„Baroque und Beatles“ lautete der Titel des Neujahrskonzerts der beiden Rheinfelden. Im Bürgersaal gastierten das Kammerorchester Basel und die Saxofonistin Asya Fateyeva.
Das war ein furioser musikalischer Jahresauftakt. Die erste Besonderheit dieses Neujahrskonzerts hob Oberbürgermeister Klaus Eberhardt gleich in seiner Begrüßung hervor: Es war nämlich das zweite gemeinsame, das beide Rheinfelden in Kooperation gestalteten. Die Veranstaltungsreihen „Klassiksterne“ auf der Schweizer Seite und das badische Programm Klassik hätten mit dieser noch jungen musikalischen Zusammenarbeit die erste binationale Konzertreihe Europas ins Leben gerufen, wie Mitorganisator Christoph Müller sagte.
Außergewöhnliche Kombination
Dass dieses Konzert ein ganz besonderes sein würde, zeigte bereits der Titel „Baroque und Beatles“. Werke von Bach, Vivaldi, Cimarosa und Marcello gehörten dazu, immer wieder wechselnd mit kammermusikalischen Arrangements bekannter Titel der Beatles. Als Solistin konnte das europäische Spitzenorchester die Saxofonistin Asya Fateyeva gewinnen. Außergewöhnlich auch deshalb, weil es zu Lebzeiten der Komponisten das Saxofon noch gar gab. Gerade deshalb sind die Arrangements für Saxofon von Barock und klassischer Musik so vielfältig und hörenswert.
Beatles und Cembalo – auch das geht
Anderseits war das zu Barockzeiten dominante Cembalo in der Mitte des 20. Jahrhunderts, als die Beatles ihren Rock ausformten, nur noch selten gebräuchlich. Gerade diese ungewöhnliche Kombination griffen Kammerorchester und Saxofonistin auf und gestalteten daraus wahrlich begeisternde Hörerlebnisse. Der Einstieg mit zwei Sätzen des Brandenburgischen Konzerts Nr. 3 von Johann Sebastian Bach war für das Orchester in etwas verringerter Besetzung eigentlich nur der routinierte Teil zum Einspielen. Sicher und kompetent absolvierten die Musiker diese immer wieder beliebte Komposition.
Von Rheinfelden geht es nach Köln
Bereits der zweite Titel wurde ein Erlebnis der besonderen Art. „Here comes the sun“ von George Harrison im Arrangement für Streicher und Saxofon präsentierte die Eigenwilligkeit dieses Abends. Beim folgenden Konzert für Cembalo, Streicher und Basso Continuo von Bach stieg Fateyeva als zweite Solistin zum Cembalo, gespielt von Arianna Radaelli, mit ein. Beide ergänzten sich in hervorragender Weise. Sehr sympathisch fügte die Solistin kurze Erläuterungen zum Programm ein, so plauderte sie über die instrumentale Bereicherung der Musik aus der „Vor-Saxofonzeit“ und den damit erreichbaren völlig neuen Hörerlebnissen. Mit ihrem Spiel führte sie die enorme Vielfalt der Saxofone vor. Sie wechselte mehrfach vom Sopran- zum Tenorsaxofon. Vor allem zeigte sie mit ihrem Spiel die riesige Klangvielfalt des blechernen Holzblasinstrumentes. Kraftvoll und dezent, fast filigran gestaltete sie die Melodien stets im bestem Dialog mit dem Cembalo. Ebenso ungewöhnlich, wie das Saxofon bei der Barockmusik, war das Cembalo bei den Beatles-Titeln.
Musikalisches Chaos kommt in Ordnung
Einer der Höhepunkte, sicherlich wegen der Bekanntheit des Titels, war das Zusammenspiel von Kammerorchester und Saxofonistin bei „Yesterday“ von Paul McCartney. Das Kammerorchester Basel hatte sich für dieses Programm entschieden, weil Beatle George Harrison schon in den 1970er Jahren seine Begeisterung für Barockmusik zeigte. Gerade die Zusammenführung dieser beiden, auf den ersten Blick gegensätzlichen Musikgenres gibt dem Projekt eine ganz besondere Spannung, das Chaos, so bezeichnete es das Kammerorchester, komme damit in beste Ordnung.
Fateyeva gilt als Ausnahmetalent am Saxofon
Mit Blick auf das Saxofon dürfe man gerne annehmen, dass Bach ein Fan davon gewesen wäre, hätte er es gekannt. Dass das Kammerorchester auch bei diesem Neujahrskonzert brillant spielte, war für alle, die den Klangkörper öfters hören, nicht überraschend, Perfektion und Originalität sind Markenzeichen des Orchesters. Die Saxofonistin brachte den ganz besonderen Klang. Fateyeva spielte bereits mit etlichen der besten Orchester Europas zusammen, gastierte in vielen Ländern und lehrt auch als Professorin für Saxofon an der Musikhochschule Hamburg. Erst kürzlich bezeichnete sie der Norddeutsche Rundfunk als Ausnahmetalent am Saxofon.
Bereits am Sonntag gastieren das Kammerorchester Basel und die Solistin in der mit 2000 Besuchern ausverkauften Kölner Philharmonie. Die 300 Besucher im Rheinfelder Bürgersaal spendeten langen Beifall.