Das Württembergische Kammerorchester Heilbronn überzeugte beim Kreuzgangkonzert mit Konzertmeister Stefan Hempel.
Das Württembergische Kammerorchester Heilbronn überzeugte beim dritten Kreuzgangkonzert von Anfang an. Und irgendwann kamen Fragen auf: Warum ist das so gut, warum fließt das so wunderbar und bleibt nie stehen, fällt nicht in die Falle des Kitsches (Tschaikowsky) oder in eine gewisse Abgespieltheit (Mozart)? Die Antwort auf all diese Fragen: wegen des Konzertmeisters und Violinisten Stefan Hempel und den, auf hohem Niveau spielenden, Orchestermitgliedern.
Hempel führte das 18-köpfige Orchester vom ersten Pult aus kraftvoll und klar, mit minuziöser Vorstellung und großem Verve. Mit Mozarts „Serenata nutturna KV 239“ wurde der Abend eröffnet. Dazu gesellten sich zum Streichorchester zwei Pauken.
Raum für Karnevaleskes
Die Serenata wurde anlässlich des Karnevals 1776 komponiert und gibt besonders im dritten Satz den Musikern die Möglichkeit, dem Ganzen etwas Karnevaleskes hinzuzufügen: Die einzelnen Teile werden durch einen Halt – einer sogenannten Fermate – voneinander getrennt, die Spieler können sich da etwas einfallen lassen.
Kleinere Einwürfe wurden auch gebracht, am meisten aber kam von Pauker Peter Hartmann, der an seinen zwei Instrumenten sichtlich Spaß hatte und sie mehr als einmal kräftig in die Gänge und den Garten schickte.
Viel Feinheit und Differenzierung
Der Anfangsmarsch wurde in überzeugendem Tempo angestimmt. Man wäre mitmarschiert, so lustvoll und rhythmisch war dieser. Dabei war viel Feinheit und Differenzierung, besonders im Menuett, dem zweiten Satz. Feine Pizzicati, immer sehr präzise. Genau das macht es aus, dass man mitgenommen wird. Wie schmal ist die Grenze von rhythmisch genau zu ungenau, und wie groß die Wirkung.
Jonas Palm, gebürtiger Ludwigsburger und seit 2022 Solocellist des Orchesters, übernahm die Solostimme beim folgenden Cellokonzert von Bach. Hervorzuheben ist hier neben seines kräftigen und feinen, virtuosen und gesanglichen Spiels das Miteinander von Solist und Orchester.
Gebanntes Publikum
Der klagende, warmherzige und die Tiefen auslotende zweite Satz wurde genau so im Cello und Orchester dargeboten – das Publikum war gebannt und konnte nicht anders als sich auf diese Reise mitnehmen lassen.
Nach begeistertem Applaus wurde als Zugabe eine „Adagio cantabile“ von Joseph Haydn gespielt. Palms Cello sang, in großen und innig gestalteten Bögen. Nach der Pause gab es nur noch kurz die Freude unter trockenem Himmel im Garten zu lauschen – das Wetter hatte wohl einige Besucher zu Hause gelassen. Dafür fanden nun alle einen Platz im geschützten Kreuzgang.
Walzer als Zugabe
„Je größer das Streichorchester, desto besser! Dies entspricht genau meinen Intentionen“, schrieb Tschaikowsky zu seiner „Serenade für Streichorchester op. 48“. Ja, es kann nie genug sein an Klang bei diesem markanten Anfangsthema, das sowohl am Ende des Satzes wie auch am Ende des ganzen Stückes wieder erscheint. Schnell könnten die aufsteigenden Tonleitern in den Celli etwas Schweres, Stehendes erhalten, nicht bei den Heilbronnern.
Der Klang war maximal voll, in bestem Fluss. Der berühmte Walzer, der am Schluss als Zugabe kam, erklang beschwingt, bestimmt, verführerisch. Die Elgie klagend, ausgefeilt. Man muss es live gehört haben, um den Genuss verstehen zu können. Die Vorfreude auf ein Wiedersehen mit dem Orchester ist angelegt – möglichst mit diesem Konzertmeister.