum Gartenbautechniker weiterbildete und heute im Klinikum Offenburg als Leiter der dortigen Gartengruppe arbeitet, beschreibt in dem "Interview" auch seinen Lebensweg, der ihn in viele Länder führte. Seine politische Laufbahn begann laut Flicks Angaben bei der Jungen Union in Berlin-Rudow. Er war dort später der stellvertretende Ortsverbandsvorsitzende.

Aktiv war Flick auch im CDU-Ortsverband Diedersborf in Brandenburg. Wie der Kandidat in dem "Interview" beschreibt, sei er bei einer Besichtigung des ehemaligen Hotels Waldlust von Gerolf Hau und dem CDU-Gemeinderatsfraktionsvorsitzenden Andreas Bombel angesprochen worden, ob er bei der Kommunalwahl 2019 mitmacht. Nach seiner Zusage sei er zu Fuß durch die Stadtteile gezogen, habe Prospekte verteilt und Wahlplakate aufgehängt. Mehr als 1400 Stimmen habe er für die CDU in Freudenstadt geholt, doch da "politische Schwergewichte" wie Rolf Lautenschlager oder Carola Broermann die Stimmenliste anführten, sei es schwierig gewesen, diese zu toppen, so Flick.

Auch Kritik gibt es im "Interview" von Friedhelm Flick. Die betrifft vor allem die Junge Union (JU). Patrick Speiser von der JU solle sich weniger um Rentenfragen kümmern, meint er. Der JU wünscht er vielmehr "frecher und unangepasster" zu sein.

Was sagt der CDU-Stadtverband zu Flicks "Interview"? "Ich weiß nicht, was dahintersteckt", so der noch amtierende Vorsitzende Gerolf Hau. "Es ist etwas dubios", meint er zu dem ungewöhnlichen Wahlkampf um das Amt des CDU-Vorsitzenden. Man habe mehrere Kandidaten gefunden, einer Davon sei Friedhelm Flick, so Hau. Vorab wolle er zu den Kandidaten aber keine Stellung nehmen. Alle Mitglieder seien von dem "Interview" wohl etwas überrascht gewesen, zumal nicht genannt werde, wer die Fragen gestellt hat. Außerdem wundert sich Hau, dass Rolf Lautenschlager in einer von Flicks Antworten als politisches Schwergewicht bei den jüngsten Kommunalwahlen aufgeführt wird, denn dieser habe gar nicht mehr kandidiert.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: