Durch die Einführung des Konsumcannabisgesetzes hat die angezeigte Zahl an Rauschgiftdelikten in der Ortenau abgenommen. Die Verfügbarkeit von Drogen in ganz Europa habe jedoch zugenommen, so die Polizei. Foto: Michael Brandt/dpa

Von Marihuana über Amphetamin bis zur scharfen Waffe: Innerhalb weniger Wochen melden Ermittler mehrere Erfolge im Kampf gegen organisierte Dealer. Das steckt dahinter.

16 Kilogramm Amphetamin, acht Kilogramm Streckmittel, mehr als 50 Ecstasy-Tabletten, Waffen und Handelsutensilien – so lautete im August die Bilanz mehrerer Hausdurchsuchungen in Appenweier und Lahr. Daraus ergaben sich weitere Anhaltspunkte für organisierten illegalen Betäubungsmittelhandel, die später zu Durchsuchungen im Freiburger Raum führten.

 

Und als die Polizei im November zwei Personen vorläufig festnahm, die im Verdacht stehen, in der Ortenau mit Betäubungsmitteln Handel zu betreiben, betitelte die Polizei ihre Pressemitteilung mit „Erneuter Erfolg gegen den organisierten Rauschgifthandel“. Wenige Tage später wurde auch in Achern ein illegaler Rauschgifthandel aufgedeckt.

Doch warum konnten die Ermittler in so einem kurzen Zeitraum so viele Fahndungserfolge vorweisen? Gab es in diesem Jahr einen speziellen Schwerpunkt im Kampf gegen den organisierten Drogenhandel? Oder sind solche Ermittlungen gegen die Rauschgifthändler gar „Saisonarbeit“?

Täter gehen „konspirativ und professionell vor“

Nein, heißt es von der Polizei. „Die Jahreszeit spielt bei Betäubungsmittel-Straftaten in der Regel keine Rolle“, teilt das Offenburger Präsidium auf Anfrage unserer Redaktion mit. Stattdessen seien für gewöhnlich „zeitintensive Ermittlungen notwendig“, weil „die Täterschaft in den meisten Fällen konspirativ und professionell vorgeht“, sagt ein Polizeisprecher, der auch erklärt, warum es zuletzt zu einer Häufung an Fällen kam.

„Erhebliche Gefahr für die innere Sicherheit und Ordnung“

„Bei zeitgleichen Verfahren können, je nach Ermittlungsstand, innerhalb weniger Wochen diverse Betäubungsmittel, oft in größeren Mengen, sichergestellt werden.“ Jüngstes Beispiel dafür: Der „erneute Erfolg“, bei dem in Offenburg und Appenweier jeweils rund vier Kilogramm Marihuana und Amphetamin, Handelsutensilien sowie unter anderem eine scharfe Schusswaffe mit Patronen und etwa 45 000 Euro Bargeld sichergestellt wurden.

Mit „Saisonarbeit“ hat die Arbeit der Kriminalinspektion 4 des Präsidiums (siehe Info) also nichts zu tun – im Gegenteil: „Betäubungsmittel-Straftaten, insbesondere Betäubungsmittel-Handelsdelikte, stellen eine erhebliche Gefahr für die innere Sicherheit und Ordnung dar. Neben der Gesundheitsgefahr für die Konsumenten ist die damit verbundene häufige Beschaffungskriminalität problematisch. Diese Straftaten werden von der Polizei kontinuierlich verfolgt“, macht die Polizei klar.

Angezeigte Drogendelikte haben abgenommen

In ganz Europa habe die Verfügbarkeit von Drogen wie Kokain, Amphetamin und Cannabis in den vergangenen Jahren zugenommen – auch wenn in der Ortenau seit April 2024 „ein messbarer Rückgang der angezeigten Rauschgiftdelikte“ zu verzeichnen sei. Laut Polizeipräsidium liegt der mutmaßliche Grund in der Teillegalisierung von Cannabis beziehungsweise der Einführung des Konsumcannabisgesetzes (KCanG). Denn: „Gleichzeitig dürfte der Konsum von Cannabis gleichgeblieben, eventuell sogar durch die Legalisierung leicht gestiegen sein.“

Details zum Ablauf der Ermittlungen gibt’s keine

Genaue Zahlen dazu gebe es jedoch nicht, so die Polizei, die sich auch bei der Frage nach dem Ablauf der Ermittlungen gegen die organisierte Drogenkriminalität, etwa ob verdeckte Ermittler eingesetzt werden, wenig überraschend bedeckt hält. „Über das taktische Vorgehen der polizeilichen Fachdienststellen wird aus ermittlungstaktischen Gründen keine Auskunft gegeben“, so der Polizeisprecher.

Das ist die Kriminalinspektion 4

Die Kriminalinspektion 4 des Polizeipräsidiums Offenburg ist zuständig für den Kampf gegen organisierte Kriminalität und Rauschgiftkriminalität. In der Abteilung der Offenburger Kriminalpolizeidirektion sind nach Polizeiangaben 20 Mitarbeiter beschäftigt, dazu kommen sechs weitere Mitarbeiter beim Kriminal-Kommissariat in Rastatt. Dabei kommt es auch immer wieder vor, dass die Ermittler mit anderen Behörden kontrollieren. Dem Fall in Achern etwa ging ein Ermittlungsverfahren des Hauptzollamtes Lörrach voraus.