Weniger Verkehr, mehr Aufenthaltsqualität: Nagold plant, das Quartier Bahnhofstraße aufzuwerten. Der Weg dorthin dürfte nicht jedem gefallen. Selbst Durchfahrtsverbote sind denkbar.
Es tut sich was in Nagold, speziell im Quartier rund um die Bahnhofstraße. Das gastronomische Angebot dort ist in den vergangenen Jahren größer und attraktiver geworden. Vor allem der untere Bereich der Bahnhofstraße, vom Vorstadtplatz bis zum Gerichtsplatz, und auch die Querstraße sind beliebte Ausgehadressen in der Stadt.
Das ganze Quartier verwandelt sich. Und das wird auch so weitergehen. Erste Schritte zur Attraktivierung des Gebiets wurden auch von der Stadt unternommen. Die neue Zufahrt auf die Bahnhofstraße über die verlängerte Leonhardstraße ist ein Beispiel dafür. Auch die Neuordnung der Verkehrsströme mit Einbahnstraßen ist als Teil eines großen Bahnhofstraßen-Puzzles zu sehen.
Der unnötige Verkehr soll verdrängt werden
Weitere Teile werden folgen. Dabei ist klar: Die Aufwertung eines innerstädtischen Quartiers wie dem der Bahnhofstraße bedeutet vorwiegend, das Areal vom Verkehr zu befreien. Nicht der gesamte, aber zumindest der unnötige Verkehr soll verdrängt werden.
Nagolds Marktstraße gilt dabei als Vorbild. „Gute Erfahrungen“ hat die Stadt dort unter anderem mit dem Pollereinbau gesammelt. An den Wochenenden wird damit dem Durchfahrtsverbot Nachdruck verliehen. Und in der Tat: Die Verwandlung der Marktstraße ist beachtlich: von einer einstigen Bundesstraße und viel befahrenen Ortsdurchfahrt ist sie zu einer verkehrsberuhigten Straße geworden – es gilt Schritttempo. Der Straßenraum darf von allen Verkehrsteilnehmern gleichberechtigt genutzt werden.
Damit taugt die Marktstraße als Blaupause für das Quartier Bahnhofstraße. Auf Nachfrage bestätigt die Stadt Nagold: „Angestrebt wird ein Pollereinbau zur Unterbrechung der Bahnhofstraße am Wochenende.“ Dies gehöre zu einem vom Gemeinderat beschlossenen Verkehrskonzept zur Aufwertung des Bereiches. Und über allem steht: „Ziel ist es, das Quartier zu beruhigen, den Verkehr zu reduzieren und die Aufenthaltsqualität zu steigern.“
Aktuell läuft ein Planungswettbewerb für die Bahnhofstraße
Wirklich konkrete Pläne für den Umbau des Quartiers gibt es aber nicht. Doch klar ist, welche Richtung das alles nehmen wird. Themen wie Rückbau, weniger Parkplätze, Durchfahrtsverbote, Poller sowie verkehrsberuhigte Zonen spielen sicher eine Rolle.
Von einem „laufenden Planungs- und Gestaltungsprozess“ spricht die Pressestelle der Stadt Nagold. Doch grundsätzlich hängen die Veränderungen in der Quer- und der Bahnhofstraße von den Ergebnissen eines Planungswettbewerbs ab, die erst in einigen Wochen vorliegen sollen.
Es geht auch um die Verbesserung der Wohnqualität
Die Aufgabenstellung des Wettbewerbs umfasst die Entwicklung eines „räumlich-städtebaulichen Gestaltungskonzepts für die öffentlichen Räume im Plangebiet“. Dabei geht es sowohl um städtebauliche und verkehrliche Themen als auch um eine Verbesserung der Wohnumfeldqualität.
Letztlich soll eine Jury entscheiden, welches Konzept und welche Ideen wirklich weiterverfolgt werden. Dann geht das Thema auch nochmals in den Gemeinderat. Ein weiterer Schritt wäre die Vergabe der Planung inklusive der Kostenschätzung. Und dann geht es natürlich auch noch darum, die Mittel in den Haushaltsplänen der Stadt Nagold abzubilden.
Das klingt nach viel Zeit, die noch vergehen könnte – doch letztlich hat der Prozess schon begonnen. So gibt es auch bereits konkrete Pläne und Vorhaben. Zug um Zug geht es an deren Umsetzung.
Zum Beispiel in der Querstraße. Schon heute nutzen zwei gastronomische Betriebe dort Parkplatzflächen für ihre Außengastronomie. Und schon heute ist das kleine Verbindungssträßchen zwischen der Neuen Straße und der Bahnhofstraße nur als Einbahnstraße und mit Tempo 20 zu befahren.
In der Querstraße will die Stadt die Aufenthaltsqualität künftig nochmals deutlich steigern. Für die Gastronomie soll mehr Raum geschaffen werden. Weniger Parkplätze, mehr Gestaltungselemente. Und: „Gleichzeitig soll ein verkehrsberuhigter Bereich eingerichtet werden, der zukünftig durchaus mit einem Pollereinbau einhergehen kann.“
„Weitergehende Maßnahmen und Einschränkungen sind denkbar“
Gegenüber der Redaktion sprach Nagolds Oberbürgermeister Jürgen Großmann von einem „Rückbau“ der Straße. Den verkehrsberuhigten Bereich sieht man auch nur als „ersten Schritt“. Weiter teilt die Stadt dazu der Redaktion mit: „Weitergehende Maßnahmen und Einschränkungen sind denkbar.“
Das gilt auch für die Bahnhofstraße: „Vom Gerichtsplatz über den Vorplatz der Stadtkirchentreppe bis hin zum oberen Traubeplatz ist eine gestalterische Aufwertung im Gestaltungssinne eines verkehrsberuhigten Bereichs geplant“, schreibt die Stadt Nagold. Die Aufenthaltsqualität soll dadurch – auch hier – deutlich gesteigert werden.
Auch in der Bahnhofstraße wird das sicher einhergehen mit deutlichen Reduzierungen der Verkehrsbelastung. Zudem werden Parkplätze weichen müssen. Und wie bereits erwähnt, ist auch auf der Bahnhofstraße der Einbau von Pollern angestrebt, um an den Wochenenden die Durchfahrt ganz zu unterbinden. Auch die innerstädtische Traube-Tiefgarage wäre dann nur noch von einer Seite aus im Pkw erreichbar.
Poller in der Bahnhofstraße, Poller in der Querstraße, ein ganzes Quartier als verkehrsberuhigter Bereich – die Tage, in denen Poser mit laut dröhnenden Bässen und Motoren in ihren Autos Showrunden über die Bahnhofstraße drehen konnten, scheinen jedenfalls gezählt zu sein.