Der Polizei ist am Donnerstagmorgen ein Schlag gegen illegale Prostitution und Schleuserkriminalität gelungen. Beamte durchsuchten Wohnungen in acht Bundesländern – auch in Kappel-Grafenhausen war die Polizei im Einsatz. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Wegen des Verdachts auf Schleuserkriminalität und illegale Prostitution hat die Polizei am Donnerstagmorgen bundesweit Wohnungen durchsucht – auch im südlichen Ortenaukreis. Eine aus China stammende Frau soll dort Freier empfangen haben.

Ermittler haben Objekte in acht Bundesländern durchsucht. Nach Angaben der Bundespolizei und der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main waren 800 Beamte und acht Steuerfahnder im Einsatz.

 

Insgesamt wurden 40 Wohn- und Geschäftsräume sowie Bordellbetriebe durchsucht – acht davon in Baden-Württemberg. Drei Festnahmen wurden in Düren und Karlsdorf-Neuthard vollzogen. Bei den Beschuldigten, zwei Frauen und ein Mann, handelt es sich um chinesische Staatsangehörige im Alter von 34, 41 und 42 Jahren.

Die 34-jährige Beschuldigte und der 42-jährige Beschuldigte sind dringend verdächtig, zahlreiche Frauen aus der Volksrepublik China illegal als Prostituierte beschäftigt und beherbergt zu haben.

Wohnungen werden nur für kurze Zeit angemietet

Sie sollen an fast 500 verschiedenen Orten im gesamten Bundesgebiet in sogenannten Tagesterminwohnungen (etwa Hotelzimmer oder Apartments) chinesische Prostituierte eingesetzt haben – unter anderem in Kappel-Grafenhausen. Das bestätigte eine Sprecherin der Bundespolizeiinspektion Kriminalitätsbekämpfung Frankfurt am Main im Gespräch mit unserer Redaktion.

„Diese Wohnungen werden nur für einen gewissen Zeitraum angemietet, um der Prostitution nachgehen zu können“, erläuterte die Polizeisprecherin. Die Frauen und Adressen würden für gewöhnlich ständig wechseln. „Es kann sein, dass es in zwei Wochen eine neue Adresse und Dame gibt.“ Tatsächlich passiere das im Bereich der Prostitution recht häufig.

Sexuelle Dienste werden auf Webseite beworben

Beworben worden seien die sexuellen Dienstleistungen der chinesischen Frauen auf einer öffentlich zugänglichen Webseite. Dort könne man einen Wunschort angeben und bekomme die nächsten Prostituierten angezeigt – mit Profilbildern, Körpermaßen und so weiter.

Auf der Webseite finden sich tatsächlich Profile von Frauen über die ganze Ortenau verteilt – auch an Orten, an denen Prostitution nicht erlaubt ist. Warum konkret Kappel-Grafenhausen in den Fokus der Ermittler geriet, blieb zunächst ungeklärt.

Das Profil der Frau, die in Kappel-Grafenhausen der Prostitution nachgegangen sein soll, ist am Donnerstagnachmittag noch online. „In unserem ansprechenden Ambiente wirst du mit dieser service-orientierten Asia-Maus viel Spaß haben und garantiert voll auf Deine Kosten kommen“, ist dort zu lesen.

Der Kontakt solle nur per Whatsapp erfolgen. „Erst dann wird die Adresse der Tagesterminwohnung herausgegeben“, weiß die Frankfurter Polizeisprecherin zu berichten.

Ob der Vermieter der „Tagesterminwohnung“ in Kappel-Grafenhausen wusste, dass die Frau in dem Objekt der Prostitution nachgeht, konnte die Polizeisprecherin nicht sagen. Die Anmietung der Wohnungen soll über bislang nicht-identifizierte Dritte in China erfolgt sein.

Weitere Orte

An insgesamt acht Orten in Baden-Württemberg haben die Beamten der Bundespolizei Wohnungen durchsucht, berichtet eine Sprecherin der der Bundespolizeiinspektion Kriminalitätsbekämpfung Frankfurt am Main auf Anfrage unserer Redaktion. Neben Kappel-Grafenhausen finden sich auch Rottweil, Calw, Karlsruhe, Ehningen, Karlsdorf-Neuhard (wo eine Verhaftung stattfand), Aalen und Singen auf der Liste der Ermittler.